Sehnsucht nach dem Gartenfrühling

  • Weitere
    schließen
+
Die Ochsenzunge ist ein Sommerblüher.

Tipps für daheim: Was auf dem Balkon und im Pflanzbeet möglich ist. So bereitet sich Doris Kurz von den "LandFrauen" auf die Saison vor.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Noch gibt sich der Winter nicht ganz geschlagen. Aber schon kommende Woche kann sich das ändern. Zeit, sich um Balkon und Garten Gedanken zu machen. Um Blumen, Kräuter und Beeren für einen schönen Sommer. Was jetzt zu tun ist, wie die Natur um Haus oder Wohnung erlebbar wird, das sagt Doris Kurz in diesem Interview.

Woher kommt Ihre Begeisterung für Natur und Garten?

Als Kind, aufgewachsen auf dem Bauernhof, hat sich in mir die Beobachtung des Wetters verinnerlicht, wie alles vom Kreislauf der Natur abhängt. Wir brauchen die Natur, die Natur braucht uns nicht. Zur richtigen Zeit pflanzen, aber auch zur richtigen Zeit ernten, fordert uns das ganze Jahr. Was mir auch Sorgen macht, sind die Hitze im Frühsommer und der fehlende Niederschlag der letzten zehn Jahre.

Was ist jetzt bei Pflanzbeeten zu tun, etwa bei Stauden, Kräutern. Ist Umgraben immer wichtig?

Jetzt im März kann man alle braunen Teile der Pflanzen auf den Kompost geben und man sieht, wie neues Leben aus dem Boden drängt. Die ersten Boten des Sommers sind da, heute wollte ich eigentlich meinen ersten Schnittlauch aus dem Garten holen.

Wie beginnt das Gartenjahr für Sie?

Die erste Pflanze, die in den Boden kommt, ist die Steckzwiebel, von früher kenne ich die Zwiebelröhrle, gesalzen aufs Butterbrot. Somit nutzen wir das Grün der Pflanze und im Herbst die Zwiebel, wie wir sie kennen. Dann sind die Eisheiligen Mitte Mai immer noch ein wichtiges Datum, das man im Garten beachten muss. Dazu fällt mir ein Gärtnerspruch ein: "Pflanzt du mich im Mai, komm ich glei. Pflanzt du mich im April, komm ich, wenn ich will."

Welche Blüher sorgen für einen besonders bunten Garten, Pflanzen auch für Leute ohne den grünen Daumen?

Mehrjährige Blumen, die im Winter im Boden bleiben, bevorzuge ich natürlich. Im Frühjahr freue ich mich an Narzissen, Schneeglöckchen und allen Frühblühern. Im Mai blühen bei uns die Pfingstrosen, der Flieder und dann die Rosen mit Dornen. Im Sommer kauf ich auch Geranien und Fuchsien. Meine im Haus überwinterten. Fuchsien kommen bei mir dann erst ab dem Spätsommer so richtig zur Blüte. Die von den Profis in den Gartenläden stehen schon nach den Eisheiligen in voller Pracht.

Die Rückkehr zum Naturgarten liegt im Trend. Was ändert sich dadurch?

Der Kreislauf der Natur kehrt dann zurück. Da denke ich spontan an Brennnesseln im Garten. Sie sind gut für die Schmetterlinge und ich setze Brennnesseljauche als Nahrung für die Pflanzen an. Der Kompost gehört dazu, Grünschnitt ist auf dem Kompost gut aufgehoben, verblühte Blumen im Biobeutel zu entsorgen, dagegen nicht. Wärme, Wasser und Nährstoffe sind für mich ein Thema. Und dazu gehört einfach die Pflege eines Komposts, der dann eigentlich immer wieder in den Kreislauf des Garten zurückkehrt. Für alle, die keinen Kompost anlegen können, hoffe ich, dass Kompostbeutel bald kompostierbar sein werden. Es wird ja schon geforscht, Kompostbeutel aus Stärke herzustellen.

Und dann eine Blumenwiese statt Rasen?

