Neuer CDU-Chef: Die Ostalb wählt mit

  • Weitere
    schließen
+
Die Ostalb-Delegierten für den CDU-Parteitag, von links: Winfried Mack, Heike Brucker, Roderich Kiesewetter, Tim Bückner und Simone Uhl.

1001 Delegierte entscheiden am Samstag, wer CDU-Vorsitzender wird: Friedrich Merz, Armin Laschet oder Norbert Röttgen. Von den fünf Ostalbvertretern sagt im Vorfeld nur einer konkret, wen er wählt.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Roderich Kiesewetter, Kreisvorsitzender der CDU und Aalener Bundestagsabgeordneter, hatte sich aus der Deckung gewagt. Norbert Röttgen werde er wählen, wenn es an diesem Samstag um den CDU-Vorsitz geht, hatte Kiesewetter im Gespräch mit dieser Zeitung bereits vor zwei Wochen gesagt. Jetzt hat Roderich Kiesewetter dies konkretisiert: "Wir als CDU haben den großen Vorteil, drei wirklich gute Kandidaten zu haben, alle drei können Kanzler." Er aber spreche sich für Norbert Röttgen aus. Armin Laschet sei "ebenfalls ein klarer Vertreter der Mitte", den er "in höchstem Maße" respektiere. In der Abwägung zwischen Laschet und Röttgen sei für ihn "das höhere Aufbruchspotenzial durch Norbert Röttgen entscheidend". Friedrich Merz hingegen verkörpere "nicht den Generationenwechsel, den wir dringend brauchen". Kiesewetter: "Die Union muss sich an der Mitte der Gesellschaft orientieren. Dort gibt es eben nicht das Verhältnis von 78 Prozent Männer, 22 Prozent Frauen – wie in unserer Partei." In der Mitte würden Wahlen gewonnen. Norbert Röttgen habe als früherer parlamentarischer Geschäftsführer, Bundesumweltminister und jetzt als Außenpolitiker "alle relevanten Themen der Zeit genau im Blick, ebenso wie Digitalisierung und den Zusammenhalt der Gesellschaft". Für seine Aussagen hat Kiesewetter übrigens in Heidenheim ziemlich Schelte bekommen. Der langjährige Voith-Chef und ehemalige BDI-Präsident Michael Rogowski etwa hatte mit deutlichen Worten kritisierte, dass sich Kiesewetter gegen Merz und für Röttgen ausgesprochen hat.

Wie sehen es aber die anderen Delegierten aus dem Ostalbkreis? Der CDU-Kreisgeschäftsführer und Landtagskandidat im Wahlkreis Gmünd, Tim Bückner, sagt nicht, wen er wählen wird. Er beruft sich dabei auf die "geheime Wahl". Er gehöre zu keinem Lager, alle drei Kandidaten hätten Stärken und Schwächen, sagt Bückner. Er stellt sich auf zwei Wahlgänge ein und geht dabei davon aus, dass Friedrich Merz nach dem ersten Wahlgang vorne liege. Wichtig sei ihm, dass derjenige, der gewonnen habe, dann von allen unterstützt werde. Denn ein "Freund-Feind-Denken" schade. Bückner sieht im neuen CDU-Chef nicht automatisch den Kanzlerkandidaten der Union. Denn dabei spreche Markus Söder ein "gewichtiges Wort mit". Ihn könnte er sich als Kanzlerkandidaten vorstellen, alle drei Bewerber für den CDU-Vorsitz aber auch. Denn alle seien "politische Schwergewichte".

Der Aalener CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Mack sieht alle drei Kandidaten für das Amt des CDU-Vorsitzenden "hervorragend qualifiziert". Die Auswahl unter drei geeigneten und sehr profilierten Bewerbern sei "ein Privileg und eine große Chance für die Mitglieder der CDU". Die Corona-Pandemie fordere Deutschland in besonderer Weise heraus. Dank der Arbeit der Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel zeige sich Deutschland nicht nur dieser Herausforderung "in jeder Hinsicht gewachsen". Entscheidend sei, dass der neue CDU-Bundesvorsitzende, aber auch der Kanzlerkandidat der CDU "die erfolgreiche Arbeit Merkels" fortführe. Mack: "Denn ihr Kurs hat sich in den vergangenen Jahren auch aus Sicht der großen Mehrheit der Wähler bewährt." Daran sollte der neue CDU-Bundesvorsitzende anknüpfen. "Regierungserfahrung ist hier ganz sicher hilfreich", sagt Mack – die haben Laschet und Röttgen.

Heike Brucker, Zweitkandidatin von Winfried Mack bei der Landtagswahl, ist ebenso Delegierte für den Bundesparteitag: "Ich bin schon sehr gespannt auf den Bundesparteitag, da ich auch zum ersten Mal dabei sein darf", sagt sie. Besonderes spannend sei natürlich die Wahl zum Parteivorsitzenden, denn dieser werde die CDU für die nächsten Jahre prägen. Seit der Wahl zur Delegierten im September habe sie sich intensiv mit den drei Kandidaten beschäftigt. "Ich möchte mich noch nicht für einen Kandidaten entscheiden, denn ich bin auch gespannt auf die Reden der Bewerber auf dem Parteitag", sagt sie, aber weiter: "Bisher tendiere ich zu Norbert Röttgen, da er für mich ein Parteivorsitzender für alle Mitglieder sein kann und in diesem Superwahljahr ist es wichtig, dass wir Geschlossenheit zeigen."

Simone Uhl, Beisitzerin im Kreisvorstand der CDU, ist die fünfte im Bunde – auch sie ist zum ersten Mal dabei. Wo ihre Präferenzen liegen, das sagt sie nicht. Sie habe sich in den vergangenen Monaten "umfassend informiert", bei allen Kandidaten die Für und Wider abgewägt "und mich mit vielen Menschen unterhalten". Sie freue sich, "mitwirken zu dürfen, um die CDU modern und zukunftsgerichtet aufzustellen" und weiter: "Wir müssen die jungen und weiblichen Wähler wieder stärker mit unseren Themen ansprechen." Und dies gelinge nur "mit einem Vorsitzenden, der auch diese Gruppen innerhalb der CDU mitnimmt". jhs/mil

Der CDU-Parteitag hat am Freitagabend begonnen. Am Samstagmorgen sprechen die drei Bewerber, worauf die Wahl beginnt. Die insgesamt 1001 Delegierten wählen digital. Wenn es im ersten Wahlgang keinem Bewerber gelingt, mehr als 50 Prozent der Stimmen zu erhalten, gibt es eine Stichwahl.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

WEITERE ARTIKEL