Tod des kleinen Nick: Aus Angst weggeschaut

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Vor dem Ellwanger Amtsgericht muss sich die Mutter des zu Tode gequälten Jungens verantworten
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  • Martin Simon
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Jetzt steht die Mutter vor Gericht.

Ellwangen. Der gewaltsame Tod des 23 Monate alten Nick aus Aufhausen, hat vor rund einem Jahr die Ostalb tief erschüttert. Der Lebensgefährte der Mutter hatte das Kind brutal zu Tode gequält. Der Mann wurde dafür im Mai dieses Jahres zu einer 14-jährigen Haftstrafe wegen Totschlags verurteilt. Seit Mittwoch muss sich nun die Mutter des Jungen vor Gericht verantworten. Sie ist wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 37-Jährigen vor, ihren Sohn in der Obhut des Lebensgefährten belassen zu haben, obwohl sie erkannt haben musste, dass der Mann ihr Kind schwer misshandelte. Dem kleinen Jungen seien zahlreiche, auch sichtbare Verletzungen zugefügt worden, machte Oberstaatsanwalt Dirk Schulte bei Verlesung der Anklageschrift zum Prozessauftakt vor dem Ellwanger Amtsgericht deutlich.

Trotzdem tat sich die 37-jährige Verkäuferin, die mittlerweile in einem Frauenhaus in Schwäbisch Hall lebt, mit einem Schuldeingeständnis zunächst schwer. Sie betonte stattdessen unter Tränen, wie sehr ihr die Tat zugesetzt habe. Die Folgen seien für sie und ihre Familie weitreichend gewesen. Sie selber habe über viele Monate psychologische Betreuung gebraucht. Und: Ihre anderen vier Kinder lebten mittlerweile nicht mehr bei ihr, sondern seien in Heimen beziehungsweise bei Pflegefamilien unterkommen. Die Verletzungen bei Nick will sie nicht bemerkt haben; der Lebensgefährte hätte den Sohn von ihr ferngehalten. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich die Sachen dann in der Zeitung gelesen habe“, erklärte sie eingangs.

Richter Norbert Strecker machte der 37-Jährigen klar, dass diese Einlassungen wenig glaubhaft seien. Man könne den schwer verletzten Jungen auf Fotos, die dem Gericht vorliegen, teilweise gar nicht mehr erkennen, merkte Strecker an. Er und auch der Verteidiger Rainer Schwarz wirkten in der Folge auf die Angeklagte ein. „Vielleicht können Sie in sich gehen und uns dann sagen, wie es tatsächlich war“, schlug der Richter vor. Und das passierte dann auch nach einer kurzen Verhandlungsunterbrechung. Die 37-Jährige räumte ein, dass die Anklage zutreffend sei. Sie habe erkannt, dass ihr Partner das Kind misshandelte, sah sich aber außerstande, etwas zu unternehmen, weil sie von dem 33-Jährigen selbst bedroht worden sei. „Aus Angst“ habe sie weggesehen.

Angehört wurden am ersten Verhandlungstag auch noch eine Bekannte der Familie und die Vermieterin. Beide Frauen hatten an dem Kind blaue Flecken bemerkt, diese Beobachtung dann aber lediglich der Mutter angezeigt.

Der Rechtsmediziner, Professor Sebastian Kunz, zeigte dem Gericht anhand von schwer auszuhaltenden Fotoaufnahmen auf, wie massiv das Kind gequält worden ist. Der gesamte Körper des Jungen war zum Todeszeitpunkt übersät mit Hämatomen, Schürfwunden und Bissverletzungen. Gestorben sei Nick letztlich durch einen „Stampftritt“ in den Bauch, was zum Abriss einer Darmschlinge sowie dem Aufreißen des Bauchfells geführt hatte, sagte Kunz. Der Rechtsmediziner machte auch deutlich, dass das Kind unter starken Schmerzen gelitten haben muss.

Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt, dann soll auch das Urteil gesprochen werden.

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