Papierkrieg um Azubi aus Marokko

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Bürokratie
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Ein Spediteur aus dem Ostalbkreis will einen Auszubildenden einstellen. Seit vier Monaten bemüht er sich um Genehmigungen. Unterdessen hat das Ausbildungsjahr begonnen.

Aalen

Der Geschäftsführer ist verärgert. Am 1. September hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Eigentlich hätte in seiner Spedition ein Marokkaner bei ihm die Ausbildung zum Berufskraftfahrer beginnen sollen. Doch bisher habe der Mann noch kein Arbeitsvisum bekommen. Und das, obwohl er bereits seit vier Monaten daran arbeite, Genehmigungen zu bekommen.

„Wir suchen dringend Berufskraftfahrer“, sagt der Geschäftsführer der Spedition aus dem Ostalbkreis, der lieber anonym bleiben möchte. Deutsche seien dafür kaum noch zu begeistern. Nun habe er Bewerbungen aus Marokko bekommen. Der Mann, den er gerne einstellen möchte, habe beim Videotelefonat einen guten Eindruck auf ihn gemacht. „Er kann Deutsch, weil er eine deutsche Schule besucht hat“, sagt der Geschäftsführer.

Vom ihm habe sich der Geschäftsführer eine Vollmacht besorgt, damit er für ihn Anträge stellen kann. Beim Landratsamt, der Ausländerbehörde im Landratsamt und der Agentur für Arbeit. Dabei sei es unter anderem um die Vorrangprüfung gegangen. Die Prüfung soll sicherstellen, dass der Marokkaner keinem Deutschen oder jemandem, der hier einen Aufenthaltstitel besitzt, den Arbeitsplatz wegnimmt. Nachdem das geklärt sei, hänge die Sache nun in der deutschen Botschaft in Rabat in Marokko. Die soll dem jungen Mann ein Arbeitsvisum ausstellen. Nachdem der Geschäftsführer länger nichts gehört habe, habe er vor Kurzem nachgefragt. „Ich habe 420 Euro für ein beschleunigtes Verfahren bezahlt und plötzlich geht es“, erzählt er. Innerhalb fünf oder acht Tage sollte das Visum nun ausgestellt werden, so hofft der Geschäftsführer. Er hat dem Azubi bereits eine Wohnung besorgt und ihn auf der Berufsschule angemeldet, die nun startet.

Nicht geklappt hat es für drei jugendliche Geflüchtete, die in der Spedition einen Ferienjob im Lager machen wollten. Dafür hätten sie die Genehmigung der Ausländerbehörde beim Landratsamt gebraucht, berichtet eine Betreuerin, die ebenfalls anonym bleiben möchte. Als sie kurz vor den Ferien noch nichts gehört hatte, habe sie nachgefragt. Aus dem Landratsamt habe es geheißen, dass die Arbeitsverträge nicht vorgelegt worden seien. Die Betreuerin ist sich aber sicher, dass die Vormündin sie eingereicht hat. Außerdem habe sie dann erst vom Landratsamt erfahren, dass eine Vorrangprüfung der Agentur für Arbeit nötig sei, die vier Wochen dauere. Dass diese Prüfung in dem Fall nötig ist, versteht die Betreuerin nicht. „Sie nehmen doch niemandem etwas weg“, sagt sie. Es sei doch nur um einen Ferienjob gegangen. Rund vier Wochen später seien nun alle erforderlichen Papiere da. Doch die Ferien sind vorbei. „Die Mitarbeiter, die nicht im Urlaub waren, haben deswegen Überstunden machen müssen“, erzählt der Geschäftsführer.

Die persönliche Referentin des Landrats, Katharina Oswald, nimmt dazu Stellung. „Im Ausländerbereich ist aktuell eine Mehrbelastung erkennbar“, schreibt sie. Diese komme zum einen durch die Geflüchteten aus der Ukraine. Zum anderen jedoch auch durch häufige Gesetzesänderungen. „Der Ostalbkreis hat diesen Bereich bereits verstärkt und ist immer bemüht Anfragen und Anliegen zeitnah und lösungsorientiert zu klären“, so Oswald. „Bei Einzelfällen sind jedoch auch dritte Behörden zu beteiligen, was zur Folge hat, dass sich die Bearbeitungszeit verlängern kann.“ Eine zeitnahe Bearbeitung sei außerdem nur dann möglich, wenn Unterlagen komplett und rechtzeitig eingereicht werden.

Der Geschäftsführer der Spedition macht dem Landratsamt keinen Vorwurf, ebenso wenig der deutschen Botschaft in Rabat oder einer anderen Behörde. Das Problem liegt für ihn im System. Da in Deutschland Fachkräftemangel herrsche und viele Firmen darauf angewiesen seien, ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen, sollte das einfacher möglich sein, findet er.

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