Streicher gefallen mit Vielfalt

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Zweimal hat der Streicherchor des Collegium musicum am Sonntag gespielt.

Der Streicherchor des Collegium musicum präsentiert auf Schloss Kapfenburg ein von der Spätromantik bis in die Gegenwart reichendes Programm.

Der Streicherchor des Collegium musicum hat am Sonntagnachmittag im Konzertsaal auf Schloss Kapfenburg gut gesungen. Gleich zweimal nacheinander, weil Corona bedingt nicht alle Mitglieder auf der Bühne Platz gefunden haben. Und schließlich will ja jede und jeder mal spielen. Zumal Dirigent Manuel Durão ein von der Spätromantik bis in die Gegenwart reichendes abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hatte.

Sanft der Beginn mit Max Regers "Lyrischem Andante", voll Temperament die Zugabe mit John Rutters "The Lord will bless you and keep you". Dazwischen aktuelles Liedgut in neun Sätzen. Jeden hat der 69 Jahre alte Komponist Reinhard Pfundt einem alten deutschen Volkslied gewidmet. Wobei es ihm vor allem darauf angekommen ist, den emotionalen und rhythmischen Gehalt in Klang umzusetzen.

Geigenbögen auf Trab

Das Collegium macht sich unter der zupackenden Leitung seines aus Portugal stammenden Dirigenten mit hörbarer Freude ans Werk. Im Trab touchieren die Geigenbögen die Saiten im ersten Lied "Mit Lust tät ich ausreiten durch einen grünen Wald". Den letzten Ton förmlich hauchend lässt ein Cello die Reiter in den Bäumen verschwinden.

Verschwunden ist in einem anderen Lied "mein Freud"; Grund genug zur traurigen Klage "Ich schell mein Horn im Jammerton". Und tatsächlich klingen die tiefen Streicher fast wie Hörnerklang. Während die Violinen in einem anderen regenschwangeren Lied die Tropfen von den gezupften Saiten perlen lassen. "Sterben ist ein‘ schwere Buß"; Reinhardt Pfundt hat sie mit düsterer Kolorierung fast körperlich spürbar gemacht. Bevor jedoch die Zuhörerinnen und Zuhörer in Depression verfallen, lässt der Streicherchor den "Maien" voll erblühen. Im Geiste dreht man sich im schnellen Walzertakte mit.

Aller guten Dinge sind in diesem Falle "Neun". Der Komponist, der in der ersten Reihe der Interpretation lauscht, scheint zufrieden zu sein. Er applaudiert jedenfalls kräftig mit.

Der Tod eines Freundes hat Giacomo Puccini zu dem kurzen Streicherwerk "Crisantemie" bewegt. Diese traurigen Chrysanthemen stehen in wirkungsvollem Kontrast zu einem nordischen Ohrwurm, den das Collegium musicum im letzten Stück auf die Reise schickt. Das "Präludium" von Edvard Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit". Ohnehin beschert einem die Suite in ihren fünf Sätzen einen höchst angenehmen Melodienreigen. Ihn kostet das Ensemble mit durchaus energischem Zugriff tadellos aus.

Für den ausdauernden Beifall bedankt sich Manuel Durão mit seinen Streichern mit dem gut ins Ohr gehenden Stück "The Lord bless you and keep you" des britischen EKM-Preisträgers 2019 John Rutter.

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