Protest in bunten Farben

  • Weitere
    schließen
+
Bold nutzt die Ästhetik des Comics.

"Skirmish" – eine Ausstellung des Leipziger Künstlers Christian Bold in der Galerie des Gmünder Kunstvereins.

Das war fast eine kleine Jubiläumsfeier zum 130. Geburtstag des Gmünder Kunstvereins: Die Ausstellungseröffnung "Skirmish" mit Arbeiten des Leipziger Künstlers Christian Bold sprengte nach der Corona-Pause den üblichen Rahmen. Viel mehr Kunstfreunde als gewöhnlich verfolgten den Dialog zwischen dem Künstler und dem Vorsitzenden des Kunstvereins, Professor Dr. Klaus Ripper. Das musikalische Äquivalent lieferte die Band "Defenders of the Universe" auf dem südlichen Kornhausplatz. Nördlich der Galerie engagierte sich der Verein "Sandtogether".

Im Mittelpunkt aber die Bilder, zu denen gleichzeitig immer nur 15 Besucher Zugang hatten. Die machen, aus der Ferne betrachtet, durch ihre Farbigkeit auf sich aufmerksam. Wer der Sache näher tritt, sieht sich martialisch aufgerüsteter Polizei und Straßenkämpfern gegenüber. Eine Anspielung auf die Ereignisse in Stuttgart oder Frankfurt?

Christian Bold weiß um die Aktualität der Werke, die er aber schon vor diesen Protesten gemalt hat. Er vermeidet eine Zuordnung, verzichtet darauf, Örtlichkeiten festzuhalten. "Das kann überall sein", sagt Bold und bringt Plattenbauten, DDR-Straßenleuchten und Hamburger Polizeiuniformen auf einem Bild unter. Was so kriegerisch aussieht, relativiert er auch gleich. "Da geht es nicht um einen Umsturz, um Revolution, sondern eben um "Skirmish", um Scharmützel. Äußeres Zeichen großer Unzufriedenheit, Warnung an Politik und Gesellschaft. Auch wenn Proteste wie in Stuttgart zunächst als unpolitisch gesehen werden, schätzt sie Christian Bold als politisch ein, weil sie eine Antwort auf Verhältnisse im Land seien.

Die bildnerische Antwort des Künstlers nimmt den Ereignissen etwas von der Schärfe. Bold nutzt dazu die Ästhetik des Comics, der Pop-Art, die handelnden Personen wirken eher wie Schauspieler, die ihre Sache überzeugend auf die Bühne bringen. Ein wenig erinnern die Arbeiten an große Historienbilder, die Christian Bold in die Gegenwart holen möchte. Das gelingt ihm durch die Bildkompositionen. "Da orientiere ich mich schon gerne an alten Meistern", sagt er. Klaus Ripper spielt auch auf diese Art der künstlerischen Umsetzung an. Inhalte wie diese sind häufig Themen von Graffiti. Für Christian Bold keine Option: "Meine Bilder erreichen bestimmte Orte und ein anderes Publikum."

Die Ausstellung im Kornhaus ist bis 6. September zu sehen, Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr, Sonn- und Feiertag 11 bis 17 Uhr.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL