Ostalbkreis: Taxifahren kann bald teurer werden - Busfahren eher nicht

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Die Kraftstoffpreise gehen im Herbst durch die Decke.
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Spritpreise sind nach wie vor hoch, viele Branchen sind davon betroffen. Warum Busunternehmen davon offenbar weniger leiden als Taxiunternehmen.

Aalen / Schwäbisch Gmünd

Wenn Celil Ersayin, Inhaber der Taxenzentrale "Limes Taxi" in Aalen, mit seiner B-Klasse in der Vergangenheit an der Zapfsäule stand, kostete ihn ein voller Tank meist um die 55 Euro. "Ich habe nie die 60 Euro gesehen", erinnert er sich - "die sind jetzt der Standard". Seitdem die Kraftstoffpreise in die Höhe geschossen sind, müssen er und andere Taxiunternehmer beim Tanken tiefer in die Tasche greifen - bei gleichen Fahrtpreisen. Das erhöht die Betriebskosten - und schmälert den Gewinn, wie Hermann Brenner, Chef der Gmünder Taxizentrale bilanziert. Nachfragen bei Taxi- und Busunternehmen zeigen: Obwohl beide Branchen Menschen von A nach B bringen, sind sie unterschiedlich stark betroffen.

"Es ist auf jeden Fall schwerer geworden", fasst Ersayin die aktuelle Taxisituation zusammen. Während der Lockdownmonate habe das Geschäft unter der geringeren Nachfrage nach Taxifahrten gelitten, nun falle die Spritrechnung ins Gewicht. Denn, dass der Tank am Ende des Monats mehr kostet, "das merkt man deutlich". Im Februar etwa, als noch harter Lockdown war, habe er am Ende des Monats 612 Euro fürs Tanken gezahlt. Im Sommer, als die Nachfrage wieder anzog, waren es rund 850 Euro im Monat. Dann kam der September - mit ihm eine Spritrechnung von über 1100 Euro. "Die Kosten treffen immer den Unternehmer", erklärt Brenner.

"Ich würde sofort ein E-Auto nehmen."

Celil Ersayin, Inhaber Limes Taxi

Doch nicht nur Spritkosten wollen beglichen werden. Auch Kosten für Ersatzteile und Reifen sowie komplett neu beschaffte Autos sind zu zahlen, zählt Ersayin auf. Generell seien die Kosten für den Unterhalt gestiegen, sagt er: "Ich merke bei allem, dass es angezogen hat." Doch der Fahrtpreis blieb gleich. Denn den können Taxiunternehmer nicht nach Belieben festlegen. Für Taxitarife ist das Landratsamt zuständig. "Ich bin nicht unbedingt der Fan von Tariferhöhungen", sagt der Chef des Limes Taxi. Doch aktuell seien sich die Unternehmer einig: der Tarif muss steigen.

Tariferhöhung im kommenden Jahr?

Anträge auf eine Tariferhöhung sind bereits in Arbeit, zeigt eine Nachfrage beim Landratsamt. Michaela Conrad, stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs nachhaltige Mobilität, macht eine Beispielrechnung für den aktuellen Tarif auf - und nennt einen Zeitraum, wann dieser sich erhöhen könnte: "Es gibt verschiedene Preise. Dies bedeutet, einfach gesagt, einen Grundpreis in Höhe von drei Euro und pro Kilometer 2,20 Euro." Eine Fahrt von fünf Kilometern koste demnach grundsätzlich drei Euro plus fünfmal 2,20 Euro. In der Summe also 14 Euro.

"Die letzte Erhöhung der Tarife erfolgte im Jahr 2015", erklärt Conrad. Aktuell liege ein Antrag der Taxizentralen für eine erneute Erhöhung vor. "Begründet wird dieser mit der Erhöhung des Mindestlohns und den gestiegenen Spritpreisen." Aktuell laufe die Anhörung des Antrags. "Nach erfolgter Anhörung und rechtlicher Prüfung, entscheiden wir über den Antrag." Sollte der Antrag genehmigt werden, könnte der Tarif im Frühjahr 2022 erhöht werden.

E-Mobilität noch nicht weit genug

Warum aber steigen Taxiunternehmen nicht auf elektrische Fahrzeuge um? "Ich würde sofort ein E-Auto nehmen", sagt Ersayin und auch Brenner schließt nicht aus, dass E-Autos eine Alternative sein könnten. Doch die aktuelle Reichweite genüge noch nicht aus, um den teils unvorhersehbaren Taxialltag zu stemmen. Zwar gebe es durchaus Tage, an denen die planbare Fahrt ins Uniklinikum nach Ulm ansteht, sagt Ersayin, "aber wenn dich der Tag erwischt, an dem gerade viel zu tun ist? Da sind E-Autos gerade noch nicht passend".

"Wir sehen eher die Chance."

Peter Rau, Geschäftsführer OVA

Andere Situation bei Busunternehmen

Anders, als bei Taxiunternehmen dürfte es aktuell bei Busunternehmen aussehen. Zwar tragen auch dort die Unternehmen die Kosten für Kraftstoffe, "bislang sind bei uns aber keine entsprechenden Meldungen eingegangen", sagt Paul-Gerhard Maier, Geschäftsführer von OstalbMobil. Das liege daran, dass Busunternehmen Treibstoff meist im Voraus und "über Monate im Voraus" kauften. Die Kosten seien also "mit Sicherheit deutlich weniger".

Tatsächlich würden sich kurzfristige Preisausschläge nach oben oder unten nicht so stark auf den Preis auswirken, sagt Peter Rau, einer der Geschäftsführer des Aalener Busunternehmens OVA. "Wir kalkulieren über längere Zeiträume", führt er aus. Vor drei Jahren sei das Preisniveau ähnlich hoch wie jetzt gewesen, insofern kein Grund zur Panik. Aber: "Sollte der Dieselpreis über mehrere Monate auf dem aktuellen Wert bleiben, müssten wir reagieren", sagt Rau. Weitere E-Busse zu denen, die bereits im Fuhrpark sind, seien zwar denkbar, wegen der hohen Mehrkosten aber nur mit Fördermitteln von Bund und Land anzuschaffen.

Chance für ÖPNV?

Peter Rau macht sich wegen der Dieselpreise aktuell keine Sorgen. "Wir sehen eher die Chance." Wenn mehrere Menschen das Auto wegen der Spritpreise stehen lassen, könnte das für mehr Fahrgäste in Bussen sorgen. Und damit ließen sich die Spritkosten auffangen. Dass Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr daher aber tiefer in die Tasche greifen müssen, sei nicht zu erwarten, entwarnt der OstalbMobil-Chef - zumindest definitiv nicht für die nächsten Wochen und Monate. Wenn am Preis etwas gemacht werde, dann im August. Aber auch sonst gelte, "die Preise im Nahverkehr klein zuhalten", sagt Maier.

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