So ächzt die Ostalb unter der Hitze

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Trinken ist bei der Hitze überlebenswichtig.
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Extreme Temperaturen und Regenmangel: Folgen für Wald, Wiesen und Äcker. Ozonbelastung steigt.

Aalen Das Thermometer: deutlich über 30 Grad. Die Sonne: brennt von einem zumeist wolkenlosen Himmel. Hoch Jürgen nennt sich das Ganze. Hochgefühle beschert es beileibe nicht allen.  

Extreme Waldbrandgefahr: Im Ostalbkreis sind die Warnstufen 4 und 5 des Waldbrandgefahrenindexes erreicht. Das sind die höchsten Stufen auf der Skala – also hohe Waldbrandgefahr. "Das bedeutet für Waldbesitzende und Waldbesuchende, dass sie größte Vorsicht walten lassen müssen! Dies gilt vor allem beim Umgang mit offenem Feuer an genehmigten Feuerstellen", warnt Forstdezernent Johann Reck. Schon kleiner Funkenflug genüge, um dürres Gras, Laub oder trockenes Holz in der Umgebung zu entzünden. Das Dezernat für Wald und Forstwirtschaft prüfe zurzeit, ob einzelne öffentliche Grillstellen im Wald und am Waldrand gesperrt werden, so Katharina Oswald, Persönliche Referentin des Landrats.

Folgen für die Ernte: „Unter der Trockenheit und Hitze leidet unser Getreide sehr“, beschreibt Kreisbauernverbandsvorsitzender Hubert Kucher die Lage in der Landwirtschaft. Bis vor etwa 14 Tagen sei die Ernte recht zufriedenstellend verlaufen. Wintergerste konnte gut eingebracht werden, auch die Heuernte verlief anfangs zufriedenstellend. Kucher: „Jetzt aber verbrennt es die Wiesen.“ Extreme Sonne, starke Hitze – laut Kucher führt das dazu, dass kein Gras nachwächst. Hinzu kommen die Folgen der Trockenheit:  Weizen und Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, Anm.d.Red.), deren Ernte eigentlich erst in zehn Tagen beginnen würde, müssen nun schon in den nächsten Tagen gedroschen werden. Die Landwirte sprechen in solchen Fällen von Getreide, das notreif wird, und fürchten entsprechende Einbußen an Qualität und Menge.

Auch den Mais auf der Ostalb trifft der Regenmangel in einer ungünstigen Phase. Er braucht Feuchtigkeit, um Kolben auszubilden. Kucher: „Wenn es am kommenden Wochenende regnen würde, wäre alles nicht so schlimm. Wenn das Wetter so, wie es jetzt ist, noch 14 Tage anhält, wird es auch für den Mais problematisch.“ Dabei seien die Voraussetzungen zunächst nicht schlecht gewesen: ein relativ kaltes Frühjahr, aber regelmäßiger Regen. Je weiter nördlich man in den Landkreis gehe, desto trockener seien die Böden, so Kucher. "Eine Tendenz, die schon mehrere Jahre anhält."

Wasser: Privatleute dürfen kleinere Mengen Wasser aus öffentlichen Weihern, Bächen und Flüssen schöpfen, zum Beispiel zum Gießen von Blumen und Gemüse. Wegen der Trockenheit bittet das Landratsamt jetzt darum, diese Mengen zu reduzieren „auf das zwingend notwendige Minimum“. Niedrige Wasserstände, dazu hohe Wassertemperaturen in den Weihern – das bedeute für Tiere und Pflanzen in den Gewässern zunehmend Stress bis hin zum Fischsterben.

„Im Aalener Stadtgebiet haben wir momentan noch keine Probleme mit der Wasserversorgung“, heißt es auf Anfrage von den Stadtwerken. Doch sei Trinkwasser ein wertvolles und „durchaus knappes Gut“, so dass man den Bürgerinnen und Bürgern nahelege, „verantwortungsbewusst“ mit dem Wasser umzugehen.

Gesundheit: Mit steigenden Temperaturen steigt die Ozonkonzentration in der Luft. Viele Menschen reagieren dann mit gereizten Augen, Kopfschmerzen oder Atemwegsbeschwerden. Ozonempfindliche Personen und Kinder sollten körperliche Anstrengungen und Sport im Freien auf die frühen Morgenstunden verlegen, empfiehlt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Am Spätnachmittag und Abend seien die Ozonkonzentrationen besonders hoch. Der sogenannte Informationsschwellenwert für die Ozonbelastung liegt bei 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft (µg/m³). Für Aalen wurden am Dienstagnachmittag rund 125 Mikrogramm pro Kubikmeter gemeldet, Ozon-Alarm wird bei 240 µg/m³ ausgerufen. Die aktuellen Werte im Internet gibt’s auf der Webseite der LUBW. 

Wärme in Haus und Wohnung: Wer eine gute Wärmedämmung hat, dessen vier Wände sind nicht nur im Winter vor Kälte, sondern auch im Sommer besser vor Hitze geschützt. Ansonsten gilt: am besten die Hitze erst gar nicht reinlassen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt, tagsüber die Fenster deshalb möglichst gar nicht zu öffnen. Stattdessen: Lüften über Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Rolläden als Sonnenschutz außen an den Fenstern sind deutlich effektiver als Rollos oder Gardinen innen. Frischen Wind können Ventilatoren oder Klimageräte bringen. Laut Verbraucherzentrale gibt es gute Ventilatoren ab 25 Euro zu kaufen, ein solides mobiles Klimagerät koste zwischen 500 und 1000 Euro. Vorsicht bei den Stromkosten: Das Klimagerät schlägt bei etwa 500 Betriebsstunden mit 100 bis 200 Euro im Jahr zu Buche. Bei einem Ventilator sind es nur 10 bis 15 Euro.

Gut zu wissen: Die tagesaktuelle Waldbrandgefahr kann für den Ostalbkreis im Internet auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes abgerufen werden. 

Offenes Feuer im Wald – wichtig zu wissen: Waldbrandindex und Sperrungen von Feuerstellen beachten. Offenes Feuer und Grillen nur an offiziellen Feuerstellen, nicht auf mitgebrachten Grillgeräten. Das Feuer muss beaufsichtigt und vor Verlassen der Feuerstelle vollständig gelöscht werden. Kein Glas und keine Glasscherben liegen lassen, weil sie wie ein Brennglas wirken und Feuer entfachen können. Verboten ist: Rauchen im Wald von März bis Oktober, offenes Feuer außerhalb von offiziellen Feuerstellen oder außerhalb des Waldes bei weniger als 100 Meter Abstand zum Waldrand.

Sonder-Hotline Hitze: Fragen zu gesundheitlichen Beschwerden oder zum Umgang mit dem Extrem-Wetter beantworten Medizinerinnen und Mediziner kostenlos telefonisch in einer Sonder-Hotline Hitze der Krankenkasse DAK-Gesundheit: am Freitag, 22. Juli, 8 bis 20 Uhr, unter der kostenlosen Rufnummer 0800 1111 841. Das Angebot ist offen auch für Versicherte anderer Krankenkassen.

 

 

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Wasser - bei der Hitze heiß begehrt.
Sichtbare Zeichen der Dürre: Der Boden ist vielerorts rissig.

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