Solzbach: Covid ist immer öfter "Nebendiagnose"

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Professor Dr. Ulrich Solzbach äußert sich zur aktuellen Lage in den Kliniken Ostalb
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Zur aktuellen Situation bei den Pflegekräften und zur Impfpflicht im Gesundheitswesen äußert sich der Chef der Kliniken-Ostalb, Professor Dr. Ulrich Solzbach.

Aalen. Die Menschen werden nicht mehr so schwer krank wie zu Beginn der Corona-Pandemie. Aber die aktuelle Virusvariante Omikron ist sehr viel ansteckender als die bisherigen Varianten. In manchen Landstrichen sind mehr Pflegekräfte in Quarantäne als Corona-Patienten auf der Station. Wie ist die Lage an den drei Kliniken im Ostalbkreis? Auf die Fragen der SchwäPo antwortet der Chef der Kliniken Ostalb, Professor Dr. Solzbach. 

Wie wirken sich denn die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Infizierten-Zahlen auf die Belegschaft aus - gibt es schon Engpässe? 

Professor Dr.  Ulrich Solzbach: Leider machen uns gerade auch die vermehrten krankheitsbedingten Personalausfälle im Klinikum Sorgen, was sich auf den Personalmangel, der vor der Pandemie schon enorm war, noch mehr auswirkt.

Wie geht man an den Kliniken im Ostalbkreis damit um - und was bedeutet das?

Das bedeutet, dass wir bei der Planung von Operationen und Eingriffen weiterhin vorausschauend je nach Kapazitäten und vorhandenen Ressourcen entscheiden müssen und noch nicht in vollem Umfange so planen können, wie wir es gerne möchten.

Gibt es eigentlich Unterschiede an den drei Standorten? Hat ein Standort mehr Probleme als der andere?

Dies kann man so pauschal nicht sagen, mal ist der eine Standort mehr betroffen, mal der andere. Es ist immer ein Wechselspiel und abhängig von den Patientenzahlen sowie Krankheitsausfällen der Mitarbeiter. Durch die Fusionierung der drei Kliniken haben wir jedoch mehr Möglichkeiten, uns gegenseitig zu helfen und dies auszugleichen.

 Wie sieht es mit den Patientenzahlen aus? Und wie sieht es in den Intensivbereichen aus?

Derzeitiger Stand auf den Isolierstationen: 46 Patienten, auf den Intensivstationen sind es, Stand Donnerstagnachmittag, sechs Patienten. Hier möchten wir darauf hinweisen,

dass dies immer eine Momentaufnahme ist.

Kommen die Patienten eher wegen Corona - oder mit Corona?

In der Tat gibt es mittlerweile einen Unterschied zu den bisherigen Wellen. Bisher kamen viele Patienten aufgrund von Corona in die Kliniken. Mittlerweile ist die Tendenz zu erkennen, dass Covid vor allem als Nebendiagnose festgestellt wird, der primäre Behandlungsgrund aber ein anderer ist. Das heißt, Patienten kommen wegen eines Behandlungsbildes in die Kliniken und haben gleichzeitig einen positiven Coronatest.

 Tendenziell: Haben wir den Scheitelpunkt überschritten?

Dieser Tage kann man anhand der Inzidenzen bundesweit eine leicht sinkende Tendenz erkennen, sodass vermutlich der Scheitelpunkt erreicht oder schon überschritten ist.

Da diese Zahlen allerdings immer nachwirken, werden wird die Entspannung vermutlich erst in circa zwei bis drei Wochen in den Kliniken spüren.

 

Und wie wird am Klinikum derzeit das Thema Impfpflicht diskutiert?

Natürlich ist das auch bei uns an den Kliniken ein Thema, und wir müssen uns an die nun geltenden Gesetze halten. Dass das Gesundheitswesen jetzt als einzigster Bereich „herausgepickt“ wird, halte ich nicht für gut. Auch viele Mitarbeiter sehen dies als ungerecht an.

 Gibt es wegen der Impfpflicht Kündigungen?

Es sind vereinzelt wenige Kündigungen eingegangen, ob es hier einen Zusammenhang mit der kommenden Impfpflicht gibt, können wir nicht sagen.

 

Gibt's allgemein mehr Kündigungen als sonst üblicherweise?

Nein.

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