Resilienzzentrum soll Menschen widerstandsfähig für Krisenlagen machen

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Bei der Präsentation des Kreis-Resilienzzentrums von links nach rechts; Diana Kiemel (Sozialdezernat), Kreisbrandmeister Andreas Straub, Dezernent Thomas Wagenblast, Landrat Dr. Joachim Bläse, die Leiterin des Resilienzzentrums Petra Weber und die Projektkoordinatorin dort, Sarah Dotschkal.
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Ostalbkreis erhält 700.000 Euro für ein Projekt, das bundesweit Schule machen soll.

Aalen. „Wenn bei einem Starkregenereignis jeder, bei dem das Wasser fünf Millimeter hoch im Keller steht, die Feuerwehr ruft, kann es sein, dass Anrufer mit dringenden Notfällen bei der Leitstelle nicht durchkommen.“ So beschreibt Kreisbrandmeister Andreas Straub, warum es wichtig ist, dass Menschen lernen, wie sie sich in Krisen richtig verhalten. Resilienz heißt dies und der Landkreis geht das Thema nun konzertiert an.

Als eine von zehn Regionen in Deutschland wird die Ostalb Pilot beim Aufbau eines „Resilienzzentrums“. Der Bund überweist dafür knapp 700.000 Euro, rund 70.000 Euro kommen vom Kreis. Die Förderung läuft 34 Monate. Projektinhalte wurden nun im Landratsamt erläutert.

„Übergeordnetes Ziel ist es, den Kreis und somit die Bürgerschaft gegenüber krisenhaften Ereignissen widerstandsfähiger zu machen“, erklärt Landrat Dr. Joachim Bläse. Corona, Ukraine-Krieg, Energiemangellagen, Klimawandel, Demografie, Transformation der Wirtschaft - Bläse nennt viele Herausforderungen, weitere noch ungeahnte könnten hinzukommen. Sie alle gemeinsam zu meistern, das erfordere die Stärkung der Eigenvorsorge und der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung und des Kreises.

Leiterin des Zentrums ist Petra Weber. Sie hat eine Forschungsarbeit zu „Resilienz“ erstellt, die mit als Grundlage beim Aufbau des Zentrums dient. „Der Resilienzbegriff kann weit gefasst werden, wir haben aber entschieden, dass sich das Projekt erst mit Bevölkerungsschutz und Gesundheit befasst“, so Blase. Kooperationspartner sind das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das Landes-Innenministerium, der Regionalverband, das Bildungsbüro Ostalb, PH und Hochschule für Gestaltung in Gmünd sowie die Hochschule Aalen.

Das Resilienzzentrum wird kein Neubau. Räumlich kommen Weber und Projektkoordinatorin Sarah Dotschkal im Landratsamt in Gmünd unter, organisatorisch wird das Zentrum dem Dezernat von Thomas Wagenblast zugeordnet - als Teil des Geschäftsbereichs Brand- und Katastrophenschutz von Kreisbrandmeister Andreas Straub.

Für Wagenblast und Straub steht Bevölkerungsschutz für alle Einrichtungen und Maßnahmen, die der Gefahrenabwehr und Hilfe zum Schutz der Zivilbevölkerung im Krisen- oder Katastrophenfall dienen. „Ausgelöst durch den Ukraine-Krieg und drohenden Energiemangel, wurden bereits resiliente Strukturen im kommunalen Krisenmanagement auf- und ausgebaut“, sagt Wagenblast. „Bevölkerungsschutz ist als ganzheitliches System mit vielen Akteuren zu verstehen. Zu diesen gehören auch die kritischen Infrastrukturen und die Bürgerschaft“, so Straub.

Diana Kiemel (Sozialdezernat) sieht Bedarf etwa bei der Gesundheitskompetenz der Menschen. Wie umgehen mit hitzebedingten Folgen, wie mit Notfällen oder psychischen Folgen der Corona-Pandemie?

Laut Petra Weber geht es nun zunächst um die Erfassung und Vernetzung aller bestehenden Strukturen intern und in der Bevölkerung, um die Einrichtung eines „Risikodialoges“ in der Kreisverwaltung, um Bildungs- und Infoangebote. Es soll Präsenz auf Veranstaltungen gezeigt und Öffentlichkeitsarbeit via Internet und Social Media gemacht werden. Es werden spezielle Veranstaltungsformate zur Bürgerbeteiligung entwickelt.

Im Bereich Bildung sollen niedrigschwellige Lehrangebote geschnürt werden, Pakete zum Thema, die beispielsweise bei einer Schulhohlstunde rasch aus der Schublade gezogen werden können, denn Resilienz setze im Kindesalter an. Es sollen Thementage stattfinden und Resilienzberater ausgebildet und in deren eigenem sozialen Umfeld, wie beispielsweise in Vereinen, geschult werden. ⋌Martin Simon

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