Sperrstunde ist für Kneipen wie ein Lockdown

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Ein ruhiger Abend in der Helferstraße.
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Durch die neue Coronaverordnung ist für die Gastronomie um 22.30 Uhr Schicht im Schacht. Darunter leiden vor allem Kneipen und Bars.

Aalen

Seit Montag gilt die neue Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg. Mit ihr kommt erneut eine Sperrstunde für die Gastronomie. Von 22.30 bis 5 Uhr dürfen Wirtinnen und Wirte keine Gäste mehr empfangen. Während Speisegaststätten von dieser Sperrstunde weniger betroffen sind, trifft es die Betreiber von Kneipen und Bars umso härter.

"Es ist schwierig", sagt Michael Wiedenhöfer, Inhaber der Aalener Havanna Bar, "bei uns geht es eigentlich um 21, 22 Uhr erst los". Weil er um halb 11 schon schließen muss, will er die Öffnungszeiten nachjustieren und bereits ab 16 Uhr öffnen. "Ich weiß nicht, ob das funktioniert", gibt er aber zu bedenken. Aktuell, da viele Menschen Ferien oder Urlaub haben, könne das vielleicht helfen, noch ein paar Gäste zu erreichen. "Ich denke, dass ab Januar komplett geschlossen ist", sagt Wiedenhöfer.

"Für die Pizzeria oder das Wirtshaus ist die Uhrzeit kein Problem."

Jana Thiem, Gastronomieleiterin KKF

Sperrstunde kommt Lockdown gleich

"Für die Pizzeria oder das Wirtshaus ist die Uhrzeit kein Problem", sagt Jana Thiem, Gastronomieleiterin der Gmünder Kneipe KKF und dem zugehörigen Programmkino Brazil. Auch im KKF, in dem viele Studierende unterwegs sind, gehe es erst um 21 bis 22 Uhr richtig los. Ist um 22.30 Uhr Schluss für Kneipen und Bars, "kommt das einem Lockdown gleich". In der Kinokneipe habe man zwar gehofft, dank Impfungen und Boostern an einer Sperrstunde vorbeizukommen, "damit gerechnet, hatten wir aber schon halbwegs". Auch hier steht im Raum, früher zu öffnen.

Auf Sicht einkaufen

In beiden Kneipen sind die Vorratskammern und Getränkekeller leerer als üblich. "Da haben wir schon etwas zurückgefahren", berichtet Wiedenhöfer aus der Havanna Bar. Er kaufe aktuell auf Sicht ein. Gerade, wenn es um verderbliche Getränke wie Säfte und Bier geht. Spirituosen seien weniger das Problem. Im KKF hat man "seit Wochen geschaut, dass einfach das Nötigste da ist. Das Lager ist ungefähr zu einem Drittel so voll wie üblich zu der Jahreszeit", sagt Thiem.

Schwierig fürs Personal

Auch personell kann es nun schwierig werden. "Momentan haben die Vorrang, die das Geld brauchen", sagt Thiem. Häufig sind es Aushilfsjobs in den Kneipen. Etwa Studierende, die sich die Miete und den Lebensunterhalt verdienen. "Das wird denen jetzt wieder wegfallen. Die haben das gleiche Problem, wie beim letzten Mal", sagt Wiedenhöfer.

"Gerade Bars und Kneipen haben ein größeres Problem", bestätigt auch der stellvertretende Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Martin Hald. Doch generell sehe es in der Gastronomie nicht rosig aus, sagt Hald, der den Landgasthof Hirsch in Ellwangen betreibt. Das Dezembergeschäft sei nicht so gut ausgefallen, wie erhofft. "Der Umsatz kommt auch nicht wieder. Weihnachten ist nur einmal 2021."

Die Problematik mit dem Personal und den Einkäufen kennt Hald. Es sei nicht auszuschließen, dass Aushilfen nun abspringen. "Im Frühjahr brauchen wir sie dann wieder." Kurzarbeit gebe es nach wie vor in der Gastrobranche, Mitarbeitern fehle das Geld. "Es ist nicht einfach, Zuversicht zu verbreiten", sagt der Wirt. Auch der Einkauf sei schwieriger geworden. Großhandel, Gärtner, Getränkehändler, so zählt Hald auf, "das stockt alles. Es ist eine große Kunst gerade". Froh ist er darüber, dass er an Silvester bis 1 Uhr bewirten darf. "Sonst hätte ich ein Problem gehabt."

Wie es im Januar weitergeht, kann Hald nicht sagen. Was er sagen kann: "Kneipen brauchen noch mehr Unterstützung. Die brauchen wir alle."

  • Coronaverordnung in der Gastronomie: das gilt
  • In der aktuell geltenden Alarmstufe II ist in der (Hotel-)Gastronomie die 2G-Plus-Regelung vorgeschrieben. Das bedeutet, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt haben, wenn sie einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorweisen können. Laut der Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom 27. Dezember sind genesene oder geimpfte Personen, die ihre Auffrischimpfung („Booster“) erhalten haben, davon ausgenommen. Ebenso sind alle Geimpften und Genesenen, deren Impfung oder Infektion nicht länger als drei Monate zurückliegt, davon ausgenommen. In der Gastronomie gilt von 22.30 bis 5 Uhr eine Sperrstunde. Von Silvester auf Neujahr darf bis 1 Uhr bewirtet werden.

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