OB Dambacher zum Streit um Klinikstandorte: „Asozial und unfair“

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Michael Dambacher
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Ellwangens OB Michael Dambacher übt scharfe Kritik an seinem Aalener Amtskollegen.

Ellwangen. Die Debatte um die Zukunft der drei Kliniken im Ostalbkreis schlägt derzeit hohe Wellen. Nachdem sich Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting jetzt öffentlich für den Erhalt der Standorte in Aalen und Mutlangen ausgesprochen hat, muss er sich scharfe Kritik gefallen lassen. Ellwangens Oberbürgermeister Michael Dambacher hat sich dazu höchstpersönlich aus dem Pfingsturlaub zu Wort gemeldet. Er wirft Brütting unprofessionelles Verhalten vor. Dass der Aalener OB dieses brisante Thema - entgegen bestehender Absprachen – zu diesem Zeitpunkt und auf diese Art und Weise „unordentlich“, über die Presse,  nach außen getragen hat, sei schlicht „unfair“ und „für einen sozialdemokratischen Bürgermeister ziemlich asozial“. 

Im Gespräch mit unserer Zeitung machte Dambacher am Freitag seinem Ärger Luft. Der Ellwanger OB ist über das Vorgehen von Brütting regelrecht erzürnt. „Es ist einfach nicht sachdienlich, wenn jetzt jeder OB für seinen Klinikstandort kämpft. Es war vereinbart, dass dieses Thema in den Sachgremien ausführlich diskutiert wird. Ob Brüttings Vorgehen im Kreistag auf viel Verständnis stößt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, so Dambacher. Und weiter: „Uns muss es doch gemeinsam um die bestmögliche Versorgung unserer Bürger gehen“, betont der Ellwanger OB, der sich in diesem Zusammenhang nicht nur über Brütting ärgert, sondern auch über die Politik in Berlin, deren Vorgaben jetzt dafür sorgen, dass man sich im Ostalbkreis gegenseitig „zerfleischt“. 

Ginge es nach Dambacher, würde man sich auf der Ostalb stattdessen gemeinsam für den Erhalt aller drei Klinikstandorte stark machen. „Das wäre eigentlich sinnvoll und das wäre auch das, was sich die Bürger wünschen.“ Für dieses Ziel müsse man notfalls einen „gemeinsamen Gang nach Berlin“ starten. Bleibt das ohne Erfolg, könne man sich im Kreistag Gedanken machen, wie es weiter gehen kann. In diesem Zuge macht sich Dambacher für „seine“ Klinik stark: Die Bausubstanz der Sankt-Anna-Virngrund-Klinik sei mit Abstand die beste. Nachdem in den vergangenen Jahren über 100 Millionen Euro in das Gebäude geflossen sind, stünden hier in naher Zukunft keine größeren  Investitionen an. Darüber hinaus sei das Ellwanger Krankenhaus unverzichtbar für die medizinische Grund- und Regelversorgung des östlichen Raums. Man müsse schließlich im Blick haben, dass auch die Klinikstandorte in Dinkelsbühl und Nördlingen auf der Kippe stehen. „Fakt ist, die medizinische Versorgung im Westen, ist schon jetzt sehr viel besser als im Osten.“ Viele Gmünder orientierten sich nach Stuttgart, die Argumentation mit der Einwohnerdichte, ziehe deshalb auch nicht.

Ein weiteres Argument sei die Gesundheitsakademie, die in Ellwangen „kliniknah“ ausgebaut werden soll. Dambacher verweist auf einen entsprechenden Beschluss des Kreistags. „Und das funktioniert ja wohl nur, wenn auch noch ein Klinik da ist“, betont  Dambacher mit Nachdruck.  

Podiumsdiskussion zur Zukunft der Kliniken

Die Schwäbische Post und die Gmünder Tagespost laden am Montag, 13. Juni, 18.30 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Kliniken im Ostalbkreis ein. Der Vorstand der Kliniken Ostalb, Prof. Ulrich Solzbach (Vorsitzender), Thomas Schneider (Finanzen) und Sylvia Pansow (Personal), stehen im Park am alten Bahndamm in Böbingen Rede und Antwort. Moderiert wird die Veranstaltung von den Redaktionsleitern Jürgen Steck und Michael Länge.

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