Straßdorfer König inthronisiert

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Kurz nach der Enthüllung der Skulptur reißen die Wolken auf. Eine große Schar von Interessierten kam zur Enthüllung der Figur "Weitblick" von Andreas Futter. Sie ist die zwölfte Station auf den "Wegen zur Kunst".

Andreas Futter hat mit einer Skulptur das zwölfte Werk für "Wege zur Kunst" geschaffen. Was es mit dieser Figur auf sich hat.

Die "Wege zur Kunst" wachsen. Mit Andreas Futters Bronze "Weitblick" ist eine zwölfte "Station" aufgestellt, dynamisch und imposant. In einer Einweihungsfeier, die die Bläser des Musikvereins Straßdorf unter Leitung von Martin Pabst mit einem bunten Melodienstrauß begleiteten.

Baubürgermeister Julius Mihm sieht in Straßdorf einen Ort auf der Suche nach seinem Zentrum. Für eine andere Wahrnehmung des Ganzen sei der Rand wichtig. Hier setze Kunst mit inspirierenden Projekten voller Dynamik Zeichen und Sinnbilder.

Ortsvorsteher Werner Nußbaum bezeichnete voller Stolz Andreas Futters Skulptur als ein Zeugnis der Bildenden Kunst in Gmünd.

Mit dem "Fehrbelliner Reitermarsch", auch als "Kaiser-Wilhelm-Marsch" bekannt, ein Wunsch des Künstlers, wurde der gemeinsame Zug der Gäste auf das weite Feld hinter dem Neubaugebiet gestartet. Das weiß verhüllte, drei Meter hohe Kunstwerk war schon von Weitem zu sehen.

Nach der Enthüllung: Eine kleine untersetzte Gestalt mit kurzen Beinen und einer Krone sitzt auf einem Pferd, die Zügel in der Hand. Typisch für Futters Werk ist die raffinierte Kombination von Profanem, Humor und Hintersinn. Der Gekrönte erscheint auf den ersten Blick stinknormal. Da, wo edle Züge erwartet werden, sitzt eine Knollennase, die auch das Pferd, eher ein Gaul, zu haben scheint. Ein wenig spektakulärer Eindruck, der von des "Königs" kurzen Hosen und Hosenträgern unterstrichen wird.

Andreas Futter denkt aber nicht profan. In seinen Erläuterungen zeichnet er ein Bild durch die Jahrtausende von dem, was das Volk sich unter einem König denkt, mit kühnem Seitenschlag auf heute. "Sitzen wir selbst nicht manchmal auf zu hohem Ross?"

Sitzen wir selbst nicht manchmal auf zu hohem Ross?

Andreas Futter Künstler

Dann die Räder an den Beinen des Pferdes. Gefährlich, wenn sie rollen würden, denn der Sockel ist klein, aber: "Wir sind alle befähigt, durch unser Denken und unsere Fantasie Reisen im Kopf zu unternehmen!"

Die unternimmt der Künstler mit den Zuhörern. In seinem Streifzug durch die Ambitionen von Zukunftsvisionären und Kopfreisenden wie Karl May, Jules Verne, George Orwell und Aldous Huxley landet er bei der Krone, "Corona" in Latein. Die Krone, ein Machtsymbol, das sich aus dem Lichtstrahl um das Haupt von Apollo entwickelte. Dessen Wagen, so Andreas Futter, sei von vier Feuerrössern gezogen worden. Der Straßdorfer Reiter sitze auf einem Ross ohne besonders feurigen Anschein, "aber vielleicht haben wir es hier mit einer ausgetüftelten, schwäbischen Sparversion des Apollo zu tun."

Aus einer 38 Zentimeter großen Bronzeplastik hat Andreas Futter in zwölf Monaten dieses Standbild geschaffen durch Modellieren und Konstruieren. Aus Arbeitsmaterial wie Modelliermasse, Balken und Brettern, Metallstangen, Schrauben, Seil, Plastikbechern, Tortenringen und Gips. Aus handlichen Teilen wurden Negativformen hergestellt, davon Bronzeteile gegossen, diese Stück für Stück zur Skulptur zusammengeschweißt.

Ein weiteres Abbild der Staufer? Keineswegs diese Skulptur, die mit Ausnahme des Kopfes aus rein geometrischen Formen besteht. Ein Gesicht mit überzogenem Gesichtsausdruck, das sich, aus unterschiedlicher Richtung betrachtet, ernsthaft und würdig zeigt. Ein Ross, das grobschlächtig, doch auch zielstrebig und ausdauernd wirkt. Auf jeden Fall kein Staufer, sondern ein aktueller König mit Weitblick, bei dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen und nachzudenken. Weitblick ist gefragt statt Kurzblick, der glaubt, alles sofort zu erfassen.

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