Tiny Houses - wo im Ostalbkreis Platz für sie geschaffen wird und was gegen die Minihäuschen spricht

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Klein, kleiner, gemütlich. Ein Tiny House.
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Immer mehr Gemeinden befassen sich mit dem Thema Wohnen auf kleinstem Raum. Warum sie das tun und welche Pläne es aktuell gibt.

Aalen

Sie sind klein, gemütlich und ziemlich angesagt. Tiny Houses, Minihäuser, in denen Menschen ihren Traum vom minimalistischen Lebensstil verwirklichen. Wie Pilze schießen landauf, landab Tiny House-Siedlungen aus dem Boden. Auch im Ostalbkreis gibt es Kommunen, die bei neuen Baugebieten auch an die Ausweisung von Bauplätzen für Tiny-Häuslebauer denken. Gemeint sind damit aber feststehende Wohneinheiten, nicht kleine Häuschen mit denen man von Ort zu Ort ziehen kann.

Konkrete Pläne in Hüttlingen

Aktuell sind beispielsweise in Hüttlingen die Pläne schon ziemlich konkret. Im Baugebiet "Heiligenwiesen Süd II" sind sechs Bauplätze für kleine Häuser vorgesehen. "Es ist eine entsprechende Nachfrage da, der Gemeinderat das beschlossen", so Hauptamtsleiter Franz Vaas. Bis zu 15 Interessenten gebe es für die sechs Bauplätze schon. Mit bis zu 400 Quadratmetern Fläche seien die Grundstücke aber nicht so klein, dass eine Alternativbebauung nicht auch noch möglich sei, erklärt Vaas. Die anderen Grundstücke haben dagegen eine Fläche bis zu 600 Quadratmetern. Maximal sieben Meter hoch dürfe ein Haus auf einem der sechs kleineren Bauplätze werden. Zudem gebe es auch für diese bestimmte Bestimmungen, etwa bei der Frage der Bepflanzungen. Heimisches Holz ist hier vorgeschrieben.

Nur private Projekte in Aalen

Noch keine große Bewegung sieht man bei diesem Thema in Aalen. Obwohl es auch hier Interessenten gibt, wie Pressesprecherin Karin Haisch mitteilt. Bauanträge für Tiny Houses seien erst in den letzten beiden Jahren eingereicht worden. Ein Tiny House sei auf einer Restfläche ist im Stadtgebiet durch die Bauverwaltung bereits genehmigt worden. Ein anderes Baugesuch sei gerade im Genehmigungsverfahren. Wo genau, darüber gibt das Presseamt keine Auskunft. Nicht nur private, sondern auch Investoren sind allerdings interessiert an den kleineren Häusern. "Das Tiny House ist gerade im Trend und das führt natürlich dazu, dass Investoren damit auf den Markt kommen möchten und bei Kommunen nach Flächen anfragen. Auch bei uns wurde deshalb schon angefragt", so Haisch. Man habe das Modell bei den Überlegungen zur Stadtentwicklung miteinbezogen.

Vor- und Nachteile: Es gebe aber Vor- und Nachteile, die man bewerten müsse. So müsse berücksichtigt werden, dass Erschließung, Ver- und Entsorgung des Tiny House analog zu einem Einfamilienhaus erfolgen müsse. Der Nutzer eines Tiny House reduziere zwar seine Wohnfläche, ein entsprechender ökologischer Mehrwert ergebe sich aber erst dann, wenn damit auch eine Reduzierung des insgesamten Flächenverbrauchs verbunden sei, so Haisch weiter. Vor allem in Randlagen oder Grundstücken mit entsprechendem Zuschnitt im Innenbereich komme ein Tiny House in Frage. Für die Ausweisung ganzer Wohngebiete würden andere Modelle mehr Chancen bieten. Hier müsse auch im "Einklang mit der Umgebungsbebauung" bewertet werden. Ein Tiny House ist baurechtlich genauso zu behandeln, wie die Erstellung eines normalen Wohngebäudes. "Ein Tiny House ist anders zu bewerten, als ein Gartenschuppen, in dem nur Geräte aufbewahrt werden." Grundsätzlich könne ein Bauherr unter der Einhaltung der für sein Grundstück geltenden baurechtlichen Vorschriften auch ein Tiny House erstellen. "Wir empfehlen jedoch unbedingt, rechtzeitig das Vorhaben mit dem Bauordnungsamt zu klären", so Karin Haisch.

Pläne auch in Gmünd

Hüttlingen, Westhausen-Lippach, Schwabsberg, Oberkochen - nur einige der Gemeinden im Ostalbkreis, in denen bereits Tiny House-Siedlungen entstehen, über Nachverdichtung mit diesen nachgedacht wird oder sie Thema in den Gremien sind. So auch in Schwäbisch Gmünd. "Wir sind von Seiten der Stadtverwaltung dabei, eine kleine Siedlung auf den Weg zu bringen mit fünf bis sechs Häusern als Starterprojekt", sagt dazu Gerhard Hackner, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Diese könnte in der Kernstadt sei, aber auch in den Stadtteilen. „Die Nachfrage ist da. Es gibt ja in der Gesellschaft auch einen entsprechenden Wandel", so Hackner weiter. Der Flächenanspruch dieser kleinen Wohneinheit sei zwar nachteilig zu bewerten, wenn man für jede von 150 Quadratmetern Fläche ausgehe. "Aber was die Wohntypologie angeht, wollen wir einen breiteren Mix anbieten", erklärt Hackner. Klar sei aber auch: "Wir wollen keinen Campingplatz. Die Leute sollen dort schon ihre Hausadresse haben."

  • Die Nachfrage an Minihäusern steigt, die Kommunen öffnen sich.Mittlerweile bieten auch eine Reihe von Hersteller in Baden-Württemberg hölzerne Tiny Houses an. Die Preise beginnen bei rund 30 000 Euro, nach oben hin gibt es so gut wie keine Grenzen. Wer ein solches bauen will, braucht ein erschlossenes Grundstück in einem Wohngebiet. Mobile Tiny Houses auf Rädern finden oft auch Raum auf Campingplätzen. Im bayrischen Ursberg gibt es ein bereits ein Tiny House-Dorf. Verteilt auf sieben Kleinsthäuser leben hier Menschen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung. Jedes der kleinen Holzgebäude bietet auf rund 35 Quadratmetern alles, was eine Person zum Leben braucht.
Solche Tiny Houses auf Rädern sind eher etwas für den Campingplatz.

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