Summer Breeze: Vom Bauwagenfest zum Riesending

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Vor 25 wurde in Abtsgmünd das „Summer Breeze“ geboren. Im Bild das Festival in Dinkelsbühl 2019. Foto: Silverdust
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Vor 25 Jahren hob Achim Ostertag in Abtsgmünd das „Summer Breeze“ aus der Taufe. Im Interview erzählt er von den Anfängen, Widerständen und Bands, an deren Buchung er scheiterte.

Dinkelsbühl

Seit 25 Jahren ist das Musikfestival „Summer Breeze“ ein Magnet für Metalfans in Süddeutschland. Im Jahr 1997 mit einigen Hundert Besuchern in Abtsgmünd gestartet, feiern seit 2006 Zehntausende auf dem Flugplatz in Dinkelsbühl vier Tage lang. Der gebürtige Abtsgmünder Achim Ostertag hat das Festival gegründet. Im Interview spricht er über die Anfänge, Widerstände, Black-Metal-Bands im Aalener Limeshotel und das Müllproblem.

Herr Ostertag, auch das „Summer Breeze“ hat in Abtsgmünd klein angefangen. Erzählen Sie doch mal.

Achim Ostertag: Ich bin ein Ur-Abtsgmünder, sozusagen gegenüber des ehemaligen Veranstaltungsgeländes im alten Krankenhaus geboren. Auf dem ursprünglichen Festivalgelände stand unser Bauwagen, da haben wir uns jeden Tag getroffen, deswegen war die Wahl des Ortes für uns immer klar.Unsere Clique hat damals immer mal wieder Partys geschmissen oder auch ein kleines Konzertle mit einem Heuwagen auf die Beine gestellt. Auch mit unserer Band „Voodoo Kiss“ haben wir unsere Konzerte selbst organisiert. Irgendwann dachten wir, da könnten wir doch was Größeres machen. Wir haben bei der Lammbrauerei in Untergröningen nachgefragt, was wir denn alles so brauchen: ein Zelt, eine Bühne, einen Ausschank mit Durchlaufkühler. Den Klowagen holten wir von zwei Vereinen. Ich habe die Liste mit den Kosten noch, das waren so zehn, zwölf Punkte. Also sehr überschaubar.

Gab es damals Gegenwind? Ausgerechnet ein Metal-Festival?

In den ersten beiden Jahren im Zelt sind wir noch ziemlich unter dem Radar geflogen. Erst als wir es als Open Air veranstaltet haben, ging ein bisschen eine Diskussion los. Wir waren aber eine metalgeprägte Jugend, viele hatten damals so ein Shirt im Schrank. Ich glaube, viele Abtsgmünder hatten da schon Berührungspunkte.

Aber ganz ohne Konflikte ging es nicht ab, oder?

Klar, je größer das Ding wurde, vor allem dann 2001 mit 6500 Besuchern gab es viele Stimmen. Aber nicht nur negativ. Es waren einfach viele überrascht, dass es plötzlich so ein riesen Festival in Abtsgmünd gibt.

Ihr selbst wahrscheinlich am meisten.

Schon das erste Open Air im Jahr 2000 mit knapp 2000 Leuten war schon überraschend. Und dann 2002 über 10 000 Gäste, das war der Knaller. Das konnten wir selbst kaum glauben, ein unfassbares Gefühl.

Manche sagen ja, früher in Abtsgmünd war's halt noch ein schönes „Summer Breeze“. Warum musste es so groß werden?

Naja, das ist da oft so. Wenn man eine Band entdeckt und die vor 200 Leuten in einem kleinen Club erlebt, ist das natürlich spezieller als in der Schleyerhalle. Ich habe auch mal gesagt, mehr als 20, 25 000 Leute wird das Festival nie haben, weil dann der komplette Flair verloren geht. Klar ist aber: Man wird von den Ausgaben eingeholt und muss schauen, wie man das wieder reinholt. Mittlerweile hängt ja eine große Firma dran mit knapp 20 Mitarbeitern. Ich denke aber, wir haben es ganz gut geschafft, den familiären Flair trotz 40 000 Besuchern zu erhalten.

Wie schwer war es, an die Bands zu kommen? Gibt es eine, die ihr nie gekriegt habt?

Leider ja, „Type O Negative“ war ja Namensgeber unseres Festivals mit ihrem 70er-Jahre-Song „Summer Breeze“. Das war einfach damals unsere Band und ich habe jedes Jahr angefragt. Leider hat das nie geklappt und weil der Sänger vor über zehn Jahren gestorben ist, wird das auch nix mehr. Auch Pantera, ebenfalls ein Favorit in unserer Clique, hat nie sollen sein.

Gab es Bands, deren Einladung Sie bereut haben?

Namen werde ich hier nicht nennen. Aber klar, manche benehmen sich nicht gut, manche funktionieren mit unserem Publikum nicht. Aber selbst da kann man, wenn es ein, zwei neue Platten gibt, meistens noch eine Chance geben. Wenn es aber politisch in die rechte Richtung geht, gibt's gar keine Diskussion.

