Springerle-Model: Top Model für die Weihnachtszeit

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Springerle und Weihnachten - Dekoration in Ulrike Bolsingers Werkstatt

Zu Besuch bei einer Schnitzerin, deren Handwerk wieder sehr gefragt ist. Ulrike Bolsinger aus Westerhofen gibt viele Tipps.

Westhausen-Westerhofen.

"Birne eignet sich an besten“ sagt Ulrike Bolsinger und streicht fast zärtlich über das hölzerne Klötzchen. „Ganz ideal sind Obstbäume vom Härtsfeld, bei ihrem festen Holz und der feinen Maserung geht das Schnitzen besonders gut und der Teig bleibt nicht kleben.“ Model schnitzen und damit dann die Springerle backen, beides ist eine Kunst und beides beherrscht die Landfrau aus Westerhofen vortrefflich. Darauf angesprochen meint sie fast ein bisschen verlegen, sie mache das ja nur auf ihre einfache Art, was aber heißt: sehr fantasievoll, mit großer Liebe zum Detail und vor allem mit ruhiger Hand.

Denn die Kunst von Ulrike Bolsinger muss auf wenige Quadratzentimeter passen, maximal 10 x 10 cm messen die von ihr gefertigten Holzbackformen. „So geht ein Springerle auf einen Haps weg“, erklärt sie als Genießerin.

Doch als erfahrene Hobbybäckerin weiß sie auch, „kleinere Model lassen sich besser in den schweren Teig drücken.“ Nur einer von vielen Tipps, wie sie Ulrike Bolsinger in ihrem Springerle-Backbuch verrät, mit dem sie jetzt ihr Angebot rund um das Kleingebäck komplettiert.

Ulrike Bolsinger hat gelernt, wie man Gitarren und Zupfinstrumente baut, ist ausgebildete Pädagogin und hat aus Liebe noch den Beruf der Landwirtin draufgesattelt. Vor nunmehr einem Vierteljahrhundert kam dann das Modelschnitzen dazu, für das sie bei einem Fachmann in Grainau in die Lehre ging. Denn ihr Wunsch, diese besonderen Backformen selbst herzustellen, der reiche schon sehr weit zurück, erinnert sich die 50-jährige, die in Hüttlingen aufgewachsen ist. Bei den mittelalterlichen Festen auf Burg Niederalfingen habe sie den Schnitzern fasziniert zugeschaut und für sich beschlossen: „Das ist toll, das will ich auch mal machen!“

Ich war fasziniert und wollte das unbedingt auch machen.“

Ulrike Bolsinger , Modelmacherin

Diesen Kindheits- und Jugendtraum kann sie sich nun sogar in einem eigenen Atelier erfüllen, das liegt am Rande von Westerhofen, wo die Bolsingers eine Bio-Landwirtschaft betreiben. In der einstigen Bauernstube hat sich die zweifache Mutter ihr Reich eingerichtet. Der Raum hat etwas Heimeliges, mit dem Kachelofen in der Ecke und dem Blick hinüber zur Kapfenburg. Vom Eingang geht man geradewegs auf die gläsernen Vitrinen zu, in denen sie ihrer kleinen Kunstwerke und dazu auch viel Wissenswertes über die Springerle präsentiert. Herzstück des Ateliers ist aber der Werktisch, darauf viele Schnitzeisen in allen Formen und Größen, auch selbstgefertigte.

Bevor Ulrike Bolsinger eines davon auf dem Rohling ansetzt, muss sie sozusagen „umdenken.“. Denn das Bild auf dem Model wird seitenverkehrt geschnitzt, „das muss man auch bei Höhen und Tiefen beachten“, erklärt die Künstlerin. Bei Gebäuden und Gesichtern erfordere das eine besondere Konzentration. Vorlagen oder Schablonen gibt es dafür nicht, jedes Motiv entsteht im Kopf der Modelmacherin, dann hält sie es mit wenigen Bleistiftstrichen auf dem Holzklötzchen fest. Rund vier Stunden später ist daraus dann ein Model geworden.

„Sonderanfertigungen dauern aber schon länger“, sagt Bolsinger, denn ihre Werke können mehr als Weihnachtsgebäck. So umfasst ihr Portfolio neben Motiven für alle christlichen und kirchlichen Feste auch Vorschläge für Geburtstag und Jubiläum, die sie aber auch individuell ausgestalten kann.

Die Nachfrage sei da, sagt Bolsinger, denn traditionelles Handwerk liege wieder im Trend. Für den privaten Gebrauch sei nach dem pandemiebedingten Wegfall von Märkten und Ausstellungen der Onlinehandel gut angelaufen. Zu ihren Kunden gehören auch Bäcker, Konditoren, Klöster und Kirchen aus dem In- und Ausland. Damit das so bleibt, müsse sie aber die Finger permanent trainieren, das heißt, wann immer es die Arbeit auf dem Bauernhof erlaubt, zieht sie sich zum Schnitzen zurück. Reich werden könne sie mit ihrer Arbeit nicht, „doch es wird wertgeschätzt“, sagt Ulrike Bolsinger zufrieden.

