SHW will 2021 wieder wachsen

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Blick in die Produktion von SHW.
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Der Umsatz ging 2020 zurück, die SHW AG verbucht zudem einen Millionenverlust. Doch die Firma sieht sich für den Strukturwandel gut gerüstet. Die Prognose für 2021 wurde angehoben.

Aalen.

Die Zahlen der weltweiten Automobilproduktion sprechen eine deutliche Sprache. Global ging die Fertigung von Fahrzeugen mit einem Gewicht von weniger als sechs Tonnen im vergangenen Jahr um 16,7 Prozent auf 74,1 Millionen zurück, in China lag das Minus bei 5, in Europa gar bei 22,1 Prozent. In Nordamerika wurde rund ein Fünftel weniger Autos produziert als noch im Vorjahr. So war auch der Umsatzrückgang beim Automobilzulieferer SHW unvermeidbar.

Die AG hat 2020 einen Umsatz von rund 392 Millionen Euro erzielt, ein Minus von rund 9 Prozent. Zudem weist das Unternehmen für das vergangene Jahr einen Konzernjahresfehlbetrag von 5 Millionen Euro aus – nach einem Plus von 10 Millionen Euro im Jahr 2019. „Ein starkes viertes Quartal ermöglichte uns, ein passables Ergebnis zu erzielen, das aus operativer Sicht, unter Berücksichtigung von Einmalaufwendungen, zu einer „schwarzen Null“ geführt hat“, erklären Vorstandschef Wolfgang Plasser und Finanzchef Thomas Karazmann im nun veröffentlichten Geschäftsbericht des Unternehmens. „Angesichts des sehr außergewöhnlichen Jahres sind wir mit dieser Entwicklung zufrieden.“

Um die finanziellen Folgen der Pandemie abzufedern, hat die SHW AG 2020 unter anderem ein Kfw-Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro sowie ein Investitionsdarlehen in Höhe von vier Millionen Euro aufgenommen. So konnte die SHW etwa die Ausgaben für Forschung und Entwicklung konstant bei mehr als elf Millionen Euro zu halten. Denn der Blick geht in Aalen bereits voraus. „Wir sind gut gerüstet, um als wettbewerbsfähiger Partner einen wichtigen Beitrag zur Transformation zu liefern“, betonen die SHW-Chefs und verweisen etwa auf „Vertriebserfolge in unserem strategisch wichtigen E-Pumpen-Bereich.“

Größte Investition war mit einer Summe von 3,5 Millionen Euro die Logistikhalle am Standort Wasseralfingen. Auf 2000 neu errichteten Quadratmetern organisieren die Mitarbeiter dort den Versand der Teile in die ganze Welt. Grund für den Neubau war, den Produktionsprozess zu optimieren, so die SHW. Bei jährlich 30 Millionen produzierten Teilen sei die kontinuierliche Verbesserung der Prozessabläufe wesentlich für die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit. In Aalen werden hochfeste Sinterteile wie Stellringe und Rotoren für variable verbrauchsoptimierte Schmierölpumpen, Nockenwellenverstellerteile aus Stahl- und Aluminiumpulver sowie Spielausgleichszahnradsysteme produziert.

Der Rückzug von der Börse ist bereits seit langer Zeit geplant. Als Grund führt die AG vor allem eines an: „Wir möchten uns in Zukunft voll und ganz auf unsere Kunden und unser operatives Geschäft zu fokussieren“, so Plasser und Karazmann. Die Einbeziehung der Aktien in den m:access endete mit Ablauf des 31. März und die des Freiverkehrs an der Börse München werde mit Ablauf des 30 Dezember 2021 widerrufen. Die Pierer Industrie AG, die aktuell mehr als 77 Prozent der Anteile hält, wird ein freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot in Höhe von 19 Euro je Aktie unterbreiten.

Im neuen Auto-Zeitalter ist SHW ebenfalls bereits angekommen. So entwickle man gemeinsam mit Kunden individuelle E-Pumpen im Low- und High-Power-Segment. Zusätzlich arbeite das Team an zukunftsorientierten Systemmodulen wie Ölkühleinheiten und Thermalmanagementsystemen wie E-Wasserpumpen, Thermalpumpen zur Kühlung von E-Antrieben und Batterien. Erfolgreich war 2020 für das Geschäftsbereich Bremsscheiben – so hat SHW die meisten Leichtbaubremsscheiben in der Firmengeschichte verkauft. Das Team habe zudem kostengünstigere Leichtbau-Bremsscheiben für Elektrofahrzeuge entwickelt, das Produktportfolio um Grauguss- sowie Leichtbau-Bremstrommeln erweitert und Hybrid-Leichtbautrommeln bestens vermarktet. Einer der Schwerpunkte habe in der Entwicklung technischer Lösungen zur Verbesserung der Korrosions- und Verschleißbeständigkeit mit Fokus auf E-Mobilität gelegen.

Die Zahl der Mitarbeiter lag mit 1619 über der des Vorjahres. Größter Geschäftsbereich ist mit einem Umsatz von 289 Millionen Euro weiter die Sparte Pumpen und Motorkomponenten, mit Bremsscheiben erlösen die Aalener mit 104 Millionen Euro rund ein Drittel dessen.

Für 2021 geht SHW von einer Erholung der Automobilproduktion aus, allerdings werde das Vorkrisenniveau nicht erreicht. Dennoch erwartet das Unternehmen einen deutlich höheren Umsatz – und hob auch seine Prognose nun an. Die Umsatz soll zwischen 440 bis 480 Millionen Euro (bisher: 420 bis 460 Millionen Euro) liegen. Die Prognose für die Ebitda-Marge wird ebenfalls auf 10 bis 12 Prozent gegenüber den bislang erwarteten 8 bis 11 Prozent erhöht. Wesentliche Gründe für die verbesserten Geschäftsaussichten seien stark gestiegene Auftragseingänge sowie auch eine für den weiteren Jahresverlauf erwartete hohe Nachfrage, so die SHW AG.

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