Schwieriges Jahr für unsere Bienen

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Eine Nahaufnahme unseres SchwäPo&Tagespost-Bienenvolks. Unsere gelb-schwarzen Helfer haben es in diesem Jahr nicht leicht. Imker Dietmar Wiech gibt Tipps, wie wir ihnen den Alltag erleichtern können. Archivfotos: Oliver Giers
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Die Honiglieferanten haben es 2021 wetterbedingt schwer in der Region. Wie man den gelb-schwarzen Insekten helfen kann und wie die Aktion Bienenfreund lief.

Aalen

Wir haben einen Komplettausfall“, klagt der Aalener Imker Dietmar Wiech. Denn wegen des kalten Frühlings haben es seine Bienenvölker aktuell schwer. „Jetzt sind sie zwar unterwegs aber es blüht nichts mehr.“ Wiech nennt einige Tipps, wie Bienenfreundinnen und Bienenfreunde das Leben der gelb-schwarzen Insekten erleichtern können. Einige haben sich dafür schon etwas überlegt.

Was also kann den Bienchen bei ihrer wichtigen Arbeit helfen? „Den Garten naturnah anlegen“, erklärt Wiech. Wildblumen und Wildkräuter seien dabei ideal. Dafür gebe es spezielle Samenmischungen. „Man muss nicht alles mit Rasen zupflastern“, sagt der Imker. Eine unberührte Ecke am Rande des Gartens etwa helfe den Bienchen bereits sehr bei der Nahrungssuche. Wer keinen eigenen Garten hat, dem empfiehlt Wiech einen Blumenkasten für den Balkon. Auch dort könne man entsprechende Samenmischungen einpflanzen. „Bei einem einzelnen reicht es natürlich nicht“, sagt er. Aber wenn viele mitmachen, werde aus einem Bach ein Fluss. Auch hilfreich: „Nicht jede Woche mähen.“ Löwenzahn sei zum Beispiel ebenfalls eine gute Nahrungsquelle für Bienen.

Sind die Temperaturen hoch, sind nicht nur Menschen durstig. Ein Bienenvolk brauche momentan zwischen zwei und zweieinhalb Litern Wasser täglich. Mit einem Blumenuntersetzer lasse sich einfach eine Trinkstation für Bienen aufbauen. „Da kann man ganz normales Regenwasser nehmen“, erklärt Wiech. Denn die Insekten hätten eine Vorliebe für Brackwasser. Wer lediglich Leitungswasser zur Hand hat, könne es einfach mit ein paar Steinen, Zweigen oder Tannenzapfen für die Bienchen „verfeinern“.

Auch indirekt können Bienenfreundinnen und Bienenfreunde die Insekten unterstützen. Denn wenn es die Bienen schwer haben, hat es auch der Imker nicht leicht. „Man kann den ortsansässigen Imker unterstützen“, sagt Wiech. Imkerei sei nicht ganz billig. Normalerweise lasse sich etwas am verkauften Honig verdienen. „Wir haben einen Komplettausfall beim Honig.“ Unterstützen kann man beispielsweise durch eine Bienenpatenschaft. Dabei übernimmt der entsprechende Imker für Privatleute die Fürsorge für ein Bienenvolk.

Doch warum genau haben es Bienen schwer im Jahr 2021? Die „Lieblingstemperatur“ der Insekten liege zwischen 15 und 30 Grad Celsius. Das gab es dieses Jahr lange nicht. Auch sind viele Obstblüten dem Frost zum Opfer gefallen. Ergo: wenige Möglichkeiten für Bienen sich zu ernähren. Als die Honigreserven verbraucht waren, musste Wiech selbst mit Zuckerwasser aushelfen.

„Jetzt sind sie zwar unterwegs, aber es blüht nichts mehr“, bedauert der Imker. Wirklich gar nichts? Fast. Denn die Schwäbische Post und Gmünder Tagespost haben auch in diesem Jahr die Aktion Bienenfreund gestartet. Dabei gab es Blumenmatten und Blumenkästen zu kaufen. Fertig mit Blumen für die Bienen. Wie es lief, weiß Bernhard Lessle, einer der Gärtner, der die Blumen an den Mann und an die Frau brachte. „Es gab viele interessierte Leute und bisher nur positive Resonanz“, berichtet der Aalener Florist. Die Nachfrage nach den fertigen Blumenkästen oder einzelnen Pflanzen sei größer gewesen als die nach den Blumenmatten. „Aber das ist ein allgemeiner Trend, unabhängig von der Aktion.“

Wie beurteilt er die Aktion, die den Bienen das Leben leichter machen soll? „Ich finde es dahingehend eine gute Sache, weil es bei den Menschen ein Bewusstsein schafft, was man tun kann.“ Eine von diesen Menschen ist zum Beispiel Jasmin Ulrich aus Aalen. Über den schwaepotagespost Instagram-Account hat sie uns berichtet, was sie in diesem Jahr für die Bienen getan hat. „Ich habe bei der Aktion mitgemacht, weil ich in den letzten Jahren auf unserem Gartengrundstück einen Rückgang der Insekten bemerkt habe.“ Zum zweiten Mal habe sie nun auf knapp 2000 Quadratmetern Blumen gesät, „um aktiv etwas dagegen zu unternehmen“. Neben der Blütenpracht sowie Futter und Verstecke für kleine Tiere hatten auch unsere Bienchen etwas davon. „Dieses Jahr sind es wesentlich mehr Insekten“, berichtet Jasmin Ulrich, „also es lohnt sich auf jeden Fall und ich kann es nur empfehlen“, sagt sie weiter.

Auch Tagespost-Leserin Simone Mangold-Barth aus Bargau ist zufrieden mit den Blumen in ihrem Garten. „Das Ergebnis war von Anfang an super“, freut sie sich. Sie habe nun schon das zweite Mal bei der Aktion mitgemacht und die Blumenmatten in ihrem Garten ausgerollt. In diesem Jahr sei die Blütenpracht noch besser herausgekommen, als im Vergleich zum Vorjahr, sagt sie.

Und wie gefällt's den Bienchen? „Die Insekten und die Bienen sind da“, bestätigt Simone Mangold-Barth. Und hat im eigenen Garten erfahren, worauf Imker Dietmar Wiech ebenfalls hinwies: „Ganz viele Bienen haben Wasser gebraucht.“ Ihre Vogeltränke sei zeitweise eher von Bienchen als von Vögeln genutzt worden. Unseren gelb-schwarzen Helfern ein bisschen Wasser zu spendieren, kann auch sie empfehlen.

Wir haben einen Komplettausfall beim Honig.“

Dietmar Wiech, Imker
Imker Dietmar Wiech und seine Bienen haben es zurzeit schwer. Das Problem betreffe die Region generell.
Bernhard Lessle mit einem Blumenkasten der Aktion Bienenfreund. Außerdem gab's Blumenmatten.

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