Pandemie treibt Kreiskliniken in große finanzielle Not

+
Intensivstation

Ohne Schutzschirme von Bund und Land droht den Krankenhäusern ein Millionen-Euro-Defizit.

Aalen. Landrat Dr. Joachim Bläse und Finanzvorstand Thomas Schneider schlagen Alarm. Wie im Kreistag und im Verwaltungsrat anlässlich der Wirtschaftsplanung 2022 berichtet, entwickeln sich die Finanzen bei den Kreiskliniken im zweiten Jahr der Pandemie 2021 dramatisch kritisch.

Während 2020 der Bund die Erlösausfälle für planbare Eingriffe und stationäre Aufenthalte durch pauschale Tagessätze ausgeglichen hat und das Land Baden-Württemberg die immensen Kosten für Schutzartikel zusätzlich zum Bund bezuschusst hat, schreitet die Pandemie 2021 ungebremst voran - die Ausgleichszahlungen von Bund und Land wurden aber empfindlich gekürzt und sind teils entfallen.

Landrat Dr. Bläse unterstreicht, dass die Kliniken täglich alles daransetzen, um in der Pandemie die Patienten mit hoher Qualität und Fürsorge medizinisch und pflegerisch zu versorgen: „Darauf richtet sich unsere ganze Kraft auch in Zeiten großen Fachkräftemangels.“ Er und Finanzvorstand Schneider sind sich einig: „Es kann ja nicht sein, dass gerade diejenigen, welche in der Pandemie große Lasten tragen, die normalerweise nur zeitlich begrenzt zu leisten sind, nun finanziell bestraft werden und als Verlierer dastehen. Da helfen nicht Beifall und tägliche ordnungspolitische Regelungen.“ Gerade in Krisensituationen brauche man Handlungsspielraum. Insbesondere im Gesundheitswesen, wo viele Anforderungen parallel aufeinanderprallen.

Im Jahr 2020 sicherte der Rettungsschirm bundesweit Erlöse aus dem Vorjahr ab. 2021 gilt jedoch ein Abschlag in Höhe von zwei Prozent. Bei einem Haushalt in Höhe von rund 300 Millionen Euro könne man leicht ausrechnen, dass es um Millionen Verluste gehe, so Schneider.

Es gehe hier nicht nur um die Kosten der Versorgung der Coronapatienten, sondern um Erlösausfälle durch die große Anzahl der zwingend verschobenen und abgesagten planbaren Behandlungsfälle, sowohl stationär wie ambulant.

Die Zuschüsse des Landes für Sachkosten im Bereich Schutzartikel seien 2021 gar völlig entfallen. Schutzartikel würden aber über das gesamte Jahr hinweg für Patienten, Beschäftigte und Besucher dringend benötigt. Aufgrund der Entwicklung im Herbst/Winter 2021, entstünden allein hier Kosten in Millionenhöhe.

Unbemerkt öffne sich auch die Preis-Lohn-Schere besonders im Lande weiter. Das in Baden-Württemberg im Bundesvergleich fast zehn Prozent höhere Lohnniveau und damit Preisniveau würde seit Jahren bei den bundesweit angeglichenen Krankenhauspreisen nicht mehr bezahlt. Das bringe Kliniken zusätzlich in größte finanzielle Not bringen, so Schneider.

Schneider ist im landesweiten Fachausschuss für Krankenhäuser der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft tätig. Die Kollegen dort rechneten ebenso für 2021 mit finanziellen Verschlechterungen von zehn bis zwölf Millionen Euro. Der aktuell beschlossene Versorgungszuschlag würde im Rahmen der komplizierten Ausgleichsregelungen am Ende fast vollständig rückverrechnet.

Bläse und Schneider appellieren dringend an die Bundes- und Landespolitik, wie 2021 noch nachzusteuern und für 2022 verlässliche finanzielle Grundlagen für die Kliniken in Bund und Land zu schaffen.

„Lassen Sie die Kliniken bitte nicht im Regen stehen – sie leisten Großes und sind wichtiger Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dies zeigt die Pandemie in dramatischer Weise. Auch die Gesamtversorgung vieler schwer kranker Menschen muss wieder uneingeschränkt möglich werden. Dazu bedarf es einer soliden Finanzierungsgrundlage“, so Landrat Dr. Joachim Bläses Appell an die Politik.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare