Stumpfe Gewalt und tödlicher Tritt: Mordanklage im Fall des zu Tode gequälten Jungen

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Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunther Bühler entzündet an Allerheiligen 2022 in Aufhausen eine Kerze bei der Trauerfeier.
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Staatsanwaltschaft Ellwangen erhebt im Fall des im Oktober 2021 in Bopfingen-Aufhausen zu Tode gequälten 23 Monate alten Jungen Mordanklage gegen 33-Jährigen - und nennt Tatdetails.

Ellwangen/Bopfingen

Die Nachricht, dass ein 23 Monate alter Junge in Bopfingen-Aufhausen zu Tode gequält worden ist, hat Ende Oktober 2021 Menschen im gesamten Ostalbkreis und darüber hinaus erschüttert. Als Tatverdächtigen hatte die Polizei den 32-jährigen Lebensgefährten der Mutter schnell ermittelt und auf Antrag der Staatsanwaltschaft landete der Mann am 22. Oktober 2021 in Untersuchungshaft.

Nun teilt die Staatsanwaltschaft Ellwangen mit, dass sie „gegen einen 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Ansbach Anklage zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellwangen wegen Mordes und Misshandlung von Schutzbefohlenen erhoben“ hat.

Fassungslosigkeit und Entsetzen prägten die Stimmung in Bopfingen damals. In einer öffentlichen Trauerfeier hatte die Stadtverwaltung Menschen Gelegenheit gegeben, ihre Anteilnahme auszudrücken. Spekulationen schossen ins Kraut, denn die Staatsanwaltschaft wollte zum damaligen Zeitpunkt keine konkreten Angaben darüber machen, wie das Kind zu Tode kam.

Martyrium für wehrloses Kind

In einer Pressemitteilung gibt die Staatsanwaltschaft nun erstmals tiefere Einblicke, welch schreckliche Dinge geschehen sind. Der Angeschuldigte stehe im dringenden Verdacht, zwischen Anfang September 2021 und dem 21. Oktober 2021 in Bopfingen-Aufhausen einem knapp zweijährigen Jungen „eine Vielzahl multipler Verletzungen“ zugefügt zu haben, heißt es darin. Die Staatsanwaltschaft spricht hier von „stumpfer Gewalt gegen sämtliche Körperteile“ sowie von „Bisswunden“.

Außerdem soll der Angeschuldigte ein bis zwei Tage vor dem 21. Oktober 2021 dem Kleinkind einen heftigen Tritt in den Bauch versetzt haben. Dieser sei so brutal gewesen, dass eine Darmschlinge und das Bauchfell des wehrlosen Kindes aufrissen, was zu inneren Blutungen und letztlich zum Tod des Jungen geführt haben soll.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter schreibt, hat der Angeschuldigte mit der Mutter des Kindes eine Beziehung geführt und dabei den kleinen Jungen regelmäßig betreut. Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Fall „von den Mordmerkmalen grausam und sonst niedrigerer Beweggründe“ aus.

Der Angeschuldigte soll dem Kind, das erst am Abend des 21. Oktober 2021 das Bewusstsein verlor, „durch den mutmaßlich tödlichen Tritt und die weiteren Misshandlungen unverhältnismäßig starke Schmerzen und Qualen zugefügt haben“.

Weiter geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeschuldigte so handelte, weil ihn sein „Opfer an dessen von ihm verhassten leiblichen Vater erinnerte, und er seinen Hass auf den kleinen Jungen projizierte“.

Seit der Angeschuldigte in Untersuchungshaft sitzt, schweigt er. Er mache bislang von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, nennt das die Staatsanwaltschaft.

Im Falle einer der Anklage folgenden Verurteilung drohe dem Mann eine lebenslange Haftstrafe, endet die Pressemitteilung.

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