Prost mit frischem Seewasser

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Distelflaum sammeln, kleine Ästchen aufstapeln, Harzklumpen dazwischen und dann mit dem Feuerstahl Funken schlagen. So geht Feuermachen bei Chris und Micha.
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Wie zwei junge Männer beim Alltag auf die Pausetaste drücken, mit meckerndem Magen, Distelflaum, Hängematte, ganz viel Natur und Ruhe die Ostalb genießen.

Ellwangen

Der See liegt still und dunkel da. Am schwarzen Nachthimmel funkeln die Sterne zwischen den Baumwipfeln. Romantisch schön die Umgebung. Unromantisch kalt die Temperatur in dieser Spätsommernacht. Chris (37) aus Aalen liegt in seiner Hängematte zwischen Kiefer und Buche. Und friert. Von oben und unten ist es empfindlich frisch. An Schlaf ist nicht zu denken. Er gibt’s auf. Schält sich aus dem Schlafsack und macht Feuer. Nachts um 2.30 Uhr. An einem See im Wald bei Ellwangen.Stunden später krabbelt Kumpel Micha unter der Plane hervor, die er als Zeltdach über seinem Schlafplatz gespannt hat. Seine Nacht war gut. „Ich hab auch ein paar Kilo mehr als Chris. Das wärmt“, grinst der Schorndorfer. Die zwei Freunde haben sich beim Bund kennengelernt. Auf dem Ellwanger Zapfenstreich. Das war 2006. Gemerkt, dass sie ähnlich ticken, haben sie schnell. Und seitdem schon viele gemeinsame Touren unternommen. Immer auf der Ostalb. Und immer reduziert auf sich selbst.„Survival war schon immer unser Ding. Das Soldatische. Das sich Durchschlagen“, sagt Chris. Hört man „soldatisch“, dann klingt das ganz anders als das, was die Beiden sind: Zwei „Jungs“, die einfach Spaß am Draußensein haben. Die ab und zu beim Alltag auf die Pausetaste drücken. Und in der Natur Auszeit und Erholung suchen. Auf ihre ganz spezielle Art. Sie fügen sich ein. Werden fast schon ein Teil der Natur. Lassen sich von ihr helfen, ohne sie zu belasten. Sammeln den Flaum verblühter Disteln, um mit dem Feuerstahl, mit dem sie Funken schlagen, Harzbröckelchen, die sie aus der Rinde der Kiefer kratzen und gesammeltem Ästchenkleinkruscht Feuer zu machen. Ein Bäumchen fällen würden sie nie. „Wir nehmen nur das als Brennholz, was wir finden.“

Chris steht schon eine Weile am Seeufer in der wärmenden Morgensonne. Die Angel in der Hand. Frühstück wäre jetzt was Feines. Micha spaltet auf einem Baumstumpf Holz mit der kleinen mitgebrachten Axt. Stapelt die schmalen Scheite zum Trocknen um das Feuer. „Das bietet auch nachts etwas Sichtschutz.“ Ihr Nachtlager liegt unscheinbar hinter ein paar kleinen Fichten. Während Micha am Boden kniet und in die Glut pustet, erzählt er, was sie bei ihren Querfeldein-Touren auf der Ostalb so machen: Angeln, Feuermachen ohne Feuerzeug, Gewässer überqueren (immer in normalen Klamotten, die dann am Feuer getrocknet werden), Entfernungen einschätzen (mit einem Fernglas, Augenmaß und einer Formel im Kopf, mit der dann gerechnet wird), Tiere beobachten (einfach weil's schön ist). „Wenn man solche Dinge wie wir macht, entschleunigt das die Welt ein bisschen. Und das tut gut.“Drei Liter Wasser hat jeder dabei. Langsam wird’s knapp. Aber kein Problem. Der See ist ja voll davon und Micha hat seinen Wasserfilter eingepackt. Den aktiviert der 35-Jährige, hält den Schlauch ins Seewasser und pumpt. Es schaut noch etwas uneinladend trüb aus in seiner Flasche. Nach dem zweiten Filtern und anschließendem tiefen Probierzug ist Micha zufrieden: leichter Seegeschmack, aber gut. Prost!Zu essen gibt’s nur das, was Chris an die Angel bekommt. Und das ist heute nur ein Mini-Bärschle, den er schnell ausnimmt und aufs Feuer legt. Die kleinen Happen genießt er. Aber das Magenknurren wird eher noch stärker. Trotz der Nachtisch-Heidelbeeren, die er sammelt.

