Saft und Moscht aus eigenen Äpfeln

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In der Mosterei Seiz wird jetzt wieder heimisches Streuobst frisch gepresst. Ein Familienbetrieb mit Stammkunden wie Opa und Enkel Fischer oder Thomas Abele mit der kleinen Rosalie.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf

In den Mostereien beginnt die Hochsaison. Lohnmosterei nennt sich das Angebot von Alexander Seiz in Straßdorf. Die Obstanbauer vereinbaren mit dem Familienbetrieb einen Termin, bringen ihre eigenen Äpfel mit. Und bekommen schließlich frisch gepressten, haltbar gemachten eigenen Apfelsaft oder den frischen Saft aus der Presse, um daraus nach alter Tradition schwäbischen Moscht zu gewinnen.

Gerade sind Thomas Abele und seine Tochter Rosalie mit dem Traktor vorgefahren. 300 Kilo Obst haben sie in Säcken dabei, vor allem von der Sorte "Jakob Fischer". "Gute Waldstetter Äpfel", betont der Kunde. "Aus 50 Kilo holst du etwa 30 Liter Most raus", rechnet Alexander Seiz vor. "Also rechnen wir mit 180 Liter Saft", meint Thomas Abele. Früher habe die Familie einen Bauernhof gehabt, erzählt er. "Über die Jahre haben wir reduziert. Aber wenn es so viel Obst gibt wie in diesem Jahr, weiß man gar nicht wohin."

"Das ändert sich gleich", meint Alexander Seiz. Denn nun darf Thomas Abele mit Unterstützung von Rosalie das Obst in einen Holzkübel leeren. Von dort läuft es über eine Art Aufzug in die Mosterei. "Bevor wir die Äpfel auspressen, werden sie ein Mal gebadet, zwei Mal geduscht und sie dürfen zweimal Aufzug fahren", erklärt Alexander Seiz der kleinen Rosalie.

Während die letzten "Waldstetter Äpfel" den Hof verlassen, fahren bereits Hermann Fischer und sein Enkel Moritz vor. "Wir kommen schon jahrelang aus Leinzell hierher. Hier ist man gut aufgehoben", betont Hermann Fischer. Zusammen mit Alexander Seiz begutachtet er sein Obst, das er säckeweise im Anhänger mitbringt.

"Jakob Fischer" sind darunter. Unsere dicksten Exemplare sind aber die "Prinz Albert", sagt Moritz Fischer, während er die Säcke leert. "Das ist ein sehr saftiger Apfel." Sein Opa meint: "Wir rechnen mit 130 bis 140 Liter Moscht." Ein 100-Liter-Fass habe er dabei. Dazu bekommen wir ein Leihfass.

Aufgrund der Corona-Regeln dürfen Kunden aktuell die Mosterei nicht betreten. Für die Redaktion dieser Zeitung macht Alexander Seiz eine Ausnahme. Mit Mundschutz und Mindestabstand dürfen wir zuschauen, wie die Äpfel über ein Fördersystem in die kleine Halle kommen, "gebadet" und "geduscht" werden.

Bei uns werden die Äpfel ein Mal gebadet, zwei Mal geduscht und sie fahren zwei Mal Aufzug.

Alexander Seiz Mosterei-Chef in Straßdorf

Jetzt geht's ans Eingemachte: Die Äpfel werden gemahlen und kommen dann in die Packpresse. Dort arbeiten Moritz und Julian (im Bild). "Moritz ist unser Vordermoster, Julian der Hintermoster", erklärt Alexander Seiz. Julian spritzt die gemahlenen Äpfel auf ein großes Tuch.

Tuch für Tuch wird so gefüllt und dann ausgepresst. Moritz beobachtet, dass dabei nicht zu viel Saft auf einmal aus der Presse über einen Hahn und ein Sieb in einen Behälter läuft.

Anschließend nimmt Moritz Tuch für Tuch und schüttelt den Inhalt in einem großen Behälter aus. "Das ist der Trester", erklärt Alexander Seiz. "Dafür haben wir einige Abnehmer, die ihn an Tiere verfüttern."

Für die Kunden, die haltbaren Apfelsaft mit nach Hause nehmen wollen, wird anschließend Jonathan Seiz aktiv. Er füllt den erhitzten Saft in 5- oder 10-Liter-Beutel ab.

Den pasteurisierten Saft in "Bag-in-Box" nehmen gerade Thomas Abele und Töchterchen Rosalie entgegen. Der Papa lädt die 18 Kartons auf den Traktor. "Die Äpfel waren tatsächlich sehr saftig", meint Alexander Seiz. "Der Behälter wäre beim Pressen beinahe übergelaufen." Thomas Abele freut sich und kommentiert: "Gell, Rosalie, das reicht uns über den Winter."

Mostereien: Unter www.regionalvermarkter-ostalb.de und unter www.mosterei-seiz.de gibt's weitere Infos und Adressen.

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