Päppeln, Pudding und Konstanten

+
Eines der ersten Zeltlager im Ostalbkreis. Rund 30 Jungen zelteten im Jahr 1950 bei der Burghardsmühle. Bis heute haben verschiedene Zeltlager in der Region Tradition und bieten Spaß und Abenteuer für Heranwachsende.
  • schließen

Generationen von Kindern haben in den vergangenen Jahrzehnten in den Ferienfreizeiten unvergessliche Tage erlebt. Auch in diesem Jahr heißt es wieder „Lagerleben“.

Aalen

Mit dem Beginn der Sommerferien heißt es für unzählige Kinder und Jugendliche im Ostalbkreis wieder sechs Wochen Freiheit, Abenteuer erleben und genießen. Dazu braucht es keine weiten Reisen. Ganz in der Nähe liegen traumhafte Orte, an denen hunderte junger Menschen abseits der heimischen vier Wände in Zeltlagern und Ferienfreizeiten Unvergessliches erleben werden.

Das Attribut als traditionsreichstes und größtes Zeltlager im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart darf sich das Zeltlager Zimmerbergmühle auf die Fahnen schreiben. Die Ferienfreizeit wird seit über 70 Jahren, bisher ohne Unterbrechung, jährlich angeboten, erzählt Michael Baltes vom Stadtjugendring des Ostalbkreises. Die Idee eines Zeltlagers für Knaben entsprang 1948 dem damaligen Stadtjugendpfleger Kurt Früh und einem amerikanischen Major. Das „Jungenlager für 30 Teilnehmer“ sollte die Jungs „von der Straße holen“. Sowohl Früh als auch dem Major fiel in den frühen Nachkriegsjahren eine „zunehmende Verwahrlosung“ bei den Knaben auf, zudem waren die Jungs oft vom Hunger gezeichnet, in den dreiwöchigem Zeltlager sollten die Burschen „ordentlich und mit viel Essen“ aufgepäppelt werden. Die gute und gesunde Küche ist noch heute eine Konstante der Zimmerbergmühle.

Die Teilnehmerzahl der „Zimmerbergmühle“ nahm stetig zu. Der erste Platz bei Adelmannsfelden wurde zu klein. Das Angebot des Müllers der Zimmerbergmühle bei Abtsgmünd Anfang der 60er Jahre kam wie gerufen. Mitte der 70er wurde das Lager so beliebt, das es auf drei Abschnitte erweitert wurde. Corona bremste das Lager massiv aus. Das Vergnügen sollte den Kindern aber nicht vorenthalten werden. Mit halbierter Teilnehmerzahl und Hygienekonzept „haben wir uns getraut“, sagt Baltes. Der Mut wurde nicht belohnt, der zweite „Lagerdurchgang“ musste aufgrund eines Corona-Verdachtsfalls abgebrochen werden. Lange Überlegungen standen für diese Sommerferien an. „Die Kinder haben es verdient“, sagt Baltes.

Kult: der „Lagerpudding“

Für die Verantwortlichen des Schwarzhornzeltlagers, das von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Böbingen getragen wird, gibt es in diesem Jahr seit seiner Gründung vor über 50 Jahren „Neuerungen“. Erstmals dürfen auch Mädels das Camp im Allgäu besuchen, erzählt „Camp-Koordinator“ Jonas Guth. Das Schwarzhornzeltlager wurde als reines Bubenlager vom damaligen Böbinger Pfarrer Georg Kolb ins Leben gerufen. Der katholische Geistliche wollte etwas gegen die augenscheinliche Langeweile der Knaben seiner Gemeinde unternehmen. Zuerst als Zeltlager für Ministranten der Böbinger Kirchengemeinde und der Schönstadt-Jugendarbeit wurden auf dem Bauernhof von Kolbs Onkel im Kolpershof im Allgäu 1969 das erste Mal die Zelte aufgeschlagen. Jetzt befindet sich das Schwarzhornzeltlager im Wechsel bei Kißlegg im Allgäu oder im Schwarzwald.

Heuer wird das Zeltlager auf zwei nebeneinanderliegenden Gehöften im Allgäu zu finden sein, jeder „Camp-Abschnitt“ findet dann auf einem der beiden Höfe statt. „Eine logistische Meisterleistung“, sagt Jonas Guth. Logistik ist ein großes Thema. Passte die Ausrüstung von 50 Jungs Ende der 1960er Jahre noch in einen VW-Bulli, werden heute mit einem Sattelschlepper rund zehn Tonnen Ausrüstung und Material angeliefert. Der Ablauf des Lagerlebens hat sich in den vergangenen mehr als 50 Jahren jedoch kaum verändert. Noch immer zählen die Grundgedanken „Natur, Gemeinschaft und Glaube“. Die Gruppenzelte sind ebensolche Konstanten wie das gemeinsame Essen, das wie vor Jahrzehnten auf dem Boden sitzend eingenommen wird. Kultstatus habe hierbei der „Lagerpudding“ erhalten.

Spaß auch ohne übernachten

Um den Kindern der Randregionen von Gmünd in den 1960er Jahren eine „Auszeit“ zu gewähren, riefen die katholischen Kirchengemeinden in Schwäbisch Gmünd die Stadtranderholung Ziegerhof ins Leben. Im Gegensatz zu den Zeltlagern wird hier nicht übernachtet. 2004 schloss sich die katholische Kirchengemeinde von Rehnenhof/Wetzgau der Stadtranderholung an, die bisher von den Bezirken Heilig Kreuz Münster und St. Franziskus getragen wurden. Die Freizeit wurde daraufhin dreimal je zwei Wochen angeboten. Mit den Kindern der Kirchenbezirke Peter und Paul und St. Michael füllten pro Lagerschicht bis zu 120 Kinder das knapp 9000 Quadratmeter große Gelände mit Leben, Lachen und Spielen.

Seit 60 Jahren ist bei der „Freizeit ohne Koffer“ der Ablauf die Konstante, die Kinder werden morgens mit dem Bus „angeliefert“ und im Morgenkreis begrüßt. Nur zweimal konnte die Stadtranderholung nicht abgehalten werden, erzählt der Leiter des katholischen Verwaltungszentrums Klaus Knödler, 2003 als der Ziegerhof einen Umbau erhielt und im vergangenen Corona-Jahr. Dieses Jahr gehen die drei „tragenden“ Kirchengemeinden unterschiedliche Wege. Das Heilig-Kreuz-Münster bietet eine „digitale“ Ferienfreizeit an, eine dreitägige „Minifreizeit gibt es von St. Franziskus, hier dürfen die Kinder erstmals auch übernachten, die Wetzgauer können mit leicht verkürzten Betreuungszeiten die Freizeit in gewohnter Form anbieten.

Die Kinder haben es verdient.“

Michael Baltes, Stadtjugendring Ostalbkreis
Das Zeltlager Zimmerbergmühle im Jahr 2019. Im Sommer vor der Pandemie waren Freizeiten sorgloser möglich.
Das Zeltlager Zimmerbergmühle im Jahr 1978. An diesem Freitag beginnt der Abschnitt 1 in diesem Jahr.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare