Erinnerungen Kuno Staudenmaier über das „Knälle“ und die AGV-Tradition in Schwäbisch Gmünd.

SchönerSchreck

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Ein Sommersamstag in Schwäbisch Gmünd. Es lag etwas in der Luft, die Leute waren aufgeregter als gewöhnlich. Und nicht immer nahm sich Oma am Vormittag die Zeit, am offenen Fenster mit Blick auf den Marktplatz zu stehen. Aber was sagt einem Kind schon der Begriff Altersgenossenfest. Dann wurde es feierlich, dunkel gekleidete Menschen schritten über das Pflaster rund um den Marktplatz und blieben erst stehen, als sie den Turm der Johanniskirche erreicht haben.

Dann ein ohrenbetäubender Knall, gezündet vom Dach des gegenüberliegenden Gebäudes. Dafür gab's sogar Beifall. Für mich unverständlich. Dabei war ich nur Zeuge eines Vierziger-Festzugs und das „Knälle“, wie es die Gmünder nennen, markiert einzig den Eintritt ins Schwabenalter. Eine Tradition, die damals schon über 100 Jahre alt war, die aber jede Generation für sich entdecken muss. Vom Schreck erholt, hatte das Ereignis einen festen Platz im Jahreskalender. Irgendwann war ich selbst Festzugteilnehmer, das „Knälle“ galt endlich meinem Jahrgang. Immer noch war die Stadt aufgeregter auf den Beinen als gewöhnlich und immer noch öffneten sich die Fenster entlang des Festzugs. Aber der wirkliche Logenplatz, das war als Kind noch nicht erkennbar, ist mitten in der Menge auf dem Marktplatz. 2020 war's nicht möglich, 2021 ein zaghafter Versuch mit Abstand. Vielleicht kehrt die ganze Tradition im nächsten Jahr zurück.

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