Sprengs Musik-Dokumentation läuft auf Festivals

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Tim Spreng hinter der Kamera bei Dreharbeiten zum Film "WITCH" in Sambia. Der Film ist derzeit im Programm des DOK.fest München online deutschlandweit im Stream zu sehen.

Der in Ellwangen aufgewachsene Regisseur und Kameramann Tim Spreng ist an der erfolgreichen Dokumentation "WITCH" beteiligt.

Aktuell ist "WITCH – We Intend To Cause Havoc" (zu deutsch: "Wir wollen Unruhe stiften") deutschlandweit via Internetstream im Rahmen des DOK.fest München, einem der renommiertesten deutschen Dokumentationsfilmfestivals, zu sehen. Der in Ellwangen aufgewachsene Filmemacher Tim Spreng hat den Streifen gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen Gio Arlotta gedreht. Seit seiner Premiere in Lissabon beim INDIELISBOA im Juni 2019 lief der Film auf vielen weiteren anerkannten Festivals, wie in Warschau, Rotterdam oder Kapstadt.

Doku-Festival bis 24. Mai

"Wir wurden nach den Festivals oft von kleinen regionalen Kinos kontaktiert, die den Film dann auch zeigten", sagt Tim Spreng, der froh ist, dass das DOK.fest trotz Pandemie stattfindet. Allerdings nur digital: Seit diesem Donnerstag sind 121 Filme aus 42 Ländern übers Internet empfangbar. "Eigentlich wäre der Film in zwei Vorstellungen im Kino gelaufen, so ist er jetzt im Netz zweieinhalb Wochen nonstop zu sehen", sagt Spreng. Bis 24. Mai dauert das Festival, bei dem "WITCH" für den Publikumspreis nominiert ist.

Dabei hat Spreng, der nicht nur als Kameramann, sondern auch beim Drehbuch und als Geschäftsführer des Produktionsstudios Pantheon Pictures bei der Umsetzung des Films maßgeblich beteiligt war, eine wichtige Hürde mit dem Projekt schon genommen: "Wir haben bereits einen Verleiher in Deutschland, mindjazz pictures aus Köln, gefunden, der sich um die Distribution im deutschsprachigen Raum kümmert", sagt Spreng. Vor wenigen Jahren hatte er mit dem Film "Mord im Heiligenwald" gedreht mit Amateur-Schauspielern – bereits beachtlichen Erfolg durch Selbstvermarktung in Kinos in Süddeutschland. WITCH soll nun ab Herbst den Weg in deutsche, österreichische und Schweizer Kinos finden. Jetzt im Sommer ist der Film exklusiv für das Festival-Publikum bestimmt, Spreng hofft aber auch, ihn irgendwann in Ellwangen vorführen zu können. Dabei ist für ihn klar, dass es sich nicht um einen "Hollywood-Blockbuster" handelt. "Es ist und bleibt ein Nischen-Film über die Musikszene", ordnet Spreng ein. Die Nominierungen an den zuschauerstarken Filmfestivals Warschau und Rotterdam, die eigentlich eher Festivals für Spielfilme sind, zeigten aber, dass der Film viele anspreche. "Das liegt daran, dass es neben der Musik eine zweite Ebene gibt: ein Film über positives Denken und einen Traum, der wahr werden kann", sagt Spreng.

Erst Erfolg, dann Minenarbeit

Eigentlich wäre der Film in zwei Vorstellungen im Kino gelaufen, so ist er jetzt im Netz zweieinhalb Wochen nonstop zu sehen.

Tim Spreng Filmemacher aus Ellwangen

In dem spüren Arlotta und Spreng der Geschichte von Jagari Chanda nach, der in den 70er Jahren als Frontmann der Band "WITCH" im afrikanischen Sambia riesigen Erfolg hatte und als Mitbegründer des Musikgenres "Zamrock" gilt. Die Filmemacher treffen Jagari – dessen Name auf Mick Jagger verweist – heute als einfachen Minenarbeiter, der seinen Lebenstraum, Musik zu machen, aber noch nicht aufgegeben hat. So entwickelt sich aus der Spurensuche seiner Vergangenheit in einem Land mit schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen eine Wiederbelebung: Die Filmemacher knüpfen den Kontakt zu jungen, westlichen Musikern, mit denen Jagari "WITCH" als neue Band auferstehen lässt – und ungeahnten Erfolg feiert. Nicht nur bei Auftritten in Sambia: Erste Konzerttouren durch Europa und die USA sind ausverkauft, die Filmemacher begleiten die Band dabei.

"Interessant ist für mich das Hin und Her wie ein Ball, der die Menschen und Kulturen verbindet. Psychedelic Rock entstand im Westen, unter anderem stark von Afroafrikanern beeinflusst. Dann wurde dieser Rock in Zambia gehört und neu interpretiert. Jetzt interessieren sich wiederum junge westliche Musiker dafür, von den Zamrockern zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Ein kreativer, zeitloser und interkultureller Kreislauf in sich", schildert Spreng, was ihn am Projekt so reizt. Im Herbst ist die zweite Europa-Tour für "WITCH" geplant, wenn der Film parallel in die Kinos kommen soll. "Der Erfolg freut mich vor allem für Jagari – er ist ein Frontmann, der einfach auf die Bühne muss", sagt Spreng.

"WITCH" kann im Stream über www.dokfest-muenchen.de abgerufen werden, das Einzelticket kostet 4,50 Euro, ein Festivalticket für das gesamte Angebot 50 Euro. Das Film-Streaming steht pro Ticketkauf ab dem ersten Startklick 24 Stunden lang zur Verfügung.

Produzent, Regisseur und Kameramann

Tim Spreng, geboren in Stuttgart, aufgewachsen in der Ellwanger Umgebung, wohnt jetzt in Rosenheim mit seiner Familie. Nach einem dreijährigen Medien-und Kommunikationsstudium an der Universität Leipzig war Spreng an der Prager Filmschule (PFS). Nach dem Studium gründete er mit Kommilitonen die Produktionsfirma Pantheon Pictures, die er als Geschäftsführer leitet. Seit 2012 kreierte er in internationalen Teams mehrere Spielfilme, Kurzfilme, Musikvideos und Werbefilme. Vor wenigen Jahren lief der Film "Mord im Heiligenwald" in zahlreichen Kinos in Baden-Württemberg und Bayern.

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