Ja, das ist der richtige Weg. Jeder Gartenbesitzer kann einen Beitrag dazu leisten, Insekten und Bienen Raum zu geben. Schön ist es, den Rasen ausblühen zu lassen, dann wird daraus schon bald eine Blumenwiese. Wenn Blumen ihre Samen verstreuen, blüht es Jahr für Jahr schöner. Es muss ja nicht die ganze Grünfläche sein. Man kann Wege durchs Gras mähen, auch einen Platz zum Spielen einrichten.

Was braucht der Kräutergarten – und was ist bei Kauf oder Aufzucht zu beachten?

Natürlich braucht man in der Küche die Klassiker Schnittlauch und Petersilie. Im Kräuterbeet machen sich aber auch Salbei, Rosmarin oder Zitronenminze gut. Kapuzinerkresse ist ein bunter Tupfer im Garten und die Blüten sind essbar. Salbeiblätter in Butter angedünstet, sind wunderbar und die Zitronenminze gehört ins sommerliche Getränk. Am Anfang ist es ratsam, gute Pflanzen für den Kräutergarten zu kaufen. Selbst aus Samen ziehen, kann man später versuchen. Dabei empfiehlt es sich, ein Auge auf die Schnecken zu haben. Die machen winzigen Pflänzchen schnell den Garaus. Selbst Bohnen sind vom Schneckenfraß gefährdet.

Welche Ecke im Garten schätzen Sie ganz besonders?

Ich liebe Beeren. Und zwar seit meiner Kindheit. Da war ich mal zwei Wochen in Ferien und habe so sehr die Beerensträucher vermisst, die gerade um diese Zeit reif waren. Zuhause wurde ich immer zum Schnittlauchholen in den Garten geschickt und so bin ich jeden Tag an den Beeren vorbeigekommen und konnte deren Reifegrad testen. Heute habe ich keine Erdbeeren im Garten, sondern schneide und pflege Brombeerstauden, Himbeeren, Johannisbeeren. Dafür nehme ich viel Arbeit in Kauf, etwa für den Pflege der Brombeeren, die man im Auge behalten muss, weil sie sonst den Garten für sich erobern. Dann mag ich die Obstbäume besonders, gute Zwetschgen aus dem eigenen Garten.

Sie sind Vorsitzende der Kreislandfrauen und haben sich bei der Remstal-Gartenschau einen Sommer lang auf dem Gmünder Kornhausplatz präsentiert. Was hat das für Sie bedeutet?

Es war eine tolle Plattform für den Austausch. Wir sind mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch gekommen, konnten Anregungen weitergeben und Leute für das Thema Garten begeistern – in Pflanzkästen schmückten viele Gartenkräuter den Platz. Aber nicht nur 2019 auf dem Kornhausplatz, schon 2014 im Himmelsgarten war ich in der Vorstandschaft der Kreis-LandFrauen und stand voll hinter der Idee, dass ein Ort der Begegnung mit den Frauen des ländlichen Raumes möglich sein muss. Die Umsetzung war trotz der vielen helfenden Hände für die Verantwortlichen ein Kraftakt. Trotzdem haben sich beide Gartenschauen auf jeden Fall gelohnt. Ich denke heute gerne daran zurück und wir vermissen in der Zeit der Pandemie gerade alle diese Orte der Begegnung.

Der LandFrauenverband Württemberg-Baden ist im Ostalbkreis mit zwei Kreisvereinen vertreten. Der Kreisverband Schwäbisch Gmünd mit seiner Vorsitzenden Doris Kurz zählt 21 Ortsvereine. Der Kreisverband Ostalb in Aalen mit Vorsitzender Claudia Fuchs hat 15 Ortsvereine. Doris Kurz ist auch Präsidiumsmitglied im LandFrauenverband.

Mehr zum Thema

Doris Kurz schätzt die Brombeeren ganz besonders. Für die Pflege investiert sie gerne ihre Zeit.
Im Korb angepflanzt, kommt der Garten auch auf den Balkon.
Ein bunter Sommer und auch noch essbar: Kapuzinerkresse.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL