Studierende ackern im Gemüsebeet

  • Weitere
    schließen
+
Vom Gemüsebeet im Hochschulgarten zum Unterricht an der Schule: Biologie-Professor Dr. Hans-Martin Haase arbeitet mit Lehramts-Studierenden an der Pädagogischen Hochschule.

Der Hochschulgarten hat an der PH Schwäbisch Gmünd Tradition. Die Arbeit gehört zur Vorbereitung auf den späteren Schuldienst. Bewusstsein für die Natur schaffen.

Schwäbisch Gmünd

Die englische Gartenikone und Schriftstellerin Vita Sackville-West hielt nie etwas vom "Grünen Daumen", sondern war immer der Ansicht, "dass jeder Finger mit der Gehirnzentrale" in Verbindung sein muss. "Wir können uns nicht unbeschwert von jeglichem Wissen auf optimistische Instinkte verlassen." Das Wissen um Garten und Gärtnern nimmt die Pädagogische Hochschule ernst. Künftige Lehrerinnen und Lehrer hacken, graben und pflegen deshalb mit Professor Dr. Hans-Martin Haase im Hochschulgarten. Ihr Wissen sollen sie im späteren Unterricht weitergeben.

Und das aus gutem Grund: "Die Kinder sollen vor allem erfahren, was bei uns wächst, zu welcher Zeit welche Früchte zur Verfügung stehen", sagt Dr. Hans-Martin Haase. Die Supermarkt-Generation habe dieses Wissen verloren, weil Tomaten oder Erdbeeren auch im Winter im Regal stehen. "Es geht um die Nachhaltigkeit, um den Verzicht auf lange Transportwege."

Schüler sollten die Vorzüge erfahren, die regionale Produkte mit sich bringen. Und sie sollten die Erntezeit der Früchte erleben. "Wir können im Juni frische Erdbeeren und Kirschen genießen, im Juli die Beerensträucher abernten, im Frühherbst Äpfel, dann haben wir genug Geschmack für ein ganzes Jahr mitgenommen", so der Biologie-Professor. Die dauernde Verfügbarkeit aller Gemüsesorten und aller Früchte, das sagt er auch Studierenden bei ihrem Einsatz im knapp zehn Ar großen Hochschulgarten, entferne die Menschen von nachhaltigem Verhalten.

Der Hochschulgarten an der PH Schwäbisch Gmünd ist Experimentierfeld und ästhetischer Genuss in einem. Auf den ersten Blick bleiben die Augen an vorbildlich angelegten Nutzgärten hängen. Ein umlaufendes Beet am Grundstücksrand gehört aber den Sommerblühern, allen voran den Rosen. Aber auch Frauenmantel und voll blühender Lavendel machen sich dort breit. Diese Beete sind so gepflegt, dass "an der Stelle heute nicht so viel Arbeit wartet", sagt Hans-Martin Haase.

Die richtigen Handgriffe

Dafür im Gewächshaus. Trotz ausreichendem Abstand gilt auch dort wie auf dem ganzen Gelände die Mundschutz-Pflicht. Die Studierenden brauchen nur noch Tipps, welche Arbeiten jetzt wichtig sind. Für die Radieschen ist Erntezeit, die müssen raus. Dr. Hans-Martin Haase zeigt auf ein Endivienpflänzchen, vor einer Woche gepflanzt und schon fast zu einem prächtigen Salatkopf gewachsen. Und er zeigt auf die Tomatenpflanzen, die Pflege nötig haben. Die Studierenden gehen gleich ans Werk, sorgen mit dem Ausgeizen für gutes Wachstum und bessere Tomatenernte.

Es geht auch um die Nachhaltigkeit.

Dr. Hans-Martin Haase Professor für Biologie und ihre Didaktik

Professor Dr. Hans-Martin Haase schätzt den Hochsommer im Lehr- und Lerngarten. "Anders als zu Beginn des Semesters können Studierende jetzt selbstständig arbeiten." Zu Beginn des Sommersemesters ist das oft anders, viele haben keine Gartenkenntnis, der Umgang mit Dreizack, Schaufel, mit Setzling und Wildkraut will erst gelernt sein. "Wie das richtige Gießen", so Hans-Martin Haase. Ist es zu nass, kommen die Schnecken, ist es zu trocken, leiden die Pflanzen ebenfalls. Jetzt im Hochsommer ist laufend Erntezeit.

Die Erträge werden auch gemeinsam konsumiert. Am Ende dieses Arbeitstags gibt es Radieschen und Quark, den hat Hans-Martin Haase im Gepäck. Schon geerntet sind die Johannisbeeren. "Die habe ich zuhause zu Gelee verarbeitet, das bringe ich nächstes Mal mit", sagt er.

Die Ernte geht weiter, Tomaten sind jetzt ständig reif, Zucchini ebenfalls. Dazwischen Salat und später die Kartoffeln. Sie wollen jetzt noch etwas gepflegt werden, zwischen den Pflanzreihen wird die Erde mit dem Dreizack gelockert. Der Gartenrundgang führt auch zu Hochbeeten aus Holz, hier mit allerlei Heilpflanzen und Kräutern bedeckt. Die Calendula ist noch in voller Blüte, aber auch Salbei, Johanniskraut, Majoran oder Apfelminze stehen dort.

Besondere Teichpflege

Einen Schritt weiter wird das Summen lauter. Die Bienenstände erreichen jetzt die höchste Population. Darum kümmert sich aktuell Timo Waskow, Masterstudent an der PH. Und um die benachbarten Teiche mit meterhohem Schilf kümmert sich bald ein Gartenbaubetrieb. Die Teiche samt anliegender Holzterrassen sind in die Jahre gekommen, würden bald zum Moor.

Dort investieren jetzt Hochschule und das Amt für Vermögen und Bau. Rund 15 000 Euro soll es kosten, den Bereich zu sanieren.

Mehr zum Thema

Anpflanzen, Pflegen und Ernten wollen gelernt sein.
Gemüse, Heilpflanzen und Blumen bereichern den Garten.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL