Panne: Corona-Zahlen doppelt erfasst

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Fotomontage: jk
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Wegen drei Faktoren war die Gesamtzahl der Coronafälle im Ostalbkreis zu hoch. Wie das nun korrigiert wurde und welche Folgen das hat.

Aalen. Bei der Software-Umstellung für die Erfassung der Corona-Zahlen im Landratsamt ist es zu mehr Unregelmäßigkeiten gekommen, als bislang bekannt war. Deshalb hat die Landkreisverwaltung am Donnerstag die Gesamtzahl der Corona-Infizierten im Ostalbkreis um 543 auf 4877 nach unten korrigiert. Was ist passiert?

Anfang November hat der Landkreis eine neue Software zur Erfassung der Infizierten und Kontaktpersonen eingeführt, damit die Soldaten in die Abläufe eingebunden werden konnten. Ordnungs- und Verkehrsdezernent Thomas Wagenblast erklärte in einem Pressegespräch zusammen mit Sozialdezernentin Julia Urtel, die Hintergründe: Am Tag der Umstellung der täglichen Statistikmeldung vom 9. auf den 10. November wurden Fälle intern im neuen System doppelt verarbeitet.

Zudem erfolgte versehentlich bei der Systemumstellung Anfang November ein Übertrag von bereits erfassten Fällen aus dem alten Erfassungssystem in die neu eingeführte Software und damit nochmals eine doppelte Zählung.

Urtel betont, dass diese Systemeinführung "unter Hochlast" stattgefunden habe, also unter großem Druck. Zunächst habe man auf eine zentrale Empfehlung des Landes für ein System gewartet – die es aber noch immer nicht mehr gibt. "Und dann konnten wir nicht mehr warten", sagt Urtel. Relativ schnell haben sich Wagenblast und Urtel dann für das System "Sormas" (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) entschieden. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig hat es zur Bekämpfung der Ebolaseuche in Afrika entwickelt. Auch in Frankreich oder der Schweiz ist das System etabliert. In Deutschland haben es bislang nur 50 Kommunen im Einsatz. Noch immer gibt es keine Schnittstelle zum Meldesystem des Robert Koch-Instituts.

Das bedeutet, neben der Erfassung in Sormas zur Kontaktnachverfolgung müssen die Zahlen weiterhin in ein zweites Meldesystem eingetragen werden. Eine der Neuerungen jetzt: "Die Erfasser sitzen jetzt – auf Abstand – in einem Raum", sagt Wagenblast. So könnten sie sich ständig absprechen. Denn nicht immer liegen die Daten in guter Qualität vor.

"Unser Anspruch ist: Was das Amt liefert, darauf muss man sich verlassen können", sagt Wagenblast. Deshalb wolle man jetzt öffentlich aufklären und habe sich für einen harten Schnitt in der Statistik entschieden. Wagenblast und Urtel betonen, dass der Fehler nur die Statistik betraf. Es seien immer alle betroffenen Personen zeitnah informiert worden, da habe es keine Verzögerung oder liegen gebliebene Fälle gegeben.

Und noch von einer Altlast hat man sich bei der Korrektur befreit. Zur Anfangszeit der Pandemie hat der Ostalbkreis 194 "klinische Fälle" in die Statistik aufgenommen – also Corona-Fälle ohne PCR-Test. Da das RKI und Landesgesundheitsamt in ihren Daten nur durch PCR-Tests bestätigte Coronafälle akzeptieren und darstellen, hat der Ostalbkreis diese Fälle nun ebenfalls entfernt – damit die Zahlen wieder zueinander passen.

Auswirkungen Inzidenz-Wert Anfang November unklar

Unklar ist, wie stark sich die doppelten Erfassungen Anfang November damals auf die Sieben-Tages-Inzidenz für den Ostalbkreis auswirkten. Ebenfalls Anfang November wurde eine große Zahl von Corona-Fällen nicht parallel zur Eingabe in das neue System auch ans Landesgesundheitsamt übermittelt. Diese Fälle mussten deshalb beim LGA nacherfasst werden mit der Folge, dass die 7-Tage-Inzidenz für den Ostalbkreis viel zu hoch – und damit falsch – ausfiel. Mit der doppelten Zählung hatte dieser Fehler allerdings nichts zu tun. Mittlerweile weist auch das Land wieder einen korrekten Inzidenzwert für den Ostalbkreis aus.

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