So kommen Geflüchtete an Bargeld

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Ein ukrainischer Hrywnja wäre derzeit rund 3 Cent wert. Problem: Keine Bank in Deutschland bietet derzeit einen Umtausch an.
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Ukrainische Geflüchtete können ihr Geld aus der Heimat in Deutschland nicht in Euro umtauschen. Woran das liegt – und was die Alternativen sind.

Aalen 

Nachdem sie dem Schrecken des Krieges in ihrer Heimat entkommen sind, stehen Flüchtlinge in Deutschland vor einem profanen Problem: Denn der ukrainische Grivna (in der Landessprache: Hrywnja) ist hierzulande kaum in Euro umzutauschen. Das Problem: „Die ukrainische Zentralbank hat den Devisenhandel gestoppt“, erklärte Sparkassenpräsident Peter Schneider jüngst in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. „Wenn wir Euro rausgeben und dafür die ukrainische Währung Grivna bekommen, könnten wir die nicht wieder in Kiew zurücktauschen. Wir brauchen eine Regelung, dass wir die Grivna bei der Bundesbank abliefern können.“ Die Bundesbank verweist ihrerseits derzeit wiederum an die Europäische Zentralbank. Die soll zwar an einer europäischen Lösung arbeiten, derzeit ist aber keine in Sicht.

Ebenfalls nicht möglich ist der Tausch von russischem Rubel. Dies ist die Folge der westlichen Sanktionen gegen Russland. Problemlos ist hingegen der Tausch von polnischen Zloty, ungarischen Forints oder der tschechischen Krone, die einige der Flüchtenden etwa in den Transitländern erhalten haben. Experten raten dennoch, auf keinen Fall das ukrainische Geld wegzuwerfen oder auf dem Schwarzmarkt zu tauschen. Denn: Legt die EZB erst einmal einen Wechselkurs fest, kann das Geld gewechselt werden.

Der Tipp der Experten: In der Zwischenzeit sollten sich Kriegsflüchtlinge Geld beim Sozialamt als Vorschuss geben lassen. Nachdem sie sich beim Einwohnermeldeamt registriert haben, haben Geflüchtete aus der Ukraine Anspruch auf diese Leistungen, zu denen auch Wohngeld für Miete und Nebenkosten oder Leistungen der Krankenversicherung gehören können.

Die Verbraucherzentrale rät, auf jeden Fall ein Konto zu eröffnen (siehe Text unten). Dies sei wichtig, um am Gesellschaftsleben in Deutschland teilzuhaben. „Jede Bank muss ein Konto anbieten“, so die Verbraucherzentrale. „Das nennt sich Basiskonto.“ Die Bank selbst könnten Flüchtende frei wählen. Sparkassenpräsident Schneider rechnet mit einer großen Nachfrage bei den Sparkassen im Land: „Krisenzeiten sind unsere Zeiten, da müssen wir zeigen, dass wir öffentlich-rechtlich sind und jenseits nur von reinen Renditeüberlegungen handeln.“

Nicht nur die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, auch Deutsche Bank und Commerzbank haben in den vergangenen Tagen angekündigt, Geflüchteten schnell und unbürokratisch zu helfen. Sie verzichten etwa auf die Bestätigung eines EU-Aufenthaltstitels, den Ausländer sonst für die Einrichtung einer Bankverbindung benötigen würden. Wichtig ist dabei, sich vorab über die Kontogebühren der jeweiligen Bank zu informieren, rät die Verbraucherzentrale.

Das benötigen Geflüchtete für die Kontoeröffnung

  • Laut der Kreissparkasse Ostalb sind folgende Dokumente nötig, damit ukrainische Geflüchtete ein Konto bei einer Bank in Deutschland eröffnen können.
  • Vorlage eines Legitimationsdokuments:  Akzeptierte Legitimationsdokumente sind ein gültiger Reisepass oder ein gültiger ukrainischer Personalausweis („Identity Card“) oder gültige Dokumente für Asylbewerber/Flüchtlinge oder in Ausnahmefällen, in welchen keine gültigen oder lesbaren Legitimationsdokumente vorgelegt werden können, bis auf Weiteres auch ukrainische Dokumente in Verbindung mit einer Meldebescheinigung des Ostalbkreises (erhältlich bei den Einwohnermeldeämtern).
  • Anschrift in Deutschland (z.B. bei der Verwandtschaft)
  • Und: Der Abschluss eines Erstkontos erfolgt generell im Präsenzgeschäft, heißt: Der Kontoinhaber muss persönlich zur Bank, um ein Konto zu eröffnen. Ebenfalls weist die Sparkasse darauf hin, dass der Kontoeröffnungsprozess vorläufig ist und vorbehaltlich einer Regelung durch die deutsche Bankenaufsicht. Es kann daher noch zu Änderungen kommen.
  • Ebenfalls wichtig: eine Meldebescheinigung oder ein Aufenthaltstitel sind nicht zwingend erforderlich
  • Stand 16.03.2022, Angaben ohne Gewähr
  • Weitere Informationen bei den Portalen u.a. der Sparkassengruppe

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