Quarantäne: Wenn der Brief zu spät kommt

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Das Bild zeigt einen Auschnitt des Schreibens vom Landratsamt an die Kontaktperson.
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Noch bevor eine Gmünderin informiert wurde, dass sie Kontakt zu einer mit Corona infizierten Person hatte, war die Quarantänezeit schon vorbei. Das Landratsamt nimmt Stellung.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Seit Beginn der Pandemie verzeichnet das Landratsamt Ostalbkreis insgesamt 9.900 Kontaktpersonen 1. Grades. Das teilt Susanne Dietterle, Pressereferentin im Landratsamt auf Nachfrage mit. Kontaktperson 1. Grades ist, wer mindestens 15 Minuten Kontakt zu einem mit Corona Infiziertem bei weniger als 1,5 Meter Abstand hatte. Für die betroffenen Personen bedeutet das 14 Tage Quarantäne ab dem letzten Kontakt. Darüber wird jede Kontaktperson in einem Infoschreiben vom Landratsamt und einer Verfügung durch die Ortspolizeibehörde informiert. Beide Schreiben sorgen derweil für Aufregung im Netz. Am Samstag erreicht eine Gmünderin ein Brief vom Gesundheitsamt. Es ist ein Hinweis, dass sie am 8. Oktober Kontakt mit einer positiv getesteten Person gehabt haben soll und sich deshalb für 14 Tage ab Beginn dieses Kontakts in Quarantäne begeben muss. Das Problem: Das Schreiben wurde erst nach Ablauf der Quarantänepflicht ausgestellt. Die Frist der Quarantäne war laut Brief vom Gesundheitsamt am 22. Oktober bereits abgelaufen, der Brief selbst wurde am 29. Oktober ausgestellt und ist am 31. Oktober angekommen. Viel zu spät also. Auch das Schreiben zur Anordnung der Quarantäne durch die Ortspolizeibehörde wurde erst am 30. Oktober ausgestellt.

"In der Regel arbeitet unser Gesundheitsamt die Befunde tagesaktuell ab", heißt es auf Nachfrage vom Landratsamt. Allerdings komme es teils zu Verzögerungen bei der Befundübermittlung durch den Hausarzt oder bei der Übermittlung durch das Labor selbst, wenn die Auswertung des Tests nach der Probenahme mehrere Tage dauert.

Um bei den steigenden Neuinfektionen die Kontaktpersonennachverfolgung bewältigen zu können, musste das Gesundheitsamt zwischenzeitlich quer aus der allgemeinen Verwaltung des Landratsamts heraus verstärkt werden, teilt Susanne Dietterle mit. Der zusätzliche Einsatz der 20 Soldatinnen und Soldaten, die das Gesundheitsamt seit vergangenem Dienstag unterstützen, sei aber eine große Hilfe. "Sie können große Mengen bei der Kontaktpersonennachverfolgung bewältigen", sagt sie. So könne sich das Gesundheitsamt gezielt um die sehr zeitaufwendigen und zahlreichen Fälle unter anderem in Heimen, Schulen und anderen Einrichtungen kümmern.

Auch wenn die Anordnung der Quarantäne in diesen Fällen zu spät ist, sei die Verfügung der Ortspolizeibehörde ein wichtiges Dokument beispielsweise zur Vorlage beim Arbeitgeber und werde deshalb trotzdem versandt. Mit dem Gesundheitsamt müssen betroffene Personen keinen Kontakt mehr aufnehmen. Das Landratsamt weist aber drauf hin: Wer Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte, oder sogar mit ihr zusammenlebt, sollte sich vorsorglich in Quarantäne begeben, auch wenn noch kein Brief vorliegt. 

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