So steht es um die Intensivbetten

  • Weitere
    schließen
+
Professor Dr. Ulrich Solzbach Archivfoto: privat
  • schließen

Die Corona-Infektionszahlen steigen, die Klinikstationen füllen sich. Gibt es auch genügend Pflegepersonal? Klinikchef Professor Dr. Ulrich Solzbach spricht dazu im Interview.

Aalen

Wie ausgelastet sind die Krankenhäuser in der Corona-Pandemie? Ein wichtiges Instrument ist das DIVI-Intensivbettenregister. Da jedoch manche Krankenhäuser in Deutschland offenbar auch vorhandene Intensivbetten an das DIVI-Intensivregister melden, die aufgrund fehlenden Personals gar nicht bepflegt werden können, fordert ein DIVI-Sprecher nun die Krankenhäuser auf, ehrlich zu kommunizieren – also auch nur die Intensivbetten zu melden, die tatsächlich auch bepflegt werden können. Wir haben dazu mit Professor Dr. Ulrich Solzbach gesprochen, Chef der Kliniken Ostalb.

Am Sonntag waren laut DIVI im Ostalbkreis 17 Intensivbetten frei – entspricht das dem realistischen Stand? Wie melden die Kliniken Ostalb ihre Kapazitäten?

Solzbach: "Insgesamt verfügen die Kliniken Ostalb über 70 Intensivbetten (darin enthalten sind Intensivbetten für Erwachsene, Kinder und Neonatologie). Die Meldung an das DIVI-Intensivregister erfolgt durch die Kliniken selbst. Es ist richtig, dass nur die freien Betten gemeldet werden, für die genügend Personal zur Verfügung steht. Die Personaluntergrenzenverordnung gibt genau vor, wie viel Pflegepersonal pro Bett / Patient nötig ist. Im Frühjahr, bei der ersten Welle, wurde diese Verordnung außer Kraft gesetzt und am 1. August wieder eingeführt. Die gemeldeten freien Betten vom Sonntag (17) sind realistisch und stimmen überein (davon entfallen alleine sechs Betten für Kinder und Neonatologie)."

Wie beurteilen Sie die aktuellen intensivmedizinischen Kapazitäten im Ostalbkreis – gibt es auch für die kommenden Wochen ausreichend Betten und Personal?

"Im Moment ja. Allerdings kann sich dies schnell ändern. Wir erhoffen uns jetzt von dem Lockdown, dass die Infektionszahlen wieder nach unten gehen und auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben. Im Frühjahr mussten die Krankenhäuser elektive (planbare) OPs absagen. Sollten die Zahlen weiter ansteigen, muss auch hier wieder so ähnlich verfahren werden, um genügend Betten für Covid-Patienten zur Verfügung zu haben."

Wie entwickeln sich die Fallzahlen auf den Isolierstationen, wie ist die Situation dort?

Stand heute werden 32 Patienten mit einer Covid-Infektion an den Kliniken stationär behandelt, davon sind drei auf den Intensivstationen.

Die gemeldeten Infektionszahlen sind auch im Ostalbkreis auf einem Rekordstand und schlagen sich meist mit wenigen Wochen Verzögerung auch auf die Krankenhäuser durch – womit rechnen Sie auf den Stationen in den kommenden Wochen?

Von der ersten Welle wissen wir, dass die Auswirkung verzögert in den Kliniken zu spüren ist - das ist richtig. Wir haben seitdem Vieles gelernt und wir alle werden nicht von der Wucht, wie im Frühjahr, überrannt. Wir sind daher besser gewappnet. Ich rechne damit, dass wir auch diese Welle trotz aller Heftigkeit gut gemeinsam schaffen werden. Mit dazu trägt die gute Vernetzung zwischen den niedergelassenen Kollegen, den Fieberambulanzen, dem Landratsamt mit seinem Gesundheitsamt und den Kliniken bei. Auch wenn mit einem Impfstoff erst im nächsten Jahr zu rechnen ist, sind die Ausgangsbedingungen besser als im Frühjahr, sowohl was die Schutzmaterialien angeht, aber auch das Wissen über die Erkrankung selbst. Es wird uns gelingen, die Pandemie wieder besser zu kontrollieren.

Aktuelle Zahlen zu Infektionen und freien Betten täglich aktualisiert: www.schwaepo.de/1881515 und www.tagespost.de/1881515

Die Personaluntergrenzenverordnung Die konkreten Untergrenzen für den Bereich der Intensivmedizin sind laut Bundesgesundheitsministerium so festgelegt:

Tagschicht: maximal 2,5 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht höchstens 3,5 Patienten pro Pflegekraft

Ab Januar 2021 gilt: Tagschicht: maximal 2 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht: maximal 3 Patienten pro Pflegekraft.

Professor Dr. Ulrich Solzbach

Der Kreistag des Ostalbkreises hat am 1. Juli 2019 Professor Dr. Ulrich Solzbach als Vorsitzenden des Vorstands der Kliniken Ostalb bestellt und ihm die Sprecherfunktion übertragen. Solzbach war seit Januar 1998 Chefarzt der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) des Ostalb-Klinikums. Er besitzt die Facharztanerkennungen Innere Medizin und Kardiologie sowie Intensivmedizin. 2000 wurde er zum stellvertretenden Ärztlichen Direktor und ab 2007 zum Ärztlichen Direktor des Ostalb-Klinikums bestellt, bevor er im Zuge der Einführung der Department-Struktur ab Juli 2018 zum Ärztlichen Direktor des gesamten Klinikunternehmens Kliniken Ostalb berufen wurde.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL