Schulen zu – Kitas vorerst offen

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Im Ostalbkreis bleiben die Kitas offen, die Schulen gehen wieder in den Fernunterricht.

Der Ostalbkreis hat die Sieben-Tage-Inzidenz von 200 überschritten. Schulen sollen daher am Montag nicht in den Wechselunterricht gehen. Die Kitas sollen mindestens bis Mittwoch geöffnet bleiben.

Aalen

Nachdem der Ostalbkreis am Donnerstag die Inzidenz von 200 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen überschritten hat, ruft Landrat Dr. Joachim Bläse alle Bürger zu einem gemeinsamen Kraftakt auf: „Wir können der Pandemie derzeit nur mit massiven Kontaktbeschränkungen und Abstandhalten, Testen und Impfen begegnen – bitte helfen Sie alle mit, die dritte Corona-Welle, die uns leider momentan überrollt, zu bewältigen.“

Die Infizierten-Zahlen: Seit Anfang März 2020 haben sich knapp 12 000 Menschen im Kreis mit Corona infiziert, teilt das Landratsamt mit: Momentan steckten sich täglich zwischen 100 und 200 weitere Menschen an, vorwiegend mit der Virusvariante aus Großbritannien. Statistisch betrachtet infiziere aktuell jeder Corona-Positive mehr als eine weitere Person, so dass die Zahlen laut Landratsamt „explodieren, wenn nicht gegengesteuert wird“. Im Ostalbkreis gab es allein in den vergangenen zwei Wochen 41 Meldungen aus Kitas über infizierte Kinder oder Mitarbeiter, berichtet Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Von Anfang März bis Mitte April seien 54 Erzieherinnen sowie 73 Kinder mit Corona infiziert gewesen. Von September 2020 bis Februar dieses Jahres waren es 90 Erzieher und 44 Kinder. Daran sehe man, dass sich in sechs Wochen mehr getan habe als im gesamten halben Jahr davor.

Die Lage in den Kliniken: „Die Kliniken Ostalb sind an ihren Grenzen und verschieben planbare Eingriffe“, berichtet das Landratsamt. Die Belastungsgrenze auf den Covid-Stationen sei greifbar. 57 Patienten seien wegen schwereren Verläufen stationär untergebracht, davon 14 auf der Intensivstation und teils beatmet. Inzwischen liege das Alter der Patienten zwischen 50 und 70 Jahren. Das Landratsamt erwartet einen weiteren Anstieg der Infizierten, die stationär aufgenommen werden müssen.

Schließung der Schulen: Dass der Ostalbkreis die 200er-Inzidenz erstmalig überschritten hat, wirkt sich auch auf den Schulbetrieb aus. War zunächst vom Land noch geplant, ab Montag, 19. April, wieder Wechselunterricht vor Ort in den Schulen zu ermöglichen, so wird dies im Ostalbkreis wegen der hohen Inzidenz nicht mehr empfohlen. „Das Kultusministerium gibt vor, dass in Kreisen, die die Inzidenz von 200 an drei Tagen in Folge überschreiten, der Schulbetrieb im Fernunterricht verbleibt – mit Ausnahme der Abschlussklassen, der Sonderpädagogischen Bildungszentren und einer Notbetreuung der Klassen 1 bis 7“, erklärt Joachim Bläse. Bisher habe der Ostalbkreis die Marke 200 erst an einem Tag überschritten, dass sich der steigende Trend fortsetzt, sei aber zu erwarten. „Damit Schulträger, Schulleitungen und auch die Eltern angesichts dieser vielen Unwägbarkeiten verlässlicher planen können, habe ich empfohlen, nächste Woche den Status quo zu belassen, also nicht in die Präsenz und den Wechselunterricht für alle zu starten“, so der Landrat.

Kitas vorerst offen: Das Sozialministerium hat am Freitag mitgeteilt, dass in der fürs Wochenende angekündigten Neufassung der Landes-Corona-Verordnung auch die Schließung der Kitas bei Überschreitung der 200er-Inzidenz erfolgen. Doch Bläse will mit Rücksicht auf die Planungssicherheit für Kita-Träger und Eltern den Kita-Betrieb nicht bereits ab Montag, 19. April, einstellen. Sollte der Ostalbkreis auch am Freitag und Samstag dieser Woche die 200er-Inzidenz überschreiten, müssten Kitas frühestens am Mittwoch, 21. April, bis auf eine Notbetreuung schließen. „Wir wissen, wie schwierig das Organisieren einer Kleinkindbetreuung ist und wollen den Eltern damit ein wenig Spielraum verschaffen“, betont er.

