Tipps vom Naturfotografen: So knipst man den Eisvogel

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Ein Eisvogel im Ostalbkreis.

Tobias Gärtner ist Hobby-Naturfotograf. Sein Revier ist die Ostalb. In unserem Blog „Tobias‘ Naturfotografie“ berichtet er von seinem Hobby und gibt nützliche Tipps, was bei der Wildtier- und Naturfotografie zu beachten ist. Im dritten Teil geht es um Eisvögel. 

Inspiriert von den vielen grandiosen Eisvogel-Bildern im Internet oder den sozialen Medien, schien es für mich lange Zeit unerreichbar diesen Vogel einmal zu sehen, geschweige denn fotografieren zu dürfen. Zumal ich bis dato noch nie einen Eisvogel in freier Natur wahrgenommen habe.

Angefangen hat alles mit den Haubentauchern, im Mai 2019. In den frühen Morgenstunden saß ich am See, den brütenden Haubentaucher und seine Umgebung immer fest im Blick. Hin und wieder hörte man ein kurzes, markantes Pfeifen und einen Vogel der in hoher Geschwindigkeit über das Wasser flog. Er verschwand immer so schnell wie er plötzlich gekommen ist. 

Da ich mich auf den brütenden Haubentaucher konzentrierte, schenkte ich diesem Vogel keine Beachtung. Da er so schnell flog, war sowieso nicht daran zu denken ihn zu fotografieren. Als er bei seinen unzähligen Flügen erstmalig etwas langsamer wurde und sich schräg gegenüber, auf der anderen Uferseite, auf den Ast eines kleinen Baumes niederließ, zog er meine Aufmerksamkeit auf sich. Mir war so, wie wenn der Vogel blau geschimmert hätte. Auf die Ferne mit dem bloßen Auge aber nicht erkennbar. So nutzte ich meine Kamera als Fernglas, um zu sehen was genau sich da auf der anderen Uferseite befindet.

Die Überraschung schlechthin

Es war in dem Moment die Überraschung schlechthin. Dort saß tatsächlich ein Eisvogel. Bei uns an einem heimischen Gewässer, mehr oder weniger fast vor meiner Haustüre. Ich konnte es nicht glauben, es war unbeschreiblich. Bevor er wieder weiterflog, musste ich schnell ein dokumentarisches Bild von ihm machen. Als Erinnerung und um das Erlebte zuhause nochmal verarbeiten zu können. 

Den Haubentaucher bereits fast vergessen, machte ich mich daheim kurzerhand an die Recherche. Wo genau lebt der Vogel? Zu welchen Uhrzeiten ist er üblicherweise aktiv? Wie sieht seine Nahrung aus? Wie jagt er und welche Tipps findet man sonst noch so im Internet?

In den Tagen danach musste ich das meiner Frau zeigen, wo genau sich der Vogel befand und wie sich diese Entdeckung zugetragen hatte. Als wir nachmittags am See ankamen, liefen wir direkt an die Stelle wo der Vogel zuvor auf dem Ast saß. Kaum angekommen und gedanklich eigentlich noch gar nicht so richtig darauf eingestellt, sitzt der Vogel plötzlich vor uns. Wieder in demselben Baum, direkt am Wegesrand, maximal 2 - 3 Meter entfernt. 

Ein schüchterner Vogel

Vermutlich hörte er uns nicht kommen, er ist von uns genauso erschrocken wie wir von ihm. Er flog auf und verschwand. Ein erneut unerwarteter und aufregender Moment. Für mich war anschließend klar, dass er diesen Baum wahrscheinlich als regelmäßigen Ansitz nutzt. So schnell wie nur irgendwie möglich wollte ich mein erstes Mal dort ansitzen, mit der Hoffnung auf ein Bilderbuchfoto, wie man es schon viele Male im Internet gesehen hat. 

Doch ganz so einfach war es nicht. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich weder Tarnzelt noch Tarnnetz. Lediglich einen Ghillie-Suite, der eher an Scharfschützen beim Militär erinnert als an Naturfotografen. Was Besseres hatte ich aber nicht und musste es zumindest einmal versuchen. Die Tarnwirkung dieses Anzuges ist sicherlich hervorragend, problematisch ist nur, dass jede Bewegung die man macht erkennbar wird. 

