So wird Busfahren attraktiver

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Ein Blick auf den ZOB an Aalens Bahnhof. Den Bus zu nehmen, soll eine verlockende Alternative zum Auto werden. Auch daran arbeitet die Landkreisverwaltung und verschiedene Gremien bei der Entwicklung des Nahverkehrsplans.
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Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans schlägt flächendeckende Taktung im Kreis und gestaffelte Zeiten für den Schulbeginn vor.

Aalen

Wie bekommen wir mehr Fahrgäste in Busse und Bahnen und wie wird die Finanzierung der Angebotsausweitung dauerhaft sichergestellt? Fragen wie diese, will der Landkreis mit dem Nahverkehrsplan klären. Die Antworten definieren dann auch, wie die Bürgerschaft das Angebot erreicht, eben wie oft und von wo Busse fahren oder ankommen. Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans wurde im Ausschuss für Kreisentwicklung vorgestellt.

Der Nahverkehrsplan sei Kompass und Orientierung, wie sich der ÖPNV organisatorisch, qualitativ und quantitativ entwickeln soll. Umgesetzt werden müsse er mittels Verkehrskonzepten in den Teilräumen. Die am Ende tatsächlichen Kosten hingen von vielen Variablen ab. So formulierte es Dr. Felix Berschin von der „Nahverkehrsberatung Südwest“ aus Heidelberg, die bei der Erarbeitung des Nahverkehrsplanes mit im Boot ist.

Im nun abgeschlossenen Anhörungsverfahren über den Nahverkehrsplan sind Rückmeldungen von 36 der 42 Kreis-Kommunen, von vieren der 23 Verkehrsunternehmen Bus und Schiene, von vieren der sechs Nachbarkreise sowie acht von Verbänden eingegangen. 52 Stellungnahmen mit rund 450 Einzelpunkten sind dies. Berücksichtigung in der Fortschreibung findet nicht einmal eine Handvoll.

Der Landkreis fährt im Takt

Der Nahverkehrsplan soll nun einen Taktfahrplan mit Stunden-/Halbstunden- und Viertelstundentakt flächendecken im Ostalbkreis bringen. Taktung erlaube Verdichtung, beziehungsweise Ausdünnung innerhalb des Systems, meint Berschin. „Fahren statt Stehen, Verknüpfungen statt Sammelsurium, Takt statt Zufall“, nannte er sein Credo.


Reisezeiten: Kurze Reisezeiten sollen durch die optimale Verknüpfung mit der Schiene, aber auch durch die Vernetzung des Busverkehrs mit Knoten, beispielsweise in Leinzell, Heubach oder Abtsgmünd ermöglicht werden.


Produktivität: Das Konzept soll sich insgesamt konsequent an der Produktivität der Busfahrer ausrichten. „Die kosten nämlich auch dann Geld, wenn sie nicht fahren“, sagte Dr. Felix Berschin.


Fahrzeiten: Linien sollten „gestreckt“ werden, die Kommunen seien verantwortlich für die Sicherung kurzer Fahrzeiten, so Berschin.


Barrierefreiheit: Die Busse sollen barrierefrei sein, für Barrierefreiheit an Haltestellen müssten aber primär Kommunen sorgen.


Ruf-Busse: Das Prinzip von On-Demand-Bussen soll intensiviert werden, hier sollten kleinere Fahrzeuge eingesetzt werden.


Fahrräder: Der Landkreis möchte, dass die Fahrradmitnahme in Bussen grundsätzlich möglich ist.


Schulen: Ganz wichtig sei es zudem, die Schulbeginnzeiten zu staffeln. Mit einer intelligenten Planung sei es so möglich, kreisweit 60 bis 70 Busse einzusparen, meint Berschin.


Landesgelder: Wichtig sei es auch, Landesmittel zu akquirieren. Dies gelinge, indem sich der Kreis an der Zielsetzung der Landesregierung orientiere. „Mobilitätspass“, „Mobilitätsgarantie“ und ein „Klares Liniennetz“ seien hier die Schlüsselworte.

Zur Kritik von Busunternehmern

Berechtigterweise sei im Anhörungsverfahren angemerkt worden, dass Besucherzahlen von Freizeiteinrichtungen keinen Eingang in die Bewertung von Potenzialen gefunden haben. Hier werde nachjustiert, versprach Berschin. Die Kritik, Verkehrsunternehmen seien unzureichend und nicht früh genug im Verfahren beteiligt worden, wies er aber zurück.

Kein Geld für Wünsche?

Die vielen im Anhörungsverfahren formulierten Wünsche auf eine Verbreiterung des Angebotes würden teuer, so der Kreis sie verwirkliche, sagte Berschin. Allein 18 Einzelpunkte, die über die definierten Standards im Nahverkehrsplan hinausgehen, beispielsweise zusätzliche Linien, dichteres Angebot kosteten rund 5,23 Millionen Euro pro Jahr.

Angeregt worden waren hier unter anderen eine Busverbindung Lauchheim-Bopfingen halbstündlich, statt stündlich zu schaffen; einen Stundentakt für die Linie Kirchheim-Nördlingen anzubieten; einen Halbstunden- statt Stundentakt für die Linie Rosenberg-Bopfingen oder Viertelstunden- statt Halbstundentakt für die Linien Dewangen-Fachsenfeld sowie Pelzwasen-Aalen-Innenstadt zu schaffen. Weitere Angebotswünsche steigerten die Summe der Folgekosten dann auf insgesamt rund zehn Millionen Euro pro Jahr.

Für die Landkreisverwaltung empfahl Geschäftsbereichsleiter Thomas Wagenblast dem Gremium daher, von über den Entwurfstand hinausgehenden Aufwertungen abzusehen ist. Eine fortlaufende Prüfung oder Umsetzung könne sich bei der Umsetzungsplanung noch ergeben. Dies werde in Lenkungskreissitzungen thematisiert. Der Kreistag wird den Plan am Dienstag wohl so beschließen.

Fraktionen stimmen zu

Die Fraktionen zeigten sich zufrieden mit dem Werk. Für die CDU sprach Nikolaus Ebert von einem „ordentlichen Plan mit Maß und Mitte, in dem Mehrleistungen drin sind“.

Gabriele Ceferino (Grüne) hält die Fortschreibung für gelungen. Weil nur wenige Rückmeldungen von Busunternehmen kamen, meint sie: „Die scheinen zufrieden“. Mache man bei den Wünschen Ausnahmen, „dann kommt jeder“, sagte sie.

„Dem Plan kann man vertrauen“, findet Herbert Hieber (SPD). Flächendeckende Taktung sei ein Meilenstein und über 400 Stellungnahmen eine Fundgrube, die es zu beachten gelte.

Herbert Witzany (Freie) lobte die Arbeit. „Nicht alle Wünsche sind finanzierbar. Wenn wir nur 80 Prozent des Plans umsetzen, wäre das ein Quantensprung für den ÖPNV im Kreis“, sagte er. Weiter forderte er, von den Busunternehmern „über Konzessionen hinweg zu handeln und die Aufgaben nun anzugehen“.

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