Totes Kind: „Wir ermitteln auch, ob Dritte sich strafbar gemacht haben.“

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Kerzen, Blumen und Kuscheltiere stehen vor dem Eingang eines Wohngebäudes im Ortsteil Aufhausen.
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Die Staatsanwaltschaft hofft, dass ihr die Ermittlungen der Polizei im Januar 2022 umfassend vorliegen und es dann in den Gerichtsprozess geht.

Bopfingen

Trauer, Betroffenheit, Wut und viele offene Fragen - das sind die beherrschende Elemente im Zusammenhang mit der Tötung des 23 Monate alten Kindes in Aufhausen. Für Freitag, so hatte die Staatsanwaltschaft Ellwangen gehofft, könne sie neue Ergebnisse der Ermittlungen offenbaren. Indes, der für die Presse zuständige Staatsanwalt Armin Burger, bittet weiter um Geduld.

Ob es zutrifft, dass die Mutter nicht nur drei, sondern sechs Kinder hatte, ob es zutrifft, dass die Familie seit vielen Jahren sehr intensiv vom Jugendamt betreut wurde, auf all diese Fragen könne die Staatsanwaltschaft nicht antworten. „Zu den persönlichen Verhältnissen sagen wir nichts. Hier ist das Jugendamt zuständig“ , sagt Burger. Das Jugendamt in Schwäbisch Hall beruft sich hier jedoch auf den Personendatenschutz.

Ob der Beschuldigte inzwischen sein Schweigen gebrochen, gar ein Geständnis abgelegt hat? Auch hierzu könne er, diesmal aus Gründen der Ermittlung, nichts sagen, meint Burger. „Wir ermitteln sämtliche Umstände, die zum Tod des Kindes geführt haben, wir ermitteln dabei auch, ob sich Dritte strafbar gemacht haben könnten“, sagt er.

Auf die Frage, ob die Staatsanwaltschaft auch in Richtung eines Behördenversagens in Schwäbisch Hall ermittle, wiederholt Burger: „Wir ermitteln sämtliche Umstände, die zum tragischen Tod des Jungen geführt haben“.

Nein, die Mutter sei nicht in Untersuchungshaft, sagt Burger weiter, wo sich die Frau und ihre Kinder befinden, gibt er nicht an, „aber die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es den Kindern den Umständen entsprechend gut geht“, sagt er.

Auch über die Ergebnisse der Obduktion des getöteten Kindes könne die Staatsanwaltschaft derzeit noch nichts sagen. Hier gehe es um Täterwissen. Aufgabe sei es nun, Beweise zu sammeln, die vor Gericht Bestand haben, bittet Burger um Verständnis. Zum Gerücht, der 23 Monate alte Junge sei aus dem Fenster geworfen worden, meint Burger zumindest: „Das Kind starb an multiplen Verletzungen, dass diese von einem Sturz herrühren, kann man wohl ausschließen.“

Die Polizei in Bayern hat bereits im November 2020 die Wohnung der Familie in Aufhausen durchsucht. Weshalb? Die Antwort klärt der Augsburger Pressestaatsanwalt Dr. Andreas Dobler noch ab. Aktuell sagen kann er aber: „Das Verfahren richtet sich gegen eine andere Person als den im Tötungsdelikt nun Beschuldigten. Das Verfahren hier läuft auch noch.“ Staatsanwalt Burger bestätigt, dass auch die baden-württembergische Polizei Anfang 2021 bei der Familie in Aufhausen war. „Das war aber keine Hausdurchsuchung, sondern es wurde eine Person, die nichts mit dem Tötungsverfahren zu tun hat, in einer Sache befragt. Das Verfahren hier wurde eingestellt.“

Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten mit „Nachdruck, Eile und Sorgfalt“, versichert Erster Staatsanwalt Armin Burger. Er glaubt, dass bis Mitte Januar die Akten der Polizei der Staatsanwaltschaft umfassend vorliegen. Dann gehe es an die Prozessvorbereitung.

Trauerfeier am Montag

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler hat in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend angekündigt, dass die Stadt den Menschen einen gemeinsamen Raum geben will, ihre Trauer und Betroffenheit über den schrecklichen Vorfall zu zeigen. Daher wird es an Allerheiligen auf dem Dorfplatz in Aufhausen, ab 17 Uhr, eine Gedenkfeier geben. Gerne sollen die Menschen Kerzen mitbringen, die Pfarrer werden ein paar Worte sprechen.

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