Pollenplage: Was Allergikern hilft

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Im Frühjahr sind Allergiker besonders durch Pollenflug geplagt.
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Allergologe Dr. Josef Zech erklärt, warum man Heuschnupfen besser behandelt, was er von ständigen Nasenspülungen hält und warum man auch ohne Allergie Symptome haben kann.

Aalen

Nun fliegen sie wieder. Und sie haben mitunter sehr lange Flugrouten. Sogar skandinavische Birkenpollen quälten vor ein paar Jahren Allergiker auf der Ostalb, wie der Aalener Allergologe Dr. Josef Zech erklärt. Der Experte erklärt, warum es immer mehr Allergiker gibt, warum die Nase auch ohne Allergie juckt und gibt Tipps, wie man den Pollen die Stirn bieten kann.

Es gibt immer mehr Allergiker - auch auf der Ostalb?

„Allergien nehmen auch auf der Ostalb - wie überall - leicht zu, sagt Dr. Josef Zech. Vor allem der Klimawandel setzt auch Allergikern zu. Wenn es im Winter zu warm und der Schnee weg ist, dann blühen Hasel und Erle eben schon im Januar. Die Zeitspanne, in der Pollen aktiv sind, wird länger. Und dadurch entsteht auch der Eindruck, dass es mehr Allergiker gibt. Die Birke in Nachbars Garten sei angesichts von Pollen, die überall in der Luft sind, kein Grund, es auf einen Streit ankommen zu lassen.

Ein Heuschnupfen ist wie Schnupfen, mehr nicht?

Nein. Zähes Nasensekret, behinderte Nasenatmung, Augenjucken. „Das sind die gängigen Initialsymptome. Wenn diese aber über Jahre auftreten und der Heuschnupfen nicht behandelt wird, dann kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen.“ Der Betroffene kann dann ein polleninduziertes Asthma entwickeln. HNO-Ärzte und Lungenfachärzte sprechen beim Atmungssystem von den „united airways“. Das bedeutet, dass die Schleimhäute von Nase und Lunge ein gemeinsames System bilden, erklärt Zech. Entlang derer sich die Allergie verlagern kann.

Heuschnupfen und Erkältung – gibt es Symptome, bei denen man beides auseinanderhalten kann?

Ja, die gibt es. Der Unterschied zwischen Heuschnupfen und Erkältung ist erkennbar an „dem Juckreiz und den Niesanfällen, die die Pollenallergie auslöst“, so der Allergologe. Dann würden die Schleimhäute anschwellen. Sei man erkältet, fühle man sich krank. Eine Allergie mache eher müde und trete auch auf, wenn es warm ist.

Bei Heuschnupfen ein paar Tabletten nehmen – reicht das aus?

Jein. „Das ist ganz individuell“, so Dr. Josef Zech. Gängige Mittel wie Cetirizin und Loratadin oder neuere Wirkstoffe wie Levocetrizin und Desloratadin als Tabletten würden oft ausreichen. Tun sie das nicht, rät er zusätzlich zu Nasensprays, die Kortison und/oder ein Antihistaminika enthalten, gegebenenfalls Augentropfen mit einem Antihistaminikum. „Das ist die Basistherapie für den Allergiker, der leidet.“ Neuere Wirkstoffe würden kaum müde machen. Und wenn doch – einfach abends einnehmen. „Dann können sie auch noch gut schlafen“, sagt Zech. Abhängig sei das Ausmaß der Behandlung auch vom Wetter, Freizeitverhalten und Arbeitsbedingungen. Wer nur im Homeoffice sei, brauche weniger Medikamente als jemand, der bei schönem Wetter eine dreistündige Radtour plane.

Kann man selbst etwas tun?

Ja. „Es gibt eine sogenannte Pollenhygiene“, sagt Zech. Dazu gehöre etwa, die Betten und die gewaschene Wäsche nicht draußen aufzuhängen. „Da fallen sonst währenddessen ununterbrochen Pollen drauf, die man später wieder inhaliert.“ Ebenso sei es sinnvoll, morgens und abends wenige Minuten zu lüften, die Fenster sonst aber geschlossen zu halten. Patienten mit längeren Haaren rät der Experte, abends vor dem Zubettgehen die Haare zu waschen. „Das hört sich alles nach Kleinigkeiten an. Es geht aber darum, die Pollenexposition, also den Kontakt mit den Pollen, zu reduzieren.“ Von täglichen Nasenspülungen rät der Mediziner ab. „Das macht nur Sinn, wenn die Nase sehr verschleimt ist oder man starke Borken hat.“

Der Allergietest ist negativ, trotzdem habe ich Symptome? Kann das sein?

Ja. Allerdings habe man dann mit bis zu 80 bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit keine Pollenallergie. So hoch sei die Spezifität des Pricktests. „Die Nase vieler Menschen reagiert überempfindlich auf Staub und Trockenheit“, sagt Dr. Josef Zech. Rauchen, die Raumluft am Arbeitsplatz, all das könne die Schleimhäute strapazieren, all das abzufragen gehöre aber auch zu einer ausführlichen ärztlichen Anamnese. „Da muss man fast ein wenig kriminalistisch vorgehen“, sagt der Mediziner. Und betont auch, dass nicht jeder Asthmatiker unbedingt eine Allergie habe.

Der Unterschied zwischen Covid und Heuschnupfen - gibt es da auch Anhaltspunkte?

Wer Heuschnupfen hat, fühlt sich müde, wer Covid mit Symptomen hat, krank, sagt Zech. Aktuell habe er sehr viele Patienten, die vor ein paar Wochen Covid hatten und nun wegen anhaltender Beschwerden kommen. „Viele haben immer noch die Nase zu und ein Druck auf den Ohren“, sagt Dr. Josef Zech.

Hyposensibilisierung - nicht immer möglich

„Die Hyposensibilisierung ist die einzige kausale Therapie gegen Pollenallergie“, so Dr. Josef Zech. Bei der Pollenallergie reagiere das Immunsystem mit den falschen Antikörpern in einer Art Fehlreaktion auf die Allergene. Mit der Hyposensibilisierung werde diese Reaktion zum Positiven verändert. Mindestens drei Jahre dauert eine solche Therapie, geeignet sei sie aber nicht für jeden, so Zech. Schwere Lungen- oder Herzerkrankungen, Immundefektkrankheiten und Niereninsuffizienz etwa schließen sie aus. Man müsse immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen. Bei Patienten mit vielen Allergien sollte man mit Anamnese einschließlich Allergietagebuch, Prick-Test, Blutuntersuchung und ggf. mit einem Provokationstest die relevanten Allergene herausfinden. Provokationstests auf den Bindehäuten, bronchial oder in der Nase seien aber nur sinnvoll, wenn der Patient bereit sei, die Hyposensibilisierung auch als Therapie zu machen. dot

Dr. Josef Zech

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