So unterschiedlich schnell impft das Land gegen Corona

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Erstmals gibt es einen Impfvergleich zwischen den Einwohnern der Landkreise. Mit interessantem Ergebnis. Und: weniger Erstimpfungen im KIZ.

Aalen

Bislang war es nicht möglich zu sagen, wie viele Menschen im Ostalbkreis bereits gegen das Coronavirus geimpft sind. Das Landratsamt veröffentlicht wöchentlich nur die Zahl der Impfungen im Kreisimpfzentrum. Wer sich beispielsweise in Rot am See oder Ulm hat impfen lassen, wurde nicht für den Ostalbkreis gezählt. Jetzt hat das Sozialministerium erstmals eine Auswertung veröffentlicht, die wir auf eine Karte übertragen haben: je dunkler das grün, desto mehr Impfungen gab es bereits.

Dabei wird klar: Im badischen Teil des Landes haben bereits deutlich mehr Menschen eine Impfung erhalten, als im württembergischen. Vor allem die östliche Achse Schwäbisch Hall, Ostalbkreis und Heidenheim liegt mit rund 20 Prozent mindestens Erstgeimpfter in der Summe unter dem Landesdurchschnitt von 21.

Im Aalener Kreisimpfzentrum ging die Zahl der Erstimpfungen weiter zurück. Im Vergleich zur Vorwoche meldet das Landratsamt 4090 weitere Erstimpfungen - ein Rückgang von 864. Und bereits in der Woche davor ist die Zahl von 5074 Erstimpfungen - der bisherige Höchststand - auf 4954 gesunken.

Gleichzeitig ist die Zahl der neuen Zweitimpfungen von 345 auf 1124 gestiegen. Da der Bund den Kreisimpfzentren keinen zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung stellt, was das Land kritisiert, werden die zunehmenden Zweitimpfungen Kapazitäten für Erstimpfungen wegnehmen. Das zeigt sich aktuell bereits an dieser Entwicklung.

Die Zukunft der Impfzentren im Land ist ungewiss

Noch unklar ist, wie es mit den Kreisimpfzentren weitergeht. Im Aalener Landratsamt sagt Pressereferentin Susanne Dietterle dazu: „Derzeitiger Stand ist, dass das Impfzentrum auch noch im Juli betrieben werden soll.“ Auch im zuständigen Sozialministerium setzt man offenbar auf eine Verlängerung. „Je nach verfügbaren Impfstoffen werden wir die Impfzentren auch im August oder sogar September noch brauchen“, sagt Pressereferent Florian Mader. Bislang ist die Laufzeit der Impfzentren auf den 30. Juni befristet.

„Je nach verfügbaren Impfstoffen werden wir die Impfzentren auch im August oder sogar September noch brauchen.“

Florian Mader, Sozialministerium

Klar dagegen ist, dass die Impfzentren teuer sind. Wie das Sozialministerium informiert, werden die dortigen Ärzte mit bis zu 130 Euro pro Stunde entlohnt. Das bedeutet also bei sechs Impfgesprächen je Stunde und Arzt etwas mehr als 20 Euro pro Impfung. Zum Vergleich: Das Honorar für eine gewöhnliche Grippeimpfung liegt in etwa bei unter der Hälfte.

Insgesamt stellt das Land pro Betriebsstunde Personalkosten in Höhe von bis zu 2173 Euro zur Verfügung. Die Betriebszeit der Impfzentren ist mit 16 Stunden am Tag kalkuliert. Das bedeutet also allein Kosten von einer halben Million Euro für acht Ärzte bei 16 Stunden und 30 Tagen pro Woche - nicht jedes Impfzentrum arbeitet allerdings mit dieser Kapazität. Mit ein Grund, warum der Bund derzeit die zunehmenden Impfmengen lieber an die Hausarztpraxen schickt, obwohl die Impfzentren technisch gesehen noch gar nicht ausgelastet sind. Das sorgt derzeit für Terminprobleme an manchen Impfzentren.

„Mittelfristig sollen die Impfungen komplett in den niedergelassenen Praxen sowie bei den Betriebsärzten durchgeführt werden, denn da gehören sie hin“, sagt Mader. Doch jetzt gehe es darum, 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in möglichst kurzer Zeit zu impfen. Und ein Betrieb unter Volllast sei ab Ende Mai und Juni realistisch.

Rubriklistenbild: © OLIVER GIERS

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