Tatort Ostalb: drei Heimatkrimis

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Drei Kriminalromane, die auf der Ostalb spielen, sind in jüngster Zeit erschienen. Grafik: Carmen Apprich
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Gleich drei ermittelnde Figuren sind momentan auf der Ostalb unterwegs. Was die Autorinnen und den Autor antreibt, was Wahrheit, was Fiktion ist und warum Recherche wichtig ist.

Sie klären am liebsten Morde vor unserer Haustüre auf. Oder helfen zumindest dabei. Die Journalistin Ira Sander, der Ex-Polizist und Privatdetektiv Paul Pfanne und die Kriminalkommissarin Eva Brenner. Persönlich beim Einkaufen treffen können die Fans mörderischer Geschichten diese Personen nicht – alle drei sind Figuren, die Autoren aus der Region erfunden haben.

Angefangen mit Anja Jantschikund Ira Sander.

2006 konnten Leser die unkonventionelle Journalistin Ira Sander erstmals begleiten, als sie beim "Mord zwischen den Zeilen" gleich über mehrere Leichen stolpert. "Ich bin Krimifan und wollte einen Krimi von der Ostalb schreiben", sagt Anja Jantschik, warum sie Autorin fiktiver Geschichten wurde. "New York, Marseille, das sind Orte, die kann ich nicht nachvollziehen", sagt Jantschik, selbst freie Journalistin und damit schon von Haus aus Expertin für ihre Figur. "Witzige Sachen, die ich auf Terminen erlebe, und die man im Artikel nicht schreiben kann, die landen schon mal im Buch", erklärt sie. Und die Geschichten, die sie um den Plot "drum herum stricke", die seien durchaus aktuell. Mal ist das der Gmünder Tunnel, mal die Landesgartenschau. "Ein wenig Heimatkunde auf witzige Art." Zur Wiederholungstäterin wurde Jantschik auch, weil sie auf den Presseterminen, über die sie selbst schreibt, immer wieder darauf angesprochen wurde, wann denn nun der nächste Krimi erscheint. "Das ist meine Motivation", so die gebürtige Mutlangerin, die selbst kaum Krimis liest, wie sie gesteht. Ausnahme: Agatha Christie. "Da bin ich schon Fan, seit ich zehn Jahre alt war." Auch Jantschik will, dass die Leser ihrer Bücher etwas zu lachen haben. "Das ist ja die Herausforderung", sagt sie. Hilfreich sei da, dass ihre Hauptfigur bei Weitem nicht perfekt sei. Wenn diese etwa beim Einkaufen vor zehn statt nur einer Sorte Haferflocken stehe, was eine Entscheidung schwer mache, dann könnten sich Leser darüber amüsieren. "Viele sagen mir nach dem Lesen: Das ist mir auch schon passiert."

Identifikation ist Trumpf bei Jantschik, auch, weil sie in der Region schon immer zuhause ist. "Eigentlich kenne ich jeden Feldweg", sagt sie. "Und wenn ich mir nicht sicher bin, rufe ich an." Albverein oder Bergwacht, die Polizei oder andere Experten. "Da renne ich offene Türen ein." Und dass auch ein wenig Anja Jantschik in Ira Sander steckt, verneint sie nicht. "Ja, auch ich brauche mindestens drei Kaffee, bis ich überhaupt anlaufe."

Ich wollte mal etwas Episches schreiben.

Wolfgang Schnee Krimiautor

Bereits zum neunten Mal bringt Jantschik ihre Ira Sander auf Trab. Diesmal in "Klopfzeichen". Der Krimi ist im Juli im Einhorn-Verlag erschienen.

Ebenfalls unter die Krimiautoren gegangen ist Wolfgang Schnee mit seiner Figur Paul Pfanne.

Schnee, pensionierter Lehrer aus Fachsenfeld, der Deutsch, Geschichte und Philosophie am Kopernikus-Gymnasium Wasseralfingen unterrichtet hat, hat zwar schon Theaterstücke geschrieben – aber mit "Mordpartner" beschreitet er neue Wege. "Ich wollte mal etwas Episches schreiben", erklärt er. Es hätte auch was anderes sein können. Aber meine Frau hat gesagt: Schreib doch mal einen Krimi." Er selbst lese gar nicht so viele Bücher aus diesem Genre. "Daher kommt es nicht", sagt er. Auf Schnees Lektüreliste steht das "was ein Deutschlehrer eben so liest – vom griechischen Theater bis zu neuer Literatur."

