Stimmen zu Bläses Klinik-Vorschlag

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Sie liefern die ersten „Stimmen zum Spiel“: Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeister äußern sich zu den Vorschlägen von Landrat Dr. Joachim Bläse in Sachen Kliniken. Grafik: Ricarda Pinzke/Foto: privat; beerkoff – stock.adobe.com)
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Ein großes Klinikum als zentraler Regionalversorger und Gesundheitscampus und -zentren für die Fläche. Was Kommunalpolitiker dazu sagen.

Aalen

Im Bild, das Landrat Dr. Joachim Bläse von der künftigen Kliniklandschaft im Ostalbkreis zeichnet, da gibt es „einen zukunftsfähigen, zentralen Regionalversorger“ mit allem, was ein großes Klinikum haben muss, und zudem mehrere Betriebsstätten in der Fläche: Gesundheitscampus, an denen auch operiert wird, in Mutlangen und Ellwangen sowie ein Gesundheitszentrum in Bopfingen.

Die Sicht in Aalen

„Ich freue mich, dass der Landrat unseren Vorschlag aufgegriffen hat und das Ostalb-Klinikum in die Überlegungen des Landkreises zur Zukunft der Kliniken wieder einbezieht“, sagt der Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting (SPD) - und es sei auch „gut, dass sich der Landrat nun positioniert“ habe. Brütting: „Das war auch an der Zeit.“ In Bezug auf das Ostalb-Klinikum erklärt er weiter, er sei sich „sicher, dass es ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, die vorhandene Infrastruktur weiter zu entwickeln“.

Aus Sicht Brüttings ist es wegen der Größe des Kreises „nach wie vor notwendig, in Mutlangen und Aalen Kliniken anzubieten“. Sollte sich der Kreistag aber für ein neues Zentralklinikum entscheiden, „werden wir sicher einen Standort dafür vorschlagen, denn Aalen muss weiter eine Klinik haben“. Dass das Ostalbklinikum in Bezug auf die Erreichbarkeit derzeit ein Problem hat, das hat Landrat Dr. Joachim Bläse am Dienstag konkret angesprochen. Nach Ansicht Brüttings gibt es aber Möglichkeiten, das Klinikum mit der Bundesstraße zu verbinden. Sollte sich im Kreistag eine Mehrheit für den Vorschlag des Landrates ergeben, einen zentralen Regionalversorger zu bauen, dann sei für Aalen die Priorität eins das Ostalbklinikum. Sollte dieses nicht zum Zug kommen können, „dann werden wir eine weitere Fläche auf Aalener Gemarkung anbieten“, sagt Brütting.

Die Sicht in Schwäbisch Gmünd

Der Schwäbisch Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold hatte schon am Dienstag erklärt, dass Bläses Vorschlag für ihn das „Aus für das Stauferklinikum“ sei. Er wundere sich, hatte Arnold gesagt. Denn der Plan sei gewesen, „dass erst geprüft und ergebnisoffen diskutiert werden soll auch mit den Bürgerinnen und Bürgern“. „Sollen jetzt schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden, rasch vor der nächsten Kommunalwahl“, fragte deshalb der Gmünder Oberbürgermeister. Und ob es das sei, was 170 000 Bürgerinnen und Bürger im Westen wollten. Und „was uns so attraktiv macht für das Umland und die weitere Umgebung wie ein Stauferklinikum mit Spezialisierungen?“ Um dann selbst zu antworten: „Das bezweifle ich.“ Auch hinterfragte Gmünds OB, ob dieser Schritt des Landratsamtes das Aus für die Onkologie in Mutlangen bedeute, „einen Leuchtturm der Region?“ Denn eine Weiterentwicklung hier hieße „die Urologie von Ellwangen nach Mutlangen verlegen wie auch das Darmzentrum von Aalen nach Mutlangen“. Dafür erhielte das Ostalbklinikum andere Bereiche wie etwa die Herzchirurgie. Und nicht zuletzt fragte Gmünds OB, wie das Landratsamt zum Vorschlag von ihm und Brütting stehe mit „zwei starken Kliniken anstelle eines teuren Zentralklinikums im Osten“?

Die Sicht in Bopfingen

Dass es in Bopfingen ein Gesundheitszentrum geben könnte, „das ist für unsere Raumschaft natürlich schon eine Aufwertung“, sagt der Bopfinger Bürgermeister Dr. Gunter Bühler. Allerdings mahnt er eine „differenziertere Betrachtung“ an. „Das wird schon etwas anderes als Mutlangen“, sagt Bühler. Aber der Vorschlag Bläses werde insgesamt dem Anspruch gerecht, „eine ambulante Versorgung in der Fläche“ des Ostalbkreises abzudecken. Bühler, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, hält den Vorschlag von Bläse, „wenn man die Argumente sachlich bewertet“, schon für eine Option, die mehrheitsfähig sein könnte. Sie steht allerdings in Konkurrenz zum Engagement des Schwäbisch Gmünder Oberbürgermeisters Richard Arnold, der sich ja für zwei starke Standorte, Mutlangen und Aalen, ausspricht. Auch sieht Bühler noch Fragen offen, die in den von Bläse vorgeschlagenen vier Regionalkonferenzen geklärt werden müssten. Etwa, wie die Gesundheitscampus und das Gesundheitszentrum ausgestattet sein werden. Grundsätzlich sei er eher ein Verfechter „eines großen Hauses“. In einem solchen sieht Bühler am ehesten die Möglichkeit, hohe Qualität insbesondere bei planbaren Operationen anzubieten. Aber wenn es für andere Vorschläge bessere Argumente gebe, dann müsse man darüber sprechen. Als Bopfinger sei ihm auf alle Fälle wichtig, dass die klinischen Angebote „nicht zu weit im Westen“ sind - denn die B 29 im Osten sei „bekanntlich nicht die beste Straße“.

