Staatsbürgerlichkeit kann man nicht verordnen

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Jürgen Steck
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Über einen Landkreis und einen Landrat im Dauerkrisenmodus.

Ja, es macht ihm schon noch Spaß, dieser Job als Landrat, so versichert es Dr. Joachim Bläse zumindest auf die entsprechende Anfrage. Schon noch. Das hört sich ein wenig so an, als hätte es schon mehr Freude bereitet, Landrat dieses Ostalbkreises zu sein, der Bläse seit gut zwei Jahren ist. Zwei Jahre im Krisenmodus: Corona, Flüchtlinge, Energie. Und wieder Corona. Es scheint kein Ende zu nehmen. Bläse spricht eigentlich lieber darüber, wie der Ostalbkreis fit gemacht wird, wie Transformationen gelingen, über Innovationsstrukturen, Prozesse, eine schlagkräftige Verwaltung im neuen Landratsamt - den 70-Millionen-Bau will er nicht aufgeben. Aber die Krisen sind da - und sie müssen gemeistert werden. Was auffällt: Bläse, der gern einen jovialen, fast kumpelhaften Ton anschlägt, wird in der Sache deutlicher, klarer: Wenn er schlechte Entscheidungen des Bundes kritisiert, etwa die, aus der Ukraine-Geflüchtete finanziell deutlich besser zu stellen als „normale“ Flüchtlinge. Er spricht sich klar aus für eine Abkehr von der Drei-Häuser-Struktur bei den Kliniken. Er will den Bürgerinnen und Bürgern beim Thema Energiesparen auf die Beine helfen. Und will die Menschen in die staatsbürgerliche Verantwortung nehmen. Menschen, die sich - die Biedermeier-Zeit lässt grüßen - zurückgezogen und das Feld Schreiern und Schwurblern überlassen haben. Das Dauerkrisenmanagement hat den Landrat geprägt: Er greift mehr durch, fordert mehr - und entscheidet, wenn er von der Richtigkeit einer Sache überzeugt ist. Das ist gut. Wenn Bläse es bei all dem gelingt, die Menschen mitzunehmen, dann wird es sogar sehr gut. Das wird nicht einfach. Staatsbürgerlichkeit etwa, die kann man nicht verordnen. Dafür muss man die Menschen begeistern. 

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