Durchgekaut Susanne Brenner über Schwiegermütter und Springerle

Schon gut, aber nicht gut genug

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Susanne Brenner

Der österreichische Dichter Franz Grillparzer wusste sicher, warum er schrieb: „Gott konnte nicht überall sein, darum schuf er die Mütter.“ Wenn jetzt in vielen schwäbischen Familien die Mütter Springerle rührten und formten, dann wäre hier und da die Anwesenheit zumindest eines in Backdingen erfahrenen Engels bestimmt hilfreich gewesen, wenn Gott persönlich schon keine Zeit hat.

Was kann mit diesem Gebäck nicht alles schief gehen? Zu trocken, zu hart, keine Füßchen - das sind nur drei von vielen K.O.-Kriterien.
Ich entsinne mich einer befreundeten Familie, die zur Weihnachtszeit immer Springerle kaufte. Der Vater liebte sie, die Mutter weigerte sich, sie zu backen. Zu oft hatte sie erfahren, dass der geliebte Ehemann zwar genüsslich zulangte, dabei aber immer betonte, dass ihre Springerle wieder nicht genauso gut seien wie von der Mutter selig. Ein deutsches Sprichwort aus alten Tagen sagt nun „Mannes Mutter, Teufels Unterfutter“ und das mag nach zahllosen Niederlagen die liebe Ehefrau gedacht haben. Sich mit der Mutter des Mannes messen, das ist vergebene Liebesmüh.
Also kauften die Kinder ihrem Vater das geliebte Anisgebäck. Mal bei diesem und mal bei jenem Bäcker und Konditor. Und so verhätschelt, entwickelte sich der Mann zu einem Kenner der regionalen Springerleszene, wusste oft auf den ersten Biss den Urheber richtig zu benennen. Keiner von ihnen, das wird jetzt nicht überraschen, kam aber jemals an die Springerle der geliebten Mutter heran.
Vielleicht verhält es sich mit den Springerle ja so, wie es der (ebenfalls) österreichische Liedermacher Georg Danzer beschrieb: „Es gibt den Mann, dem nie das Essen von seiner Frau schmeckt, weil's net so schmeckt wie bei seiner Mutter. Bis sie's amal anbrennen laßt. Dann sagt er: „Siehgst, genauso hat's bei meiner Mutter gschmeck.“

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