Auch Schnee hat sich die Ostalb als Tatort ausgesucht, weil er hier zuhause ist, wie er sagt. "Da sollte schon ein wenig Lokalkolorit drin sein." Dass Paul Pfanne für Ortskenner unweigerlich auch an den "Pfannenstiel" denken lässt – laut Schnee reiner Zufall. "Das hat nichts miteinander zu tun." Der Name des Detektivs habe einfach frisch und lustig klingen sollen. Nur in den Details des Krimis stecke Reales, alles andere sei Fiktion.

Ein wenig Heimatkunde auf witzige Art und Weise.

Anja Jantschik Krimiautorin

Ebenso die Spielorte, die nicht alle authentisch sind, "die aber wahre Orte sein könnten", so Schnee. Erfunden sei beispielsweise der Thannerhof in Aalen, der eine wichtige Rolle spiele, und der natürlich Ähnlichkeit habe mit den Aussiedlerhöfen, die es um Aalen gibt. Recherchiert habe er für den Krimi aber auch in mehreren Stuttgarter Stadtteilen. Er wisse, dass es Leser gebe, "die genau nachschauen, ob das auch alle stimmt", so der Autor weiter. Für solche Leser sei der Erstling aber nicht geschrieben. "Hauptanliegen war, einen kompakten, flotten Krimi zu schreiben.".

Publiziert hat Schnee Pfannes ersten Fall im Eigenverlag. Nachdem er sich mit früheren Versionen an Verlage gewendet hatte und bis zu einem halben Jahr auf Antwort wartete.

Bereits zum zweiten Mal ermittelt Tanja Roths Kriminalkommissarin Eva Brenner auf der Ostalb.

Bekannte hatten mir von diesen Gängen erzählt.

Tanja Roth Krimiautorin

"Remsmord" heißt der neue Krimi. Die erste Leiche liegt in einem historischen Fluchtgang in Schwäbisch Gmünd. "Bekannte hatten mir vor langer Zeit von diesen Gängen erzählt, die sie in der Kindheit wohl selbst begangen haben", sagt die Autorin, die in Gmünd studiert hat, aber heute im Stuttgarter Raum lebt. Bei der Recherche zu den Fluchtgängen sei sie nicht weitergekommen. "Es gibt allerdings an dieser Stelle der Rems Bunker und stadteinwärts tatsächlich einen Fluchtgang aus dem 15. Jahrhundert, der hin und wieder, etwa am Tag des offenen Denkmals, begehbar ist", weiß die Autorin.

Immer wieder hat Tanja Roth in der Region recherchiert. Mal war sie zum Wandern auf der Ostalb, mal hat sie Freunde oder Familie besucht. "Wenn mir etwas Interessantes auffällt, mache ich mir immer sofort Notizen." Generell dauere so eine Recherche meistens mehrere Wochen, umfasse dann aber auch einschlägige Literatur und Gespräche mit Polizisten oder anderen Personengruppen, wie eben bei komplexeren Themen wie der Bandenkriminalität.

Unterwegs ist Eva Brenner diesmal auch in der Rockerszene bei Ellwangen. Nicht von ungefähr. Tanja Roth hört gerne Rockmusik, hat Freunde die Motorrad fahren und war früher öfter auf dem Igginger Motorradtreff. Die Kluft zwischen den friedlichen Fahrern und anderen Gruppen habe sie interessiert. Und bei einer Leserunde habe sie die Erfahrung gemacht, dass Leser gut einschätzen könnten, welche Vorkommnisse frei erfunden sein könnten. Bei einem Stoff wie Bandenkriminalität höre man bei der Recherche auch Dinge, die man nicht schreiben könne. "Also erfindet man andere, die in den Kontext passen."

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Drei Kriminalromane, die auf der Ostalb spielen, sind in jüngster Zeit erschienen. Grafik: Carmen Apprich
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