Ostalb-Feuerwehr: 3500 Nothelfer mit Teamgeist

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Brandbekämpfung: die Königsdisziplin der Feuerwehr, aber längst nicht die einzige Aufgabe.
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15 Jahre lang Kreisbrandmeister: Otto Feil kennt alle Feuerwehren im Kreis und schätzt die Vielfalt der Menschen auf der Ostalb.

Aalen. Was der Feuerwehr den Namen gibt, macht nur ein Viertel ihrer Einsätze aus: Beim größten Teil ihrer Arbeit ist für die 3500 Feuerwehrleute auf der Ostalb gar kein Feuer im Spiel. 

Viel häufiger als zu einem Brand werden sie zur „Amtshilfe“ gerufen – „zu Verkehrsunfällen, zum Türen öffnen, um Gefahrstoffe zu beseitigen“, das sind Beispiele, die Kreisbrandmeister Otto Feil nennt. Bei 1360 Einsätzen haben die Feuerwehren im Kreis 2021 solche technische Hilfe geleistet. 401 Mal mussten die Feuerwehren zu Bränden und Explosionen ausrücken. 

Feuerbekämpfung bleibt aber die Königsdisziplin: „Brände löschen ist die Hauptarbeit eines Feuerwehrmannes“, Otto Feil. Zuwachs gibt es in anderen Bereichen, extreme Wetterereignisse infolge der Klimaerwärmung dürften wohl in den kommenden Jahren für mehr Arbeit sorgen: „Das hat tendenziell zugenommen in den letzten 15 Jahren“, sagt Otto Feil. 

In seinen 15 Jahren als Kreisbrandmeister hat der Ellwanger auch in dieser Hinsicht einiges erlebt. Bemerkenswerte Stürme wie die Windhose über Rainau Weiler im vergangenen Sommer. Oder den Tornado, der 2013 am Hammerschmiedesee einen Campingplatz verwüstet hat. Die Kraft der Elemente erlebt man als Feuerwehrmann oder -frau manchmal sehr intensiv: „Dort gab es ein acht Meter langes Holzboot, das nach dem Sturm 100 Meter weiter gelegen ist“, erinnert sich Feil.  2016 starb ein Feuerwehrmann in Gmünd beim Versuch, einen Mann aus einer durch Hochwasser überfluteten Unterführung zu retten. Auch bei Amtshilfe-Einsätzen im Ahrtal im vergangenen Sommer haben viele Feuerwehrler von der Ostalb die zerstörerischen Kräfte von Hochwasser aus der Nähe gesehen. Sind die Ostalb-Feuerwehren für solche Katastrophen gerüstet? Sie haben auf jeden Fall versucht vorzusorgen, erzählt Feil. „Die entsprechenden  Gerätschaften sind gut aufgerüstet worden in den letzten Jahren.“  

Die Mitgliederzahlen sind seit Jahren stabil: Gut 3500 Feuerwehrleute gibt es in den 42 Feuerwehren im Ostalbkreis. „Im Vergleich mit anderen Kreisen stehen wir sehr gut da“, sagt der Kreisbrandmeister. Auch bei den Zukunftsaussichten: „Mit dem Nachwuchs haben wir so gut wie keine Probleme“, sagt Feil. Es ist Erfolg, der nicht vom Himmel fällt: „Die Jugendarbeit ist sehr aktiv und gut bei vielen Feuerwehren im Ostalbkreis, das war sogar in der Pandemie so.“ Die Faszination Feuerwehr funktioniert: „Rote Autos mit Blaulicht faszinieren schon Kinder“, besonders welche, die Technik spannend finden. „So ein Rüstzeugwagen ist ja ein fahrender Werkzeugkasten“, sagt Feil. Auch die Zahl der Feuerwehrfrauen nimmt zu, bei den Jugendfeuerwehren liegt ihr Anteil mit 20 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Aktiven. 

Manchmal müssen Feuerwehren den Zulauf zur ihrer Jugend sogar bremsen. Weil die Mannschaftsstärke von Ortsfeuerwehren eine feste Größe ist. „In Ellwangen zum Beispiel sind das eben 100 Leute, und die Jungen sollen ja auch die Perspektive haben, später eintreten zu können.“ 

In seinen 15 Jahren als Kreisbrandmeister ist Otto Feil nicht nur in seinem Fachgebiet zum Ostalb-Kenner geworden, sondern auch bei der Menschenkenntnis. „DEN Ostälbler gibt es nicht“, sagt er.  Weil die Ostalb groß und vielfältig sei. „Der Gschwender ist ganz anders als der Tannhausener“, sagt Feil. Auch sprachlich gibt’s große Unterschiede: „In Lorch ist es schon fast Stuttgarter Dialekt, das Ries neigt dem Bayerischen zu.“ Diese „interessante Vielfalt“ habe er gemocht und immer als etwas Besonderes empfunden, sagt der 63-jährige Feil, der im Sommer aufhört als oberster Feuerwehrmann im Kreis. „Mein Esslinger Kollege hat diese Vielfalt sicher nicht.“

Feils Fachgebiet aber bleibt ein sehr verbindendes Element. „Egal in welcher Himmelsrichtung, was die Feuerwehr-Arbeit anbelangt, sind alle gleich drauf“, sagt er. „Die Kameradschaft stimmt.“ Der Begriff mag ein wenig altmodisch klingen, aber die Sache an sich ist zeitlos, findet Feil. „Wenn man will, kann man es auch Teamgeist nennen.“

Fast jeden Tag ein Fehlalarm

  • Das Personal: 3613 Feuerwehrleute gibt es im Moment auf der Ostalb, 255 davon sind Frauen. Dazu kommen 1100 junge Leute in der Jugendfeuerwehr, davon sind 209 Mädchen. Etwa 1000 Feuerwehrler sind in den Altersabteilungen dabei.
  • Die Einsätze: Wegen Bränden und Explosionen mussten die Feuerwehren 2021 insgesamt 401 Mal ausrücken. In 1360 Fällen haben sie technische Hilfe geleistet. 446 Mal mussten sie wegen Fehlalarmen ausrücken - „in 363 Fällen veranlasst durch Brandmeldeanlagen“, so Otto Feil. 
Otto Feil.
401 Mal mussten die Ostalb-Feuerwehren 2021 wegen Bränden ausrücken.

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