Die Sicht in Ellwangen

Der Ellwanger Oberbürgermeister Michael Dambacher ist zunächst einmal „froh, dass sich der Landrat positioniert hat“. Der Vorschlag mit dem Regionalversorger und den Gesundheitscampus und Gesundheitszentrum habe „für eine Überraschung“ gesorgt. Was dieser Vorschlag insgesamt und auch für Ellwangen bedeute, das, so hofft Dambacher, „werden die nächsten Wochen und Monate zeigen“. Gut sei es, dass es im Dezember einen Workshop gebe zu diesem Thema, an dem er teilnehmen werde. Dambacher möchte aber noch keine Bewertung vornehmen, was es bedeuten würde für Ellwangen, wenn sich die Kreisrätinnen und Kreisräte für den Bläse-Vorschlag entscheiden würden. „Dazu müssen die Begriffe erst mit Inhalt gefüllt werden“, sagt Dambacher. Und dann sei es wichtig, die Raumschaften mitzunehmen, etwa in den Teilraumkonferenzen. Er werde sich dafür einsetzen, dass es in Ellwangen weiterhin eine basismedizinische Grundversorgung gebe für den ambulanten, aber auch in Teilen für den stationären Bereich. Dambacher ist kein Freund der sogenannten „Zwei-starke-Häuser“-Lösung, für die sich der Gmünder OB engagiert. „Das ist die schlechteste aller Varianten“, sagt er. Zum einen, weil die Fallzahlen in vielen Bereichen nicht erreicht würden. Zum anderen, weil Doppelstrukturen vorgehalten werden müssten. Dem Ellwanger Bürgermeister Volker Grab, zugleich Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag, ist vor allem wichtig, dass die ärztliche Versorgung in allen Raumschaften gewährleistet ist. Dem trage der Vorschlag Bläses Rechnung. Dass es sich mit dem Modell, das der Landrat skizziert hat, um einen Vorschlag handelt, darauf weist Grab hin. „Es gibt auch noch andere Vorschläge“, sagt er - und verweist auf das von Gutachtern und der Klinikleitung empfohlene Modell, das einen Zentralversorger westlich von Aalen mit dem Weiterbetrieb der Ellwanger Virngrundklinik vorsieht - Grabs Favorit. Wichtig sei jetzt vor allem, zu klären, wie die Gesundheitscampus ausgestattet sind. So hält er eine Notfallversorgung von 6 bis 22 Uhr, wie von Bläse vorgeschlagen, nicht für ausreichend. Auch von der „Zwei-starke-Kliniken“-Idee hält Grab nichts. Der Vorstoß der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd und Aalen zu Beginn der Diskussion sei für ihn ein „Schlag ins Gesicht“ gewesen.

Die Sicht in Mutlangen

Dass es mit einem Regionalversorger keine Onkologie mehr in Mutlangen geben wird, davon ist Mutlangens Bürgermeisterin Stephanie Eßwein überzeugt. Bläses Vorschlag sei „schon ein Schlag“, sagt sie. Dennoch wolle sie die Hoffnung nicht aufgeben. Eßwein setzt auf vier Regionalkonferenzen mit Bürgerinnen und Bürgern, die der Landrat angekündigt hat. Die Bürgermeisterin formuliert, was ihr wichtig ist: Geburtshilfe und eine Notaufnahme an 365 Tagen im Jahr, sieben Tagen in der Woche und 24 Stunden am Tag. Und sie wiederholt ihre mehrfach genannten Argumente gegen ein neues Zentralklinikum: „wahnsinnig viel Geld für einen Neubau“, ein Betrag, der dann auf die Kommunen umgelegt werde. Und 15 Hektar Flächenverbrauch.

Die Sicht in Waldstetten

Nachbesserungsbedarf bei der Mutlanger Notaufnahme sieht auch Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold. Die Grundkonzeption mit der Bündelung von Kräften sei zwar stimmig und gehe in die richtige Richtung, ein Knackpunkt sei jedoch die Notversorgung. Die müsse im Gesundheitscampus in Mutlangen 24 Stunden gegeben sein, auch um die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten zu gewährleisten.

Die Sicht im Schwäbischen Wald

„Klar nachteilig“ ist der Vorschlag Bläses für Gschwends Bürgermeister Christoph Hald. Bei einem Zentralklinikum in Essingen sieht Hald eine Erreichbarkeit von 40 Minuten von Gschwend aus, bei einem Zentralklinikum in Aalen eine Erreichbarkeit von 35 Minuten. Dies sei bei einem Notfall „dramatisch“. Dabei bringe auch eine Notaufnahme in Mutlangen nichts, „wenn die Fachabteilung fehlt“. Bläse schlage zwar eine Weiterentwicklung für Mutlangen vor, doch „nicht die, die uns hilft“. Hald schließt deshalb nicht aus, dass sich Bürger aus dem Limpurger Land, aus Welzheim und aus Gschwend, die bislang nach Mutlangen gegangen seien, in Richtung Schwäbisch Hall oder Winnenden orientieren. Dort gebe es heute schon Stimmen, die befürchten, „dass sie nicht mehr nachkommen, wenn Mutlangen wegbricht“.

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