Tattoofarbenverbot: Tätowierer sehen schwarz 

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Farblose Zeiten: Tätowierer können aktuell nur in Schwarz und Grau tätowieren.

Seit 4. Januar dürfen Tätowierer keine Farben mehr verwenden. Grund ist ein europaweites Verbot. Was zwei Tätowierer aus der Region dazu sagen. Von Vera Mack

Aalen

Tätowierer hatten es in den vergangenen Jahren nicht gerade leicht: Zuerst mussten sie während der Corona-Pandemie monatelang schließen, nun sorgt das europaweite Tattoofarbenverbot für Frustration. „Durch das Verbot fällt bei uns erst einmal ein Viertel der Kunden weg“, erklärt Dario Mangieri, Mitarbeiter im „Gold & Silver Tattoo Studio“ in Schwäbisch Gmünd.

Warum werden die Farben verboten? Grund dafür ist die sogenannte Reach-Verordnung. Reach steht übersetzt für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.

Durch diese Verordnung werden bestimmte Farben aufgrund der enthaltenen Pigmente und Konservierungsstoffe verboten. Laut Echa, der Europäischen Chemikalienagentur, stehen die Pigmente im Verdacht, Hautallergien auszulösen oder krebserregend zu sein.

Wir müssen alle Farben, die wir bereits gekauft haben, wegwerfen.“

Michael Lühmann, Tätowierer

Die alten Farben dürfen somit seit dem 4. Januar nicht mehr verwendet werden und müssten eigentlich entsorgt werden. Lediglich zum Üben auf Kunst- oder Schweinehaut darf man die Farben laut Verordnung noch verwenden. „ir müssen alle Farben, die wir schon gekauft haben, wegwerfen  und bekommen keine Entschädigung dafür“, ärgert sich etwa Michael Lühmann, Inhaber von Micha's Tattoo und Piercing Studio in Aalen. Bis vor Kurzem hat er die Farben noch unter die Haut seiner Kunden gestochen. Jetzt würden diese Farben beim Entsorgen sogar wie Gefahrgut eingestuft werden, sage Lühmann. 

Momentan gebe es in Deutschland nur zwei Hersteller, die zumindest schwarze und graue Farben verkaufen, mit denen die Tätowierer arbeiten dürften. „Die Qualität der Farben ist sehr gut, da diese Farben, meines Wissens nach, auch schon vorher dem Standard der Reach-Verordnung entsprochen haben. Diese Farben benutzen wir schon lange“, erklärt Dario Mangieri. Jedoch habe einer der beiden Hersteller schon jetzt extreme Lieferengpässe, sagt der Tätowierer aus Schwäbisch Gmünd.

Aber es gibt Hoffnung. Denn wie Michael Lühmann berichtet, sollen mehrere Firmen angekündigt haben, Ende Januar eine Farbpalette mit 60 bis 70 neuen Farbtönen, die der EU-Verordnung entsprechen, auf den Markt zu bringen. Dies bestätigt auch Mangieri, jedoch gebe es ein Problem: „Man bekommt von keinem dieser Hersteller irgendein offizielles Datenblatt oder Zertifikat, dass die Farben wirklich Reach-konform sind.“ Und auch Lühmann ist sich nicht sicher, ob die neuen Farben eine gute Qualität haben werden. 

„Wir haben zwar ab Mitte Februar wieder Termine mit Farbe angesetzt, wissen aber bis jetzt noch nicht, ob wir bis dahin schon Farben haben, oder ob die Termine verschoben werden müssen“, fügt Mangieri hinzu.

 Europaweite Petition: Die letzte Chance, das Verbot zu kippen, ist die europaweite Petition „Save the pigments“ – eine Petition auf deutscher Eben zum Erhalt der Farben ist bereits gescheitert.

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