Info: Ulrike Bolsinger zeigt auf ihrer Webseite holz-und-natur.de viele ihrer Model und vieles über ihre Arbeit. Dort präsentiert sie auch ein Springerle-Rezept zum Nachbacken. Und man kann sich über die aktuellen Besuchszeiten in ihrem Atelier in Westhausen-Westerhofen informieren.

Springerle - ein Rezept von Ulrike Bolsinger

Die Zutaten: 4 Eier 500 g gesiebter Puderzucker 1 Messerspitze Hirschhornsalz 1 Esslöffel Kirschwasser500 g gesiebtes Mehl, (Type 405)

Die Zubereitung: Eier schaumig schlagen, Puderzucker esslöffelweise zugeben und alles mindestens 20 Minuten (am besten mit der Küchenmaschine) rühren. Hirschhornsalz im Kirschwasser auflösen und nach 15 Minuten zugeben. Danach das Mehl esslöffelweise unterrühren. Den Teig dann in Klarsichtfolie einwickeln und mindestens 2 Stunden, am besten über Nacht, im Kühlschrank ruhen lassen.

Das Ausmodeln: Arbeitsfläche (ideal: Backbrett) mehlen. Darauf vom gekühlten Teig eine kleine Portion auswellen, den Rest abdecken, damit er nicht austrocknet. Ausgewellten Teig mehlen (prima ist Stärkemehl), sonst klebt er am Model. Dann das Model fest und gleichmäßig in die Teigplatte drücken und gleich wieder abnehmen. Das so entstandene Springerle ausschneiden (Teigrad, Pizzaschneider), mit einem Messer anheben und auf ein bemehltes Holzbrett setzen. So nach und nach den zurückgestellten Teig verarbeiten und die Springerle dann je nach Größe 24 bis 48 Stunden trocknen lassen.

Das Backen:Ofen auf 150 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen und mit Anis bestreuen. Damit beim Backen die typischen Füßchen entstehen, muss man die Unterseite der getrockneten Springerle befeuchten. Am besten macht man das mit einem nassen Finger, so lässt sich gut kontrollieren, ob das Teigstückchen gleichmäßig feucht ist. Nach 10 Minuten Backzeit die Temperatur auf 120 Grad zurückdrehen, die Springerle noch weitere 6 bis 10 Minuten backen. Die Springerle dann erst abkühlen lassen und danach vom Backpapier nehmen. In einer Schachtel an einem feuchten Platz aufbewahren, so werden sie nicht hart.

Auch gut: Springerle als Deko verwenden! Dazu mit einem Trinkhalm ein Loch in das Teigstücken stechen, durch dieses dann nach dem Backen ein Bändchen ziehen.

Model-Fakten von Ulrike Bolsinger

Das Holz: Ulrike Bolsinger verwendet ausschließlich regionales Birnenholz, auch wenn dieses immer schwerer zu bekommen sei. Die Stämme werden zu Brettern gesägt, diese müssen dann aber noch mindestens fünf Jahre trocknen, damit sie beim Schnitzen nicht splittern. Der Dielenvorrat in ihrem eigenen Holzlager sichere die Modelproduktion für die nächsten 15 Jahre, so die Fachfrau. Die Formen: Nach dem Trocknen sägt Ulrike Bolsinger aus den Dielen die kleinen Backförmchen, meist so, dass eines für ein Motiv reicht. Es gibt aber auch die sogenannten Mehrbildmodel. Das sind bis zu neun, thematisch zusammenhängende Motive auf einem dann natürlich entsprechend größeren Holzstückchen. Die Pflege: „Ein Model ist eine Anschaffung fürs ganze Leben“, sagt die Expertin Ulrike Bolsinger. Vorausgesetzt, man geht sorgsam damit um. Das heißt, nach dem Backen bürstet man es mit einem feinen Pinsel ab, keinesfalls wird es gespült! Denn im Wasser stellen sich die Holzfasern auf, das Model wird rau. Hartnäckige Teigreste lässt man antrocknen und kratzt sie dann mit einer feinen Nadel ab. Einölen verbietet sich auch, denn dadurch wird das Model klebrig und Mehl und Teig setzen sich dann erst recht hartnäckig darin fest.

Zu Susanne Brenners "Durchgekaut" geht es hier.

Springerle-Backen - Model, Springerle und Backutensilien
Schnitzwerkzeuge in großer Zahl - Detail aus dem Atelier von Ulrike Bolsinger
Springerle-Backen - Model, Springerle und Backutensilien
Ulrike Bolsinger
Model und Springerle - das Model muss seitenverkehrt geschnitzt werden und aus Vertiefungen werden Höhen
Arbeitsschritte bei der Herstellung von Model für Springerle: Vorzeichnen, vorsichtiges Ausheben der Konturen, dann der Feinschnitt
Ulrike Bolsinger sammelt auch alte Model, hier eines mit mehreren Motiven, auch die Rückseite ist gestaltet

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