Ohne Aktien keine Zinsen

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Kommen überzeugte Christinnen und Christen besser durch die Pandemie? Glaube, Beten und das Vertrauen auf Gott kann den Menschen in Krisen wie dieser helfen. Symbolbild: pixabay
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Die Corona-Krise verunsichert viele Menschen. Chefs der größten Ostalbbanken geben Tipps, wie man finanziell gut durch die Krise kommt.

Aalen

Der Aktienmarkt brach im März und April massiv ein, um dann zu einer Rekordjagd anzusetzen. Die Preise am Immobilienmarkt stiegen trotz Pandemie durchgehend, gleichzeitig nehmen die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt zu. Guter Rat in der Krise muss nicht teuer sein: Markus Frei, Vorstandschef der Kreissparkasse Ostalb, und Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb, beantworten die wichtigsten Fragen, wie Anleger sicher durch die Krise kommen.

Herr Frei, Herr Abele, Zinsen gibt es seit Jahren nicht mehr auf Sparbuch oder Tagesgeld. Anlagealternativen gibt es viele: Aktien, Immobilien, Edelmetalle. Wie und mit welchem Mix kommt man am besten durch die Corona-Krise?

Kurt Abele: Den "einen" Anlagemix gibt es leider nicht. Je nach Lebensphase, persönlichem Sparziel und der individuellen Risikoneigung gilt es im Rahmen einer ganzheitlichen Beratung den kundenindividuellen Anlagemix zusammen zu stellen. Markus Frei: Grundsätzlich ist die Risikobereitschaft des Anlegers entscheidend. Wie hohe Kursschwankungen hält er aus? Beispiel: Wenn man sich für eine mittlere "Schwankungsbreite" entscheidet, sind bis zu 40 Prozent Aktienquote mit 25 Prozent Immobilienquote, 25 Prozent Renten und 10 Prozent Rohstoffe sicher eine grobe Indikation.

Die Preise am Immobilienmarkt steigen trotz Corona unaufhörlich. Wie kann man sich Haus oder Wohnung noch leisten?

Frei: Die Zinssituation ist Fluch und Segen zugleich! Aufgrund der sehr niedrigen Zinsen können höhere Darlehensaufnahmen erfolgen. Dadurch kann die Preissteigerung im Immobiliensektor, die tendenziell anhalten wird, finanziert werden. Kritisch würde es bei steigenden Zinsen. Diese sind nicht in Sicht, sollten jedoch heute abgesichert werden, um diese Risiken abzuschirmen. Ansonsten gilt es bei Immobilienkäufen immer Lage und Qualität zu beachten. Abele: Nach wie vor gibt eine solide Eigenkapitalbasis jeder Baufinanzierung Stabilität. Abhängig vom Einkommen sollten es auf alle Fälle 10 bis 15 Prozent sein, um zumindest sämtliche Nebenkosten zu decken. Eigenleistungen und auch der Verzicht auf persönlichen Konsum sollten nicht zu optimistisch eingeplant werden.

Was tun, wenn man sich die Rate fürs Häuschen wegen Jobverlusts nicht mehr leisten kann?

Frei: Das kommt aktuell sehr selten vor. In der Regel kann über eine Tilgungsaussetzung die Zeit überbrückt oder die Gesamtfinanzierung gestreckt werden. Abele: Wenn es dennoch dazu kommt, gilt es frühzeitig mit dem Berater Kontakt aufzunehmen. Mit vorübergehenden Tilgungsaussetzungen oder Ratenreduzierungen lässt sich in aller Regel die monatliche Belastung senken, bis der Einkommensverlust wieder aufgefangen ist. Frei: Das ist ein Vorteil von uns Sparkassen und Regionalbanken, dass wir gemeinsam mit dem Kunden im persönlichen Gespräch und vor Ort Lösungen finden.

Aktienmärkte: Erst ging es wegen Corona historisch schnell nach unten, dann trotz Pandemie wieder in Rekordzeit nach oben. Wie ist nachhaltiges, profitables Anlegen möglich?

Frei: Die Märkte haben historisch panisch reagiert, die Geschwindigkeit und die Tiefe des Falls waren beispiellos und so nicht zu erwarten. Auch nicht wirklich erwarten konnte man die überaus schnelle Erholung, die nicht unbedingt im Verhältnis zur Pandemieentwicklung und der wirtschaftlichen Leistung steht. Das war nur möglich, weil die Notenbanken unvorstellbare Geldmengen in den Markt gepumpt haben und es weiter tun werden. Es gibt schlichtweg keine Anlagealternativen! Kursschwankungen wird es natürlich immer geben – mittel- und langfristig gesehen erwarten wir aber auch weiterhin neue Höchststände an den Aktienmärkten. Abele: In der aktuellen Niedrigzinsphase ist es ohne Aktienanlage praktisch unmöglich, der inflationsbedingt realen Geldentwertung entgegenzutreten! Wir empfehlen ein kontinuierliches, monatliches Sparen in Investmentfonds.

Wie groß ist die Gefahr einer Blase an den Aktienmärkten?

Abele: Sowohl der institutionelle Anlagebedarf als auch der private, bei in der aktuellen Krise sogar ansteigender Sparquote, führen zu einem hohen Anlagebedarf. Dies spricht gegen eine akute Blasenbildung. Corona und speziell die aktuell steigenden Infektionszahlen erhöhen die Schwankungen an den Aktienmärkten. Qualität, Streuung und im Immobiliensektor zusätzlich Lage sind nach wie vor wichtig. Frei: Die Diskussion mit den "Blasen" währt gefühlt schon zehn Jahre. Wenn man in Aktien oder Fonds investiert, die nachhaltig sind, das heißt, ein gutes Kurs-Gewinnverhältnis aufweisen und eine nachhaltige Geschäftspolitik in der Strategie verankert ist, kann man Risiken reduzieren. Der Anleger muss sich aber bewusst sein, dass es immer Kursschwankungen gibt, diese dann auch aushalten und vor allem einen langfristigen Horizont haben.

Symbolbild: Adobe Stock
Kurt Abele
Markus Frei

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