Das wird ja vor allem der Black-Metal-Szene hier und da nachgesagt.

Wir sind da vorsichtig und schauen sehr genau drauf. Rechtes Gedankengut und Homophobie hat bei uns nichts verloren. Bei uns ist jeder willkommen und diese Einstellung erwarten wir auch von jedem, der am Breeze teilnimmt.

Gibt es Momente, an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Einmalig sind immer die ersten Abende beim ersten Headliner, wenn der Platz voll ist. Das ist jedes Mal unglaublich, da zu stehen und zu denken: Das ist unser kleines Summer Breeze. Darauf freue ich mich auch jetzt wieder ganz besonders.

Weitere Beispiele?

Als wir 2002 zum ersten Mal „Dimmu Borgir“ gebucht hatten, brachten wir sie im Hotel bei den Limesthermen unter. Damals noch mit Doppelzimmer. Die Band hatte eine so gute Party, dass sie in einem Zimmer das Doppelbett ab- und im anderen wieder aufgebaut haben, so dass sie zu viert im Zimmer schlafen konnten. Heutzutage kommt kaum eine Band, wenn es keine Einzelzimmer gibt. Richtig schön ist es auch immer, wenn Anwohner kommen. In Abtsgmünd meinte mal ein knapp 90-Jähriger, er habe zwei Weltkriege mitgemacht, jetzt gehe er aufs „Summer Breeze“. Er blieb dann echt den ganzen Tag und fand das super. Diese Offenheit ist grandios und die spüren wir zum Glück auch in Dinkelsbühl oft.

Wie kam der Umzug nach Dinkelsbühl zustande?

Das war 2006, als in Abtsgmünd das Gelände zu eng und das Camping-Areal zum Baugebiet wurde. An anderen Stellen in Abtsgmünd war es leider nicht umzusetzen. Dann versuchten wir es in Eschach, wo es aber Vorbehalte gab, vor allem wegen der Texte mancher Bands, genauso in Gaildorf. Dann haben wir geschaut, welche Flugfelder in der Region gibt es denn? So kamen wir auf Dinkelsbühl. Schöne Altstadt, das passt perfekt zu uns. Die Stadt hatte auch schon Festivalerfahrung. Oberbürgermeister Christoph Hammer hat das in zwei Wochen durchgebracht, das war sensationell. Das hat vom ersten Tag an perfekt gepasst.

Bei Festivals fällt viel Müll an. Welche Konzepte verfolgt ihr da?

Beim Thema Umweltschutz kann es keine zwei Meinungen geben. Da muss jeder seinen Teil beitragen. Bei uns fällt tatsächlich viel Müll auf dem Platz an, der als Restmüll entsorgt werden muss. Die Mülltrennung funktioniert leider noch nicht so richtig. Bei den Bechern haben wir schon lange ein Pfandsystem mit Mehrwegbechern, die gespült werden. Bei den Essensständen gibt es kein Plastik mehr, sondern nur noch Holz und Pappe. Für alle Händler haben wir große Müllstationen, wo alles getrennt werden muss, Verstöße werden da richtig teuer. 2019 war hinsichtlich des Mülls ein super Festival, die Gäste haben toll mitgeschafft. Ich denke, wir sind da auf einem ganz guten Weg.

Zum 25-Jährigen gibt es ein Revival eurer Band „Voodoo Kiss“. Wie kam's denn dazu?

Wegen der Band wurde das Festival im Prinzip ja 1997 gegründet. Also dachten wir, wir machen dieses Mal einen Revival-Tag mit alten Bands der ersten beiden Jahre. Ich habe allerdings 22 Jahre kein Schlagzeug mehr gespielt und das dann eine Weile vor mir her geschoben. Jetzt proben wir aber seit Januar, haben acht Songs im Gepäck und ich denke, wir werden uns nicht blamieren.

Tageskarten fürs „Summer Breeze“

Tageskarten für Mittwoch zum Preis von 69,90 Euro und für Donnerstag, Freitag und Samstag sind in Form von E-Tickets für 79,90 Euro erhältlich und zwar online unter www.summer-breeze.de/de/tagestickets/

Außerdem wird es Tageskarten in limitierter Stückzahl an den Tageskassen vor Ort am jeweiligen Tag geben, wenn das Festival nicht vorzeitig ausverkauft ist. Die Tageskassen öffnen jeweils um 10 Uhr und sind bis 22 Uhr geöffnet. Zwischen 22 Uhr und 24 Uhr findet der Verkauf an den Fahrzeugschleusen statt. Das Parken ist im Ticketpreis nicht enthalten. Campen in Verbindung mit einem Tagesticket ist nicht möglich.

Vor 25 wurde in Abtsgmünd das „Summer Breeze“ geboren. Im Bild das Festival in Dinkelsbühl 2019. Foto: Silverdust
Es gibt ein Revival der Band "Voodoo Kiss".
Achim Ostertag Foto: Silverdust

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