So geht es mit der Kulturregion weiter

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"Wir sind die nebelfreie Stadt": Der Aalener Bürgerchor hat am 4. Mai eine umjubelte Premiere gefeiert. Das Aalener Theater will sein Projekt auf dem Härtsfeld fortsetzen. Dafür gibt es Zuschüsse aus dem TRAFO-Programm der Kulturstiftung des Bundes. Archivfoto: opo

Wie die Ostalb und weitere Landkreise trotz auslaufender Bundesförderung ein identitätsstiftendes Kulturangebot auf dem Land etablieren und stärken wollen.

Aalen

Die "Lernende Kulturregion Schwäbische Alb" soll kulturelle Impulse im strukturschwachen ländlichen Raum geben und konkrete Projekte anstoßen. Zum Beispiel Kooperationen zwischen Kulturprofis und lokaler Szene. Die Musiker der Heidenheimer Opernfestspiele etwa arbeiten mit Nachwuchsensembles der Region zusammen. Das Theater Lindenhof aus Melchingen spielt auf Wunsch im heimischen Wohnzimmer – und einmal die Woche wird die Künstlergarderobe zum Friseursalon.

Weiteres Ziel der Initiative ist, die Kultureinrichtungen auf der Schwäbischen Alb weiterzuentwickeln. Förderungen erhalten etwa das Naturtheater der Stadt Hayingen und das Literaturnetzwerk Oberschwaben.

Das Theater der Stadt Aalen plant indessen ein Projekt mit den Gemeinden Neresheim, Nattheim und Dischingen unter dem Motto "Wir sind das Härtsfeld". Dabei geht es um eine Fortsetzung des Aalener Bürgerchors und seiner Premiere von "Wir sind die nebelfreie Stadt". Auf der Bühne stehen s keine Schauspieler. Und gesungen wird auch nicht. Einfach gesagt: Bürger erzählen im Chor Geschichten über ihre Heimat.

Hinter der "Lernenden Kulturregion" steht das Programm "TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel", das von der Kulturstiftung des Bundes eingerichtet wurde. Sie fördert die Modellregion Schwäbische Alb mit drei Millionen Euro. Weitere 615 000 Euro fließen vom Land. Zur Modellregion zählen die LEADER-Regionen Brenz, Jagst, Mittlere Alb und Oberschwaben in den Landkreisen Alb-Donau, Biberach, Heidenheim, Ostalb, Reutlingen, Schwäbisch Hall und Sigmaringen. Das Projektbüro, das die Fördermittel verwaltet und die Projektideen koordiniert, sitzt im Aalener Landratsamt.

Das ist sehr gut angelegtes Geld.

Georg Ruf CDU-Kreisrat

Geschäftsführerin Judith Bildhauer hat jetzt im zuständigen Kreistagsausschuss über die "Lernende Kulturregion" informiert. Wie sie sagte, wird es am 19. Oktober die nächste "Kulturplattform" geben, bei der sich Vertreter aus Kultur, Politik und Verwaltung austauschen. Das Treffen findet in Aalen statt.

2020 läuft das "TRAFO"-Programm aus. Die Preisfrage lautet nun: Wie kann die Kultur im ländlichen Raum ab 2021 weiter gestärkt werden – ausgehend von den Erfahrungen der "Lernenden Kulturregion"? Hier kommt eine gemeinsame Fachstelle ins Spiel. Sie soll die Aufgaben übernehmen, die nicht im gleichen Maße von kommunalen Kulturämtern wahrgenommen werden können. Denn fürs Projektbüro ist Ende 2020 Schluss.

Drei Landkreise wollen die in der Modellregion aufgebauten Strukturen über das Jahr 2020 hinaus mit 20 000 Euro jährlich fördern – Heidenheim, Reutlingen und Tübingen. Der Ostalbkreis schließt sich an. Der Ausschuss für Bildung und Finanzen hat jetzt eine Beteiligung von je 20 000 Euro bis 2023 beschlossen. Die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Schwäbisch Hall und Sigmaringen machen immerhin 4500 Euro pro Jahr locker.

Für CDU-Kreisrat Georg Ruf sind 20 000 Euro "sehr gut angelegtes Geld". Er sieht im Kulturangebot einen weichen Standortfaktor, der "Wärmewirkung" entfalte. Thilo Rentschler (SPD) bekräftigt das. Wenn der Bund die "Lernende Kulturregion" nicht mehr finanziere, dürfe die kommunale Seite das Land nicht alleine lassen. Die Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz stimmen, wie es heißt, derzeit eine Fortsetzung der landesseitigen Finanzierung ab.

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