Taucht Amor auf, wird wild gefächert

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Herr Orgon und Mario amüsieren sich sitzend über das Verwirrspiel, das sie inszenierten. Von links: Dirk Weiler als Herr Orgon, Alice Hanimyan als Lisette, Martin Maecker als Mario und Natanaël Lienhard als Harlekin.
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Charmant, gekonnt, spaßig und voller Liebe – Regisseur Philipp Moschitz' Inszenierung des Marivaux-Stücks "Das Spiel von Liebe und Zufall" lässt keine Wünsche offen.

Sehnen Sie sich in dieser bleiernen Corona-Zeit nicht auch nach ein wenig Leichtigkeit, nach Frohsinn und kultureller Unterhaltung? Auf nach Schwäbisch Hall! Wie Regisseur Philipp Moschitz dort die wohl bekannteste Komödie von Pierre Carlet de Marivaux, "Das Spiel von Liebe und Zufall", auf die Treppe drapiert, das ist absolut sehenswert. 105 Minuten großartige, sehr unterhaltsame Alltagsflucht.

Es geht um Irrungen und Wirrungen der Liebe. Um Standesdünkel, um Rollenbilder, die Kraft der Liebe, um das, was wirklich zählt. Und was de Marivaux da um 1730 zu Papier brachte, hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Das wird auch offenbar, weil Sigrid Behrens den Text, wo nötig, großartig ins Hier und Jetzt geholt hat.

Der Plot ist rasch erzählt. Silvia von hohem Stande (Martina Lechner) mag den ihr von Papa Orgon (Dirk Weiler) zugedachten, nicht minder edlen Gatten nicht unbesehen einfach so ins Herze schließen. Ergo schlüpft sie zur "Vorab-Incognito-Bräutigam-Materialprüfung" – Ist es wahre Liebe oder schnöder Mammon? – in die Rolle ihrer Zofe Lisette (Alice Hanimyan).

Noch spaßiger wird das alles, weil Dorante (Patrick Nellessen), der Göttergatte in spe, die gleiche Idee hat und seinen Diener Harlekin (Natanaël Lienhard) als temporären Edelmann an seiner Stelle ausstaffiert.

Es kommt, wie es kommen muss. Die vermeintliche Dienerschaft verfällt einander ungewollt ebenso, wie die beiden Edlen auf Zeit. Bescheid über die Maskerade wissen von Anfang an nur Vater Orgon und Silvias Bruder Mario (Martin Maecker). Vater und Sohn inszenieren die Verwechslungskomödie, verfolgen diese amüsiert und greifen erst dann ein, als Verwirrungen und Zufälle das kollektive Happy-end aufs Spiel setzen.

Ein feines Ensemble

Regisseur Philipp Moschitz reicht ein spartanisches Bühnenbild. Sechs grellgelb gestrichene Podeste, etwas Licht und ein 1,50 Meter langes "Corona-Abstands-Baguette", das humorvoll multifunktional genutzt wird.

Die sechs Akteure trippeln in bunten Kostümen, irgendwo zwischen Absolutismus und Teletubbies, die Treppe rauf und runter. Orgons Lachen ist genauso lustig wie sein Männerkleid. Geküsst wird – ganz corona-gemäß – nur durch Plastikfolie und Ohrfeigen und Umarmungen gibt's samt und sonders nur mit "ABSTAND", wie das Ensemble immer wieder kollektiv lautstark eingreift, kommen sich zwei zu nahe. Überhaupt, wird's etwas amourös und heißer, wird kollektiv um die Wette gefächert.

Wer nur wenig Beiwerk hat, muss auf seine Akteure vertrauen. Und das kann Regisseur Philipp Moschitz getrost. Großartig spielt das Ensemble, jeder Einzelne verbreitet starke Präsenz. Die gemeinsamen Gag-Gesten, wenn es mal kurz klamaukig wird, sitzen synchron. Die Worte sind ohnehin geschliffen, charmant und geistreich.

Und singen können die vier Männer und zwei Frauen da oben. Respekt. A-Capella gibt es Queens "Bohemian Rhapsody", "We found love" von Rihanna und zum Schluss natürlich "All you need is love" der Beatles. Recht haben sie, die Pilzköpfe, Pierre Carlet de Marivaux und die Botschafter der Liebe auf der Haller Treppe.

Das Stück "Das Spiel von Liebe und Zufall",ist zu sehen: 27., -29., 31. August, 1.-3. September, jeweils 20.30 Uhr. Wegen Corona gibt es weniger Plätze als sonst, Zuschauer haben somit in den Rängen genügend Sicherheitsabstand. Tickets gibt es online unter https://www.freilichtspiele-hall.de/service/karten.html.

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