Somit gestaltete sich der erste Ansitz als erfolglos. Man versucht zwar regungslos da zu sitzen und sich nicht zu bewegen, über einen längeren Zeitraum aber nahezu unmöglich. Ein Tarnzelt musste also her, alles andere machte wenig Sinn. Nach etwas Recherche im Internet entschied ich mich für ein Tarnzelt der Marke Tragopan und konnte meinen ersten Ansitz darin kaum erwarten. 

Naturfotografie braucht Geduld

Am darauffolgenden Wochenende sollte der erste Test erfolgen. In den frühen Morgenstunden ging es wieder an dieselbe Stelle. Das Zelt, dank der Pop-Up-Funktion in wenigen Sekunden aufgebaut, am Wegesrand in Position gebracht, die Kamera und das Stativ sowie einen Stuhl reingestellt und nun hieß es warten. 

Die ersten markanten Pfiffe deuteten auf die Anwesenheit des Eisvogels hin, zu sehen war er aber noch nicht. Es dauerte eine ganz Zeit lang, bis er sich tatsächlich wieder auf demselben Baum niederließ wie in den Tagen zuvor. 

Die Freude war riesig, diesen Vogel aus nur wenigen Metern Entfernung live beobachten zu dürfen. Es war unbeschreiblich und der Vogel schien sich an dem Tarnzelt überhaupt nicht zu stören. So hatte ich die Gelegenheit meine allerersten Eisvogel-Fotos zu schießen. Die "Schönheit" der Bilder stand erst mal etwas im Hintergrund. 

Wie so oft bei Erstsichtungen, war es mir wichtig überhaupt ein Foto machen und den Moment festhalten zu können. Die vielen Äste und das Laub machten es sowieso schwierig den Vogel freigestellt zu fotografieren, so versuchte ich diese zumindest als natürlichen Rahmen zu nutzen.

In den Tagen danach war ich nochmal dort. Der Eisvogel steuerte diesen Baum weiterhin zuverlässig an. Aufgrund der besagten Äste und des Laubes war es aber schwierig ein Bild einzufangen wie ich es mir eigentlich vorstellte.

So machte ich mich an dem See auf die Suche nach einer weiteren potenziellen Stelle, welche der Vogel vielleicht als Sitzwarte nutzt. 

Ein am Uferbereich abgestorbener und leicht schräg stehender Baum sah zumindest so aus, wie wenn er eine geeignete Warte für den Vogel sein könnte. Die Äste ca. 1 - 2 Meter über der Wasseroberfläche. Eigentlich gute Bedingungen um von dort zu jagen. Soweit möglich suchte ich an dem Baum noch nach Spuren, um feststellen zu können, ob dieser tatsächlich vom Eisvogel genutzt wird. Es waren aber keinerlei Kotspuren, aufgescheuerte Äste o.ä. zu erkennen.

Mit wenig Aussicht auf Erfolg wollte ich es trotzdem versuchen, ob er sich denn nicht doch dort niederlässt. Am nächsten Morgen machte ich mich also wieder auf zum Ansitz, im Gepäck mein Tarnzelt, meine Nikon D500, Stativ und Rucksack. Es verging etwas Zeit, als die ersten Pfiffe erneut auf die Anwesenheit des Vogels hindeuteten. Mehr wie die Pfiffe war aber nicht zu hören, besser gesagt er war nicht zu sehen. Zu schnell flog er immer wieder über den See. 

Die Geduld wird belohnt

So langsam kamen Zweifel an meiner Entscheidung auf, diesen Baum als potenzielle Sitzwarte ausgesucht zu haben. Scheinbar würde er ihn wohl nicht nutzen. Ein erneut markanter Pfiff war es, der mich zum x-ten Mal aufhorchen und durch das kleine Fenster des Tarnzeltes blicken ließ. 

Doch dieses Mal saß er tatsächlich vor mir, direkt auf dem von mir vermuteten Baum. Wenn ich mich noch recht erinnern kann, war es mir in dem Moment gar nicht möglich Fotos zu machen. Zu schnell war er wieder weg.  Jetzt wusste ich aber, dass er diesen Baum trotz meiner Bedenken nutzt und hoffte darauf, dass er ihn regelmäßig besucht.

In den darauffolgenden Wochen versuchte ich jede freie Minute für weitere Ansitze an diesem Baum zu nutzen.  Dieser Platz stellte sich zwischenzeitlich als absolut wertvoll heraus. Der Eisvogel ließ sich regelmäßig dort nieder, die morgendliche Sonne sorgte für tolles Licht und nur wenig störende Äste machten freigestellte und formatfüllende Aufnahmen möglich. Ein Traum, Bilder wie ich sie seither nur aus dem Internet kannte waren jetzt möglich.

