Perfektes Handwerk und ein Spiel mit Wahrnehmung

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Galerist Cyprian Brenner, Kunstvereinskurator Ulrich Brauchle und Künstler Thomas Schiela (v. l.) tauschten sich mit Zuhörern im Marschallsaal des Schlosses über den Kunstbetrieb aus.

Galerist Cyprian Brenner, Kurator Ulrich Brauchle und Künstler Thomas Schiela in Ellwangen

"Punta Pagoda", die Ausstellung mit fotorealistischen Aquarellen von Thomas Schiela, nannte Roland Hasenmüller, Vorsitzender des Ellwanger Kunstvereins, die "Ausstellung des langen Atems". Denn statt der geplanten Vernissage am 15. März konnte die Schau coronabedingt erst am 28. Juni eröffnet werden. Und: "Schon seit vier Jahren lag ein Katalog von Thomas Schiela auf meinem Schreibtisch, aber erst jetzt ist es gelungen, die Ausstellung zu realisieren", sagte Hasenmüller. Und dann hingen Schielas Werke wochenlang in den Räumen im Schloss, ohne, dass Besucher sie bewundern konnten...

Umso mehr freue es ihn, dass der Künstler selbst nun zu einem besonderen Anlass begrüßt werden durfte – in persona und nicht über digitale Distanz: Im Marschallsaal setzte sich Schiela mit Kunstvereinskurator Ulrich Brauchle und Galerist Cyprian Brenner sowie rund 25 Besuchern mit dem Kunstbetrieb auseinander.

"Kunst sollte sein wie ein bequemer Sessel", zitierte Brauchle einen Buchtitel von Henri Matisse, um ins Gespräch einzutauchen. In dem sollte Schiela persönliche Einblicke in sein Arbeiten liefern; durch den erfolgreichen Galeristen Brenner wurden zudem immer wieder Schlaglichter auf die Branche geworfen.

Wie er seine Motive auswähle, wollte Brauchle erfahren, wenn Schiela von seinen Reisen mit Hunderten Digitalfotos im Gepäck ins Atelier zurückkomme. "Ich versuche, dem Betrachter möglichst viele Zugänge zu bieten", sagte Schiele. So seien es oft "fünf, sechs Aspekte", die bei der Motivwahl entscheidend seien. Dabei sind nicht nur Licht und Stimmung ausschlaggebend, sondern auch Details – und sogar Fehler, wie Bewegungsunschärfen oder "wenn der Autofokus versagt": "Irgendwann habe ich bewusst entschieden, die fotografischen Fehler mit aufzunehmen." Dadurch entwickeln sich manche seiner Bilder ins Abstrakte, bauen Tiefe und Mehrschichtigkeit auf.

Wie er als Galerist seine Künstler finde, wollte Brauchle von Brenner wissen, der Galerien in Niederalfingen, Augsburg und Schwäbisch Hall betreibt und auch Schiela vertritt. "Der Künstler braucht ein Alleinstellungsmerkmal, darf in keine Schublade passen", sagte Brenner, denn so erlange dessen Werk "Wiedererkennungswert". Dazu komme wie in Schielas Fall eine enorme "handwerkliche Qualität", die es brauche, um die künstlerische Vorstellung perfekt umzusetzen.

Schielas Bildwelten entstehen in monatelanger, akribischer Arbeit, praktisch Pixel für Pixel bei der Umsetzung auf der Leinwand. Dabei sei seine Arbeit mit Aquarell fast eine "Umkehr der Malerei", weil Schiela zum Erzeugen der hellen Stellen die Leinwand eben nicht übermalen dürfe, erläuterte Brenner. "Man muss fast verrückt sein, sich so konzentrieren zu können." Lediglich rund fünf Bilder könne der Künstler pro Jahr fertigen, dabei arbeite er diszipliniert, täglich von 8 bis 18 Uhr.

"Ich konzentriere mich auf das Pixel und arbeite mit der gleichen Akribie, ob ich einen Grashalm male oder ein Gesicht", beschrieb Schiela. In der digitalen Bilderflut unserer Gegenwart gehe es ihm auch darum, "die Bremse zu treten", indem er sich auf ein Motiv über Monate konzentriere und dies dann auch dem Betrachter vorsetze. Entscheidend sei am Ende die Wahrnehmung.

Da war er, der Bogen zum eingangs zitierten Sessel, bei dem es gar nicht so sehr um "Bequemlichkeit" gehe, fand Brauchle: Sondern auch darum, sich Zeit zu lassen, vor einem Bild zu verweilen, es zu analysieren, auszuwerten und wirken zu lassen.

Info: Die Ausstellung "Punta Pagoda" von Thomas Schiela ist noch bis 23. August zu sehen.

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