Wenig später steht er wieder am Ufer. Doch es will und will nichts werden. Micha hat sich ein bisschen Fertignahrung gegönnt. Chris will's Durchziehen. Und nicht drüber nachdenken, was die Waage am Montag von diesem Survival-Wochenende hält. Aber gewisse Wurstsalatphantasien helfen. Ein Kontrolleur vom Angelverein, dem Chris angehört, schaut vorbei. Bietet ein Bier an. Tapfer sagen die Beiden „noi, danke“. Wobei das jetzt schon nett gewesen wäre. Mit so einer Buddel. Am See. In der Abendsonne.

  • Micha und Chris erklären, wie man bei Regen Feuer machtWie man Entfernungen beim Querfeldeinwandern einschätzt
  • 1. Unterschlupf suchen, in dem es von oben trocken ist: Höhle, verlassene Hütte oder Schuppen, eine zwischen Bäumen aufgespannte Plane, ein Poncho oder ein selbstgebautes Schrägdach aus Ästen, Brettern, Zweigen, Moos und Blättern.2. Eine große Hand voll Birkenrinde sammeln, indem man sie in dünnen Streifen vom Stamm abzieht. Die feuchte Rinde mit allen vorhandenen Mitteln trocknen: beispielsweise T-Shirt. Dann in die Hosentasche stecken, da die Körperwärme die Rinde weiter trocknen lässt. Anschließend die Hälfte der Rinde zu feinen Fasern zerrupfen. Dazu noch Baumharz und tote Äste direkt vom Baum sammeln. Die sind trockener als das Material vom Boden.3. Der Untergrund für das Feuer muss so trocken wie möglich sein. Deshalb bei Waldboden mit einem Ast eine kleine Grube ausheben. Die Erde in zehn bis fünfzehn Zentimeter Tiefe ist meist trockener, als an der Oberfläche.4. Bei den toten Ästen vom Baum mit einem Messer oder scharfen Stein die äußere Schicht entfernen. Einen Teil des inneren Kernholzes zu kleinen Spänen schnitzen. Den größeren Teil davon aber zu rund zehn Zentimeter langen „kloine Spächtele“ brechen/spalten.5. Baumharz auf einem Stück Rinde in die Kuhle legen, mit feinen Birkenrindenfasern und kleingeschnitzen Spänen Spänen bedecken und mit Strichholz, Feuerzeug oder Feuerstahl entzünden. Wenn das Feuer brennt, die größeren Birkenrindenstück dazugeben. Anschließend langsam die Spächtele aus den toten Ästen dazulegen. Wenn es gut brennt, darf auch etwas feuchteres Holz dazu.Wichtig: Lieber zu viel Material sammeln als zu wenig. Feuchtes Holz nur langsam dazugeben.pe
  • Dafür braucht's ein Fernglas, in dem man beim Hindurchsehen eine Strichpalette und ein Fadenkreuz mit Zahlen erkennt, an der Längs- und der Querachse. Dann sollte man eine bestimmte mathematische Formel im Kopf haben, die Größe des Objekts, das man in der Ferne sieht, schätzen und mithilfe der Formel daraus die Entfernung zu dem Objekt berechnen.
Chris steht am Seeufer und hofft darauf, dass das Frühstück anbeißt.
Micha filtert das Seewasser. So hat er wieder etwas zu trinken.
Distelflaum sammeln, Miniästchen aufstapeln, Harzbrocken dazwischen und dann Funken schlagen mit dem Feuerstahl. So geht Feuermachen bei Chris und Micha.
Micha sammelt aus dem Stamm einer Kiefer Harzbrocken. Die braucht er zum Feuermachen.
Distelflaum sammeln, Miniästchen aufstapeln, Harzbrocken dazwischen und dann Funken schlagen mit dem Feuerstahl. So geht Feuermachen bei Chris und Micha.
Micha sammelt aus dem Stamm einer Kiefer Harzbrocken. Die braucht er zum Feuermachen.
Micha hackt das gefundene Holz in kleine Scheite, die er dann am Feuer trocknet.
Michael Mack ziert seinen Hut mit Gräsern und Moos. So müsste er das auch machen, wenn er sich im Wald tarnen wollte.
Chris steht am Seeufer und hofft darauf, dass das Frühstück anbeißt.

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