Schönes Stelldichein von Stimmen und Orgelpfeifen

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20 Sänger unter der Leitung von Prof. Patrick Russil präsentierten am Sonntag in der Neresheimer Abteikirche Musik aus drei Jahrhunderten. Abwechselnd an der Orgel begleitet von vier Orgelstudenten (Leitung Prof. Dr. David Titterington).

Die "Royal Academy" zelebriert in der Neresheimer Abteikirche Alte und Neue Musik.

"Musik aus Spanien, Skandinavien und England" steht über dem Programm. Vielversprechend und mit Blick auf den Konzertort zugleich ein Hinweis auf beste Qualität.

In der Abteikirche Neresheim findet dieses Stelldichein statt, zu dem die Royal Academy of Music London geladen hat. Seit 27 Jahren trifft sich hier die königliche Akademie zum Workshop, bereichert nebenbei die tägliche Liturgie der Mönche mit Chor- und Orgelmusik.

Nun das Abschlusskonzert. Musik des 16. und 17. Jahrhunderts stehen Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert gegenüber. Das Neresheimer-Positiv spielt energisch Sebastian Aquilera de Heredias "Salve". Ein reizvoller Auftakt und eine schöne Anlehnung an den populären "Salve Regina"-Hymnus. Entsprechend stimmungsvoll die erste Motette des Chores (Leitung Prof. Patrick Russill): "Vidi speciosam", eine heitere visionstrunkene Verklärung der Gottesmutter.

Was auffällt, ist der von den Choristen zelebrierte weiche Gesang, die klare Artikulierung, die hymnische Überhöhung alter Texte. Wunderbar vergeistigte Musik, die Freude bereitet. Immer dann besonders eindrucksvoll, wenn einer der Studierenden die Choristen an der großen Holzhay-Orgel begleitet.

Die Orgelstudenten werden von Prof. Dr. David Titterington in die Geheimnisse der Königin aller Instrumente eingewiesen. Höchst erfolgreich, wie mit Niels la Cours "Vesper Organi" bewiesen wird, bei dem das "Meditazione" mit schwereloser Leichtigkeit ein tosend hereinbrechendes "Lauda" kontrastiert. Übrigens einer der wenigen impulsiven Augenblicke, huldigen doch all die anderen eher in schlichter Spiritualität marianischer Gläubigkeit.

Doch nicht nur die Alte Musik folgt solcher Intension, überraschenderweise auch die Neue. Benjamin Britten reiht sich mit seinem brillanten "Festival Te Deum" ein, in dem sich freie vokale Linien gebetsartig um verzierte Orgelakkorde winden, für einen Moment sich gar jazzig geben, bevor eine an traditionellen Weisen sich orientierende Feierlichkeit Bahn bricht. Ähnlich dem Timbre von Gerald Finzis "God is gone up", bei dem mit Bachscher Inbrunst Orgel und Chor dem Text ("Gott fuhr empor mit Triumphgeschrei: Der Herr mit schallenden Trompetenmelodien") ganz nahe kommen.

Herbert Kullmann

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