Weitere Maßnahmen möglich: Das Land hat erklärt, die Regelungen des geplanten Bundesinfektionsschutzgesetzes vorab bereits in seine Corona-Verordnung aufnehmen zu wollen, berichtet Bläse. Dazu gehöre voraussichtlich neben der Ausgangsbeschränkung zwischen 21 und 5 Uhr eine weitere Beschränkung der Kontakte auf einen Haushalt und nur noch eine weitere Person. Bei weiter steigender Inzidenz wäre dies auch eine der Optionen des Landkreises gewesen. Angedacht seien zudem Beschränkungen bei der Religionsausübung.

Mehr Bürgertestungen: Einen erfreulichen Zuwachs haben die Stellen in den vergangenen beiden Wochen verzeichnet, die kostenlos Bürgertests anbieten, teilt das Landratsamt weiter mit. Seit Beginn der Tests Anfang März haben sich bereits rund 40 500 Menschen im Kreis testen lassen, 196 davon mit positivem Ergebnis. „Zusammen mit den freiwilligen Testangeboten in den Kitas, den Tests in Schulen und bei zunehmend mehr Arbeitgebern wird unser Testnetz immer dichter“, erklärt Joachim Bläse. Dies werde vor allem wichtig, sobald es bei sinkender Inzidenz hoffentlich bald wieder erste Öffnungen geben könne. Denn dafür brauche es möglicherweise negative Tests.

Luca-App vorbereitet: Gerade in Zeiten, wenn das öffentliche Leben sehr weit heruntergefahren ist, gelte es, Vorbereitungen für eine mögliche Öffnung zu treffen werden. So habe die Kreisverwaltung die Luca-App eingerichtet. „Wir hoffen natürlich, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die App aufs Handy laden“, appelliert der Landrat. Gleichzeitig müssten Einzelhändler, Gastronomen, sonstige Dienstleister und Behörden in ihren Räumen die App-Nutzung vorbereiten, damit im Bedarfsfall positiv Getestete ihre Kontakte über die App dem Gesundheitsamt zur Kontaktnachverfolgung überlassen können.

Gedenken an die Corona-Toten: 315 Menschen sind im Kreis seit Pandemiebeginn im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. „Diesen Menschen und ihren Angehörigen wollen wir am Sonntag gedenken. Deshalb werden an diesem Tag an all unseren Dienstgebäuden die Flaggen auf halbmast gesetzt“, erklärt Joachim Bläse.

Bitte helfen Sie alle mit, die dritte Corona-Welle, die uns leider momentan überrollt, zu bewältigen.“

Dr. Joachim Bläse, Landrat

Über 60-Jährige ab Montag impfberechtigt

Nach der Durststrecke, die im ersten Quartal beim Impfen herrschte, erhalte das Kreisimpfzentrum (KIZ) des Ostalbkreises inzwischen mehr Impfstoff, teilt das Landratsamt mit und verweist darauf, dass ab Montag auch über 60-Jährige impfberechtigt seien. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien im KIZ rund 10 000 Menschen geimpft worden. Auch Behinderteneinrichtungen habe man mittlerweile mit Mobilen Impfteams versorgt. Erste Nachimpfungen in Altenpflegeeinrichten liefen. „Dank mehrerer Zusatzlieferungen mit Impfstoff fährt unser KIZ inzwischen eine hohe Auslastung“, so Landrat Dr. Joachim Bläse: Bis 21 Uhr und auch an Wochenenden werden täglich durchschnittlich 800 Menschen geimpft, berichtet der Landrat, der nach dem Impfgipfel am Freitag zuversichtlich ist, die Schlagzahl beibehalten zu können. So habe Minister Manne Lucha angekündigt, dass Kreisimpfzentren, die gelieferten Impfstoff zügig veriimpfen, mit mehr Impfstoff rechnen können. Dies gelte bis Ende Mai, dann gehe das Land von einer Zielgröße von einer Million Impfdosen wöchentlich aus. Zudem habe das Zentrale Impfzentrums Stuttgart zugesagt, weitere Zweitimpfungen in Kommunen des Kreises zu machen. Damit bekomme der Kreis über 900 weitere Impfdosen zusätzlich.

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