Spritpreise: Wird der Führerschein bald teurer?

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Die Kraftstoffpreise gehen im Herbst durch die Decke.
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Ein Fahrlehrer aus dem Ostalbkreis muss für rund 1000 Euro mehr im Monat tanken. Wie wirken sich diese Summen auf den Betrieb aus? Kostet der Führerschein bald mehr?

Aalen. An der Zapfsäule geht's aktuell ins Geld. Der Dieselpreis im bundesweiten Durchschnitt kletterte in der jüngsten Zeit auf ein Rekordhoch von 1,555 Euro. Auch der Benzinpreis steigt. Schmerzhaft, für all jene, die ihr Auto oder ihr Motorrad täglich brauchen, um zur Arbeit zu gelangen. Aber wie sieht es in Branchen aus, in denen das Autofahren die Arbeit ist? In Branchen, die täglich so viele Kilometer machen, wie kaum andere? Wie wirken sich die Spritpreise auf Fahrschulen und deren Schülerinnen und Schüler aus?

"Geschockt" war Thomas Riecker, Inhaber von Tom's Driving School in Ellwangen. In seiner Fahrschule unterhält er einen großen Fuhrpark. Und der will betankt werden. Fast 1000 Euro mehr brauche er aktuell monatlich wegen der Spritkosten. 12.000 Euro im Jahr mehr? "Eine harte Nuss" für Riecker.

E-Autos nicht die Lösung

Auch Elektroautos können da nur bedingt helfen. Einerseits, weil auch Strom nicht umsonst ist. Andererseits, weil man um die Fahrstunden im Verbrenner kaum herumkommt. Denn will der Fahrschüler mit seinem Führerschein auch Autos mit Schaltgetriebe fahren, darf er in der Fahrschule nicht ausschließlich Automatikgetriebe fahren. Rund zehn Stunden braucht es dafür mit der manuellen Schaltung, "dann wird eine Schaltkompetenz festgestellt", erklärt der Fahrlehrer. B197 nennt sich diese Form des Führerscheins.

Auch an Heike Hilbig, Inhaberin der gleichnamigen Fahrschule in Leinzell und Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbands Ostalbkreis, gingen die gestiegenen Preise nicht vorbei. "Man denkt sich dabei natürlich auch, was man in der Ausbildung jetzt anders macht." Elektrofahrzeuge kommen bei ihr aktuell nicht zum Einsatz, dafür legt sie Wert darauf, ihren Schülern energiesparendes Fahren beizubringen. Das Auto den Berg hinabrollen zu lassen, zum Beispiel an der roten Ampel den Motor abzustellen oder Apps zu nutzen, um günstige Spritpreise zu finden.

"Ich denke auch wir werden da in etwas hineingedrängt, was wir nicht wollen", sagt Hilbig. In ländlichen Gegenden wie auf der Ostalb kann sie sich schlecht vorstellen, ausschließlich elektrisch zu unterrichten. Auch, weil die Ladeinfrastruktur noch zu wünschen übrig lässt. Fahrstunden also weiterhin im Dieselauto. Schlägt das auf den Preis pro Stunde? "Ja, sicher. Es muss ja umgelegt werden."

Das bestätigt Johann Schill, Inhaber der Fahrschule Abele in Oberkochen: "Kollegen denken schon über Preiserhöhungen nach." Pro Fahrstunde 30, 40 Kilometer fahren? Bei den aktuellen Spritpreisen? Das deckt sich nicht mehr. "Einfach, weil unsere Fixkosten um einiges steigen", schildert der Fahrlehrer. Der B197-Fühererschein ist für ihn zwar "eine gute Sache". Aber auch er betont, dass am Schaltgetriebe in diesem Fall kein Weg vorbei führt.

Nicht das Ende der Fahnenstange

"Das wird schon noch hart für uns", befürchtet Schill. Vor allem junge Menschen vermutet er unter den Leidtragenden. In den Städten komme man vielleicht noch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B. In den ländlichen Gemeinden klappe es ohne den eigenen Roller, das eigene Moped oder das eigene Auto nicht mehr so leicht. "Die auf dem Land machen das begleitete Fahren mit 17 verstärkt", berichtet er. Was seiner Meinung nach helfen könnte? "Dass es für die Gewerbe, die besonders hart getroffen sind, eine besondere Regelung gibt." Denn nicht nur Fahrschulen, auch Transportunternehmen etwa hätten es zurzeit schwierig. Und vermutlich auch noch künftig. "Das ist wahrscheinlich noch nicht das Ende der Fahnenstange."

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