Shakespeares Romeo und Julia trifft auf Tanz und Musik

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Eine Liebe, die an der Feindschaft zweier Familien zerbricht. Das tragische Ende von Romeo (Manuel Flach) und Julia (Julia Silvester) auf dem Laufsteg im Theater der Stadt Aalen im neuen Kulturbahnhof.
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Mit einem Kooperationsprojekt eröffnet das Theater der Stadt Aalen die große Bühne im neuen Kulturbahnhof. Was dabei zu sehen ist.

Der Auftakt. Energiegeladen. Vibrierend. Eine Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern in dunklen Kleidern entert die Bühne. Eine Gang, die sich einen angedeuteten fiebrigen Kampf mit einer anderen Gruppe liefert. Die trägt bonbonfarben, bewegt sich eher elegant als wild. Aber nicht weniger angriffslustig. Straße trifft auf Höfisches. Die Capulets auf die Montagues. Keraamika auf Ballettklasse. Die Moderne auf einen Klassiker. Nonverbale Körpersprache auf Poetik. Der neue Theatersaal wird bis in den letzten Winkel bespielt – es geht nicht nur dynamisch über den Laufsteg, sondern mitunter auch hoch hinaus in die Technikgalerie. Dazu spielt Mona Weingart am Akkordeon unter Begleitung des Schlagwerkprofessors Bernd Brunk Klassik bis Pop. Mehr Action geht eigentlich nicht.

Spartenübergreifend hat Regisseurin Tina Brüggemann für die Eröffnung der Theaterbühne im Kulturbahnhof den Shakespeare-Klassiker "Romeo und Julia" inszeniert. Neben Keraamika und der Musikschul-Ballettklasse ist der Tänzer Brian Fischer als von Julia stets vornehm verzückter Paris in die Liebesgeschichte eingebunden. Raina Hebel tanzt unbeugsam, aber vornehm in imposant bunter Halskrause (Ausstattung: Annette Wolf) Lady Capulet. Elena Wirth beeindruckt mit tänzerischer Ausdruckskraft als willensstarker Tybalt. Patrick Gutensohn als Mercutio steht ihr mit unbekümmerter Forschheit in nichts nach. Es sind starke Auftritte der Tänzer. Die über weite Strecken so das Drama nonverbal und bildstark dominieren – was mitunter zulasten dessen poetischen Spannungsbogens geht.

"Romeo und Julia" – das ist ein Liebesdrama, dessen roten Faden vermutlich die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer kennen. Das macht es leicht, sich trotz dieses anspruchsvollen Erzählkonzeptes in die Geschichte einzufinden. Erfrischend modern spielt Julia Silvester ihre Julia als eine junge Frau, die sich mal mit kindlicher Naivität dem Erwachsenwerden verweigert – und dann wieder klare Kante andeutend, gegen die gesellschaftlichen Anforderungen stemmt. Im Herzen eine Montague. Manuel Flach überzeugt als zunächst wankelmütiger Romeo, der in Liebe entbrannt doch noch konsequent handelt. Ihm zur Seite steht als Benvolio Philip Dürschmied – der von einer von der Decke im Raum hängenden Kinderschaukel aus, zudem immer wieder erzählend den Faden der Geschichte aufnimmt. Nur wenig Wortanteil hat Arwid Klaws als Traubenspieße umher schiebende kalkweiße Fürstengestalt und verschlagener Mönch – nachhaltig bleiben besondern diese Auftritte aber im Gedächtnis. Ebenso die von Diana Wolf. Als Julias Amme und Schwester Lorentia spielt sie fokussiert gegen bunt und wild an.

"Romeo und Julia" wurde erarbeitet in der Pandemie, zuletzt auf einer Baustelle, also unter denkbarschweren Bedingungen. Die Inszenierung ist aber nicht nur deshalb ein großartige und sehenswerte Leistung aller Beteiligten. "Ihr wisst nicht, was ihr tut", vermittelt eine der Capulets am Ende des Stücks, als sich die beiden Familien erneut bekriegen die klare Botschaft des Stückes, sich zu versöhnen.

"Das wir hier heute so zusammenkommen können, das ist schön", so die extra zur Premiere angereiste Staatssekretärin Petra Olschowski vor Beginn der Vorstellung. "Etwas Einmaliges ist entstanden", sagt sie – und meint damit nicht nur die Räume, sondern auch, was sie "generationenübergreifend vielen gesellschaftlichen Gruppen bietet."

Man habe schon auf der Baustelle gemerkt, wie die Ideen der Nutzer sprießen, ergänzte Intendant Tonio Kleinknecht. Nun ist eine bereits länger gereifte Idee Wirklichkeit geworden.

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