Die Geduld des Naturfotografen hat sich gelohnt.

Von nun an war alles anders. Der "Blaue Diamant" war keine Seltenheit mehr. Hat man seinen markanten Pfiff einmal im Ohr, stellt man plötzlich fest dass er gar nicht so selten ist. Man hört ihn zumindest regelmäßig an unterschiedlichen, stillen sowie fließenden Gewässern und sieht ihn immer mal wieder schnell über das Wasser fliegen. 

Schwieriger wird es, wenn man seine regelmäßigen Sitzwarten ausfindig machen möchte. Hier gehört, wie so oft in der Wildlife-Fotografie, auch etwas Glück dazu. In den vergangenen zwei Jahren konnte ich weitere Gewässer ausfindig machen, an welchen er regelmäßig verkehrte und auch die Möglichkeit für Fotos bestand.

Beim Fotografieren der Eisvögel gehört auch etwas Glück dazu.

Für diese Fotos kamen zum Einsatz:

Technik: Nikon D500 + Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG Sports  + Stativ

Kleidung / Tarnung: Kleidung in gedeckten Farben + Tarnzelt oder Tarnnetz zum vor mir Aufspannen (Gesichtsmaske + Handschuhe nur wenn ich hinter einem Tarnnetz saß)

Tipp:

Möchtest Du selbst einmal Eisvögel fotografieren, kann ich dir aus meinen Erfahrungen folgendes mit auf den Weg geben, was alle Eisvögel gemeinsam hatten: Bevor man sie sieht, hört man sie im Regelfall. Sie kündigen sich immer mit ihren markanten Pfiffen an.

Hat man eine Sitzwarte gefunden, fliegen sie diese regelmäßig an. Sitzt man ein paar Stunden dort, bieten sich normalerweise mehrere Möglichkeiten Fotos zu machen.

Frieren die Gewässer im Winter zu, werden dem Eisvogel die Nahrungsquellen entzogen. Viele ihrer Art überleben dies nicht. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Eisvögel mehrere Jahresbruten haben und somit für ausreichend Nachwuchs sorgen. 

Wenn man an einem Gewässer Eisvögel gefunden hat, heißt das leider nicht automatisch dass diese im darauffolgenden Jahr ebenfalls noch da sind. Du musst dich also darauf einstellen, dass im Folgejahr nicht garantiert ist dass du sie genau dort wieder findest.

Ein paar allgemeine/technische Tipps:

Meiner Erfahrung nach funktioniert ein Tarnzelt bei Vögeln aller Art ganz gut. Sie lassen sich dadurch nicht stören und kommen bis auf wenige Meter an einen heran. Zudem kann man sich in einem Zelt frei bewegen, etwas essen oder trinken, ohne dass die Vögel davon etwas mitbekommen oder gestört werden

Es muss nicht immer ein großes Teleobjektiv mit 500 oder 600mm sein. Da man mit einem Tarnzelt die Chance hat auch mal etwas näher ran zu kommen, können auch 300 oder 400mm ausreichend sein. 

Was aber nicht heißen soll, dass man sich mit einem Tarnzelt/-netz o.ä. direkt vor eine Bruthöhle oder ein Nest setzt. Der Schutz der Tiere sollte immer an erster Stelle stehen. Stört man sie während Ihrer Brut oder wenn sie ihren Nachwuchs großziehen, kann das verheerende Folgen haben.
So etwas kann nicht im Sinne der Naturfotografie sein.

Anders wie z.B. bei Rehwild, ist den Vögeln der Geruch des Menschen egal. Der Wind spielt somit eine untergeordnete Rolle. Was Geräusche betrifft sind Vögel meiner Erfahrung nach zwar nicht so empfindlich, die Auslösegeräusche einer Spiegelreflexkamera können die Tiere aber durchaus irritieren und auffliegen lassen. Wer die Möglichkeit hat mit einer Systemkamera lautlos zu fotografieren, hat hier definitiv einen Vorteil

Um (Eis-)Vögel fotografieren zu können, ist ein Tarnzelt nicht zwingend erforderlich. Es gibt auch nicht überall die Möglichkeit eines aufzustellen. Ein Tarnnetz funktioniert meiner Erfahrung nach mindestens genauso gut. Wichtig ist nur, dass die Tiere nicht gleich jede unserer Bewegungen wahrnehmen und dadurch abgeschreckt werden

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