Ringelnatz' scharfer Blick auf die Zeit

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Achim Amme und Ulrich K. Wendt in der Theaterwerkstatt.

Schauspieler Achim Amme und Musiker Ulrich K.Wendt begeisterten mit Ringelnatz.

"Echt verboten" war es nicht, das Ringelnatz-Programm von Achim Amme und Ulrich Kodjo Wendt auf der Bühne der Theaterwerkstatt. Eine bunte Mischung von Texten und Stories aus dem bewegten Leben des Joachim Ringelnatz, der 1883 als Hans Gustav Bötticher nahe Leipzig geboren, sich als 36-Jähriger den Namen Joachim Ringelnatz zulegte.

Die Bretter der Schwäbisch Gmünder Theaterwerkstatt gaben den richtigen Rahmen ab für ein "schwarzes" Programm. Eine Mischung aus Lesung, Schauspiel und Musik faszinierte die hundert Zuhörer und reizte zu spontanem Applaus. Der Schauspieler und Musiker Achim Amme, Ringelnatz-Preisträger, präsentierte nicht nur dessen Texte, sondern offenbarte seine enge "Verwandtschaft". Selbst für echte Ringelnatz-Profis war nicht auszumachen, ob die Chansontexte wirklich Ringelnatz oder doch Amme waren. Ein Rätsel, das Achim Amme nach der Pause auflöste. Im zweiten Teil, mehr rotweinseliger Vortrag, blieb offen, was von ihm oder Ringelnatz stammte.

Die Zusammenarbeit mit Ulrich K. Wendt machte alles zum Hochgenuss. Der Musikprofi und sein Akkordeon setzten zum Gitarrenspiel Ammes interessante Kontrapunkte, unterstrichen und umschmeichelten die bösen, manchmal richtig fiesen Texte. Ringelnatz oder Amme, beide gaben sich nichts.

Musikalisch gab es Lyrisches, Walzer, Tango und Aufregendes. Richtig lebendig wurde es, wenn Wendt seine Akkordeonfalten in Schwarz mit gelbem Streifen und roten Zierkanten im Bogen weit auseinander zog. Rhythmus und variantenreiche Tonfolgen akzentuierten die Ringelnatz-Amme-Texte und füllten sie mit Vitalität.

Ringelnatz führte ein hartes Leben, geprägt von mangelnder Anerkennung und Brotlosigkeit. Umso spannender seine tiefgründigen Texte, manchmal von unglaublicher Brutalität, aber immer mit scharfem Blick auf die Zeit, Texte, die ihn weit über seine humorvollen